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Partner weihen Ladesäulen ein

Jetzt kann in Bad Pyrmont elektrisch getankt werden

BAD PYRMONT. Mit der Einweihung von fünf Ladestationen mit zehn Ladepunkten im Stadtgebiet von Bad Pyrmont und der Präsentation der bisher angeschafften Elektroautos haben Stadt, Stadtwerke, BPT und Staatsbad einen großen Teil ihres Elektromobilitätskonzeptes umgesetzt. Bürgermeister Blome sprach von einem Meilenstein.

veröffentlicht am 28.09.2018 um 13:18 Uhr
aktualisiert am 28.09.2018 um 21:00 Uhr

Zeigen, was man hat: der elektrische Fuhrpark von Stadt, Staatsbad, Stadtwerke, BPT und Öffis auf dem Marktplatz in Bad Pyrmont. Foto: uk
Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
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Stadtwerkechef Uwe Benkendorff entschied sich für den großen Auftritt. Auf dem Marktplatz ließ der Geschäftsführer des städtischen Tochterunternehmens alle Fahrzeuge auffahren, die rein elektrisch betrieben werden. Sie sollten verdeutlichen, dass Bad Pyrmont ein Jahr nach der Ankündigung sein Elektromobilitätskonzept umgesetzt hat, auch wenn wegen langer Lieferzeiten zwei von der Stadt für die AöR bestellten Scooter und der elektrisch betriebene Stadtbus für die Linie 63 noch fehlen. Am Marktplatz findet sich auch eine der aktuell fünf Ladestationen mit zusammen zehn Ladepunkten im Stadtgebiet, die am Freitag offiziell von Bürgermeister Klaus Blome eingeweiht wurden. Eine Ladestation mit zwei Ladepunkten soll bis spätestens Ende dieses Jahres folgen.

Von einem mutigen Schritt, der nun umgesetzt worden sei und von einem Meilenstein sprach Blome, nachdem er das rote Band durchschnitten hatte. „Bei den Bemühungen, Lärm- und Feinstaubbelastungen zu reduzieren, sind die Kommunen besonders gefordert und erst recht die Kur- und Heilbäder.“ Bad Pyrmont sei sei nicht nur im Landkreis, sonder auch über die regionalen Grenzen hinaus Vorreiter in Sachen Elektromobilität. „Das ist ein gelungener Spagat zwischen traditioneller und smarter Kurstadt.“

Und auch Benkendorff strich die besondere Stellung des Kurortes heraus. „Bezogen auf die Einwohnerzahl von Bad Pyrmont ist das Verhältnis von Ladestationen bezogen auf die Einwohnerzahl ein national städtischer Spitzenwert“, meldete er stolz. Bundeskanzlerin Angela Merkel dürfte es freuen. Erst Anfang dieser Woche hatte sie den Ausbau der Ladeinfrastruktur als Grundlage für die Etablierung der Elektromobilität gefordert. Dass es mit Blick auf die Million E-Autos auf deutschen Straßen langsamer vorwärtsgeht, als es sich die Bundesregierung gewünscht hatte, findet Merkel „nicht so ein Drama. 2020 werden wir es nicht schaffen, aber 2022.“

Das E-Konzept ist ein gelungener Spagat zwischen traditioneller und smarter Kurstadt.

Klaus Blome, Bürgermeister Bad Pyrmont

An Bad Pyrmont soll es nicht liegen, wenn auch dieses Ziel verfehlt wird. Doch auch wenn Deutschland in Sachen Elektrofahrzeuge im internationalen Vergleich bislang hinterherhinkt, so hat sich die Zahl der Neuzulassungen in diesem Jahr deutlich verstärkt. Marktforscher wollen herausgefunden haben, dass das Kaufinteresse an Elektroautos in Deutschland kontinuierlich zulegt. Demnach können sich 41 Prozent der Befragten inzwischen vorstellen, sich als nächstes Auto einen Stromer zuzulegen. Vor zwei Jahren waren es nur 30 Prozent der Befragten. Auch Bürgermeister Blome überlegt, das nächste oder übernächste Dienstauto als elektrische Variante zu kaufen, zumal die Bundesregierung den Steuervorteil attraktiver gemacht hat. Wer seinen Wagen auch privat nutzt, der zahlt ab 2019 nur noch einen halbierten Satz von 0,5 Prozent. Gleiches wünscht sich Benkendorff für die E-Bikes als Diensträder für seine Mitarbeiter. „Logisch wäre das“, meint er.

