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Eigentümer meldet Insolvenz an / Stadtsparkasse sucht neue Pächter / Sparclub wartet auf sein Geld

Jetzt ist das einzige Hotel auf dem Hagen dicht

Hagen (jl). Jetzt ist der Pyrmonter Ortsteil Hagen sein einziges Hotel los: Der „Hagener Hof“-Eigentümer Uwe Weber hat Insolvenz angemeldet, das Hotel ist seit Ende Dezember dicht. Gestern haben die Webers ihre Wohnung im Hotel ausgeräumt und ziehen nun nach Hessen.

veröffentlicht am 04.01.2010 um 22:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 02:41 Uhr

Die Jalousien des „Hagener Hofs“ sind schon seit Tag
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Zu den Leidtragenden zählen – neben der pleitegegangenen Eigentümerfamilie und den Gläubigern – vor allem die Hagener. „Wir hängen jetzt alle in der Luft. Und das lähmt“, sagt Ortsbürgermeister Andreas Müller, dem die Schließung für die Hagener nach eigenem Bekunden „unheimlich leidtut“. Denn noch wisse niemand, was nun aus dem Karneval in einem Monat oder dem Gaffelfest Ende Februar werden solle. Und auch der Shantychor und der Frauensingkreis werden sich eine neue Bleibe für ihre Übungsabende und Konzerte suchen müssen – ganz zu schweigen von der Laienspielschar.

Der Ortsrat ist ebenfalls aufgeschmissen. Denn der hielt seine Sitzungen bisher im „Hagener Hof“ ab und lud dort auch zum Adventskaffee.

Um wenigstens die nächsten Veranstaltungen sicherzustellen, hat Andreas Müller bereits das Gespräch mit der Pyrmonter Stadtsparkasse gesucht. Denn die ist in dem Insolvenzverfahren die Hauptgläubigerin. „Ich hoffe sehr, dass der Insolvenzverwalter wenigstens den Saal freigibt“, sagt Müller mit Blick auf die Vorbereitungen fürs Karnevalsprogramm. „Sonst brauchen wir mit dem Üben gar nicht anzufangen.“

Bei der Stadtsparkasse rennt Müller mit seinem Wunsch offene Türen ein. „Wir wären die Letzten, die da etwas blockieren wollten“, sagt Andreas Steinmeier, der im Geldinstitut für die Rechtsabwicklung zuständig ist. „Wir wissen, dass das nicht einfach sein wird. Aber auch unser Ziel ist es, den ,Hagener Hof’ irgendwie zu erhalten.“ Deshalb suche man bereits nach neuen Pächtern; bisher habe man die Immobilie einem Interessenten gezeigt. „Aber das letzte Wort hat natürlich der Insolvenzverwalter“, so Steinmeier.

An der Schließung habe zwar kein Weg vorbeigeführt. Aber dem Geldinstitut sei es wichtig, „dass das Haus so gut wie möglich gepflegt wird.“

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter hat das Amtsgericht Hameln den Bückeburger Rechtsanwalt Matthias Lehmann bestellt. Der ist derzeit allerdings im Urlaub und daher für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Und was sagt der gescheiterte Gastronom selbst? „Wir haben mit Sicherheit Fehler gemacht“, räumt Uwe Weber ein, der gerade mit dem Auszug beschäftigt ist. „Und manche Leute haben uns diese Fehler wohl nicht verziehen.“ Ihm sei zwar klar gewesen, dass man nicht nur vom Geschäft mit den Leuten aus dem Ort leben kann. Aber von denen seien zu wenige in den „Hof“ gekommen, findet er.

Erst vor kurzem hat Weber allerdings eine ganze Reihe von Hagenern gegen sich aufgebracht. Denn beim Termin zur jährlichen Auszahlung an den Sparclub blieb er dessen Mitgliedern ihr Geld schuldig. „Die will ich aber noch auszahlen“, verspricht Weber, der es für unwahrscheinlich hält, dass ihre Forderungen in die Insolvenzmasse einfließen, da einige Mitglieder des Clubs ihn bereits bei der Polizei angezeigt hätten.

Insgesamt macht Weber „mehrere Faktoren“ für seine Pleite verantwortlich, ohne jedoch weiter ins Detail gehen zu wollen. Gebeutelt haben dürfte den Betrieb aber das Feuer in der Tiefgarage im Oktober 2007, denn die Versicherung soll den entstandenen Schaden damals nicht komplett ersetzt haben. Zudem lief im Sommer ein Vertrag mit der Stadt Bad Pyrmont aus. Die hatte für die Nutzung des Hauses als Gemeinschaftseinrichtung 30 Jahre lang Miete gezahlt; zum Schluss waren das rund 4600 Euro pro Jahr. „Wenn es politisch gewollt gewesen wäre, hätte man den Vertrag verlängern können“, sagt Stadtkämmerer Eberhard Weber. Aber das sei nicht der Fall gewesen.

Bereits seit fast einem Jahr hatte Uwe Weber keine Angestellten mehr, sondern führte den Betrieb allein mit seiner Frau Bianca und mit Unterstützung des heute 17-jährigen Sohnes. Bei Bedarf heuