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Veränderungen betreffen die ganze Familie / 30 Familien im Programm

Jobcenter macht Hausbesuche

Kreis Lippe. Kein Mensch ist eine Insel, schrieb einst der englische Schriftsteller John Donne. Kerstin Stuwe vom Jobcenter Lippe wählt lieber ein anderes Bild: „Familien sind eine Einheit, ein festes Gefüge wie eine Mauer, deren Steine sauber aufeinander gestapelt sind. Fangen wir an, hier und da ein Steinchen zu verschieben oder herauszunehmen, kommt die ganze Mauer in Bewegung und verändert sich.“ Deshalb arbeitet das Jobcenter Lippe nun erstmals nicht nur mit dem einzelnen Arbeitslosen, sondern mit der gesamten Familie. Das neue Projekt „Jobcoach“ für Arbeitslosengeld-II-Empfänger, das vom Jobcenter entwickelt wurde, ist dieses Jahr an den Start gegangen. Durchgeführt wird es von der CompetenzWerkstatt Beruf gGmbH.

veröffentlicht am 07.09.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 17:21 Uhr

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Vier sogenannte Jobcoaches gibt es, die momentan 30 Arbeitslosengeld-II-Familien mit insgesamt 119 Familienmitgliedern in Lippe betreuen. Einmal in der Woche besuchen sie die Familien zu Hause und besprechen mit ihnen, welche Hindernisse und Probleme es bei der Jobsuche gibt. Seit vier Monaten gibt es das Projekt und die Jobcoaches konnten schon viele kleinere und größere Erfolge erzielen. 15 der betreuten Familienmitglieder haben einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz gefunden. Andere beginnen eine vom Jobcenter finanzierte Umschulung, besuchen einen Deutsch-Kurs oder erhöhen die Zahl ihrer Arbeitsstunden, um mehr Geld zu verdienen.

Vor allem erleben die Coaches, welchen Einfluss die erreichten Veränderungen auf alle Familienmitglieder haben. Männer müssen lernen, mehr Verantwortung im Haushalt zu übernehmen, damit ihre Frauen ihren Mini-Job zu einem Teil- oder Vollzeitjob aufstocken können. Das Familienleben verändert sich, wenn der Vater nun jeden Tag arbeiten geht. Oder arbeitslose Eltern müssen damit umgehen, dass das erwachsene Kind plötzlich als Einziges in der Familie Arbeit hat und Geld in den gemeinsamen Haushalt bringt. „Diese Veränderungen betreffen die ganze Familie. Deshalb müssen wir auch mit der ganzen Familie arbeiten, damit alle Mitglieder diese Veränderungen zulassen und als positiv annehmen“, erklärt Georg Becher.

Das Ziel des Projekts ist die Vermittlung auf dem Arbeitsmarkt. „Wir sind keine Familientherapeuten“, verdeutlicht der 48-jährige Jobcoach. Aber bei den Gesprächen in der vertrauten heimischen Umgebung entsteht ein engeres Vertrauensverhältnis als bei Terminen „auf dem Amt“. So finden die Coaches einen besseren Zugang zu den Familienmitgliedern und erfahren mehr über Hintergründe und eventuelle Probleme. Bei Bedarf vermitteln sie an weitere Hilfestellen, wie die Schuldnerberatung, psychologische oder medizinische Hilfen oder das Jugendamt.

„Manchmal treffen wir auch auf Schicksale, die sehr bewegend sind“, so Becher. Zum Beispiel den Fall einer Mutter: Da ihre Tochter suizidgefährdet war, traute sie sich nicht zu arbeiten und ihre Tochter in der Zeit alleine zu lassen. Mit Unterstützung durch ihren Job-coach hat sie Hilfe für ihre Tochter gefunden und hat einen Teilzeitjob angenommen. Ganz energisch widersprechen Stuwe und Becher dem Klischee, dass Langzeitarbeitslose ihre Kinder vernachlässigen würden und sich nicht um deren Schulbildung kümmern. „Im Gegenteil“, betont Becher, bei dessen betreuten Familien neun von zehn Familienoberhäuptern keine abgeschlossene Ausbildung haben. „Die Eltern haben aus ihrer eigenen Erfahrung gelernt, wie wichtig Bildung ist. Ich erlebe oft, dass Druck auf die Kinder ausgeübt wird, einen hohen Schulabschluss zu bekommen.“ Hier sei es auch Aufgabe der Jobcoaches, mit allen gemeinsam zu klären, welche Pläne realistisch sind. Arbeitgeber, die neue Mitarbeiter suchen, können sich an den Arbeitgeberservice des Jobcenters Lippe wenden, unter 05231/4599460.

Baut ein enges Vertrauensverhältnis zu den Familien auf: Jobcoach

Georg Becher macht Hausbesuche.



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