Eigentlich wollte die Verkehrsgesellschaft Hameln-Pyrmont (Öffis) ab 2019 in Bad Pyrmont auch die erste rein elektrisch betriebene Buslinie im Landkreis fahren lassen. „Massive Lieferprobleme“ der Hersteller, so Öffi-Chef Arne Behrens, hätten das verhindert. Übergangsweise werde nun ein Hybridbus zum Jahresende 2018 auf der Linie 63 zum Einsatz kommen. Der fährt mit einem Dieselantrieb und wird nur beim Start elektrisch unterstützt. Behrens sagte, er rechne frühestens 2021 oder 2022 mit dem Einsatz eines rein elektrischen Busses. Für die Öffis sei Bad Pyrmonts E-Konzept sehr wichtig. „Was wir hier testen, wird Auswirkungen auf den gesamten Landkreis haben“, sagte er.

In der Verantwortung der BPT liegt das E-Mobilitäts-Sharing Modell. Seit April haben Gäste und Pyrmonter auch die Möglichkeit, dort ein E-Auto zu mieten, das laut BPT-Chef Karsten Stahlhut bislang an 65 Tagen vermietet wurde. „Zunehmend wird das auch von Pyrmontern genutzt“, berichtete er. Bei den E-Roller sei noch Luft nach oben, die stark nachgefragten E-Bikes – seit 2011 im Angebot – seien dagegen jährlich an 250 Tagen im Einsatz.

Und wo geht die Reise hin? Zumindest Behrens hat Visionen und dabei die Digitalisierung und autonomes Fahren im Sinn. „In zehn Jahren werde ich mir vielleicht kurzfristig ein Fahrzeug kommen lassen können“ meint der Öffi-Chef und bezieht dabei ausdrücklich nicht nur die Städte sondern besonders die Region ein.

Information

Wo? Fünf Ladestationen mit zehn Ladepunkten, gibt es aktuell im Stadtgebiet: an der Hufelandtherme, im Parkhaus an der Rathausstraße, bei den Stadtwerken an der Südstraße, auf dem Marktplatz Luisenstraße und an der Touristinformation am Europa-Platz. Eine weitere Säule mit zwei Punkten soll bis Ende 2018 am Bahnhof folgen. Für die Dauer des Ladens kann kostenlos geparkt werden.

Was kostet es? Alle Ladestationen mit Ausnahme der Schnellladesäule an der Touristinformation lassen laut Stadtwerken eine eichrechtskonforme Abrechnung nach Kilowattstunden (kWh) zu. „Der Kunde bezahlt nur das, was tatsächlich getankt wurde – zu einem aktuellen Preis von 38 Cent je kWh“, so Stadtwerkechef Uwe Benkendorff. An der Touristinformation wird nach Ladezeit abgerechnet, das Entgelt muss noch festgelegt werden. Laut Benkendorff ist diese Regelung gesetzlichen Bestimmungen geschuldet.

Wie wird bezahlt? Drei Möglichkeiten gibt es. Die Handyapp „plugsurfing“ (Apple und Android) zeigt freie Ladestationen an. Mit einem Klick wird der Ladevorgang gestartet. Wer sich nicht registrieren möchte, kann den QR-Code auf der Ladestation scannen und per Kreditkarte oder PayPal zahlen. Bargeldlose Zahlung ist nicht möglich. Die Stadtwerke bieten außerdem für 6,50 Euro – eine Art Pfand – einen Ladeschlüssel an, der an die Ladestation gehalten wird. Dieser Schlüssel muss zuvor unter www.plugsurfing.com registriert werden. Die Tankabrechnungen kommen dann regelmäßig ins Haus. uk



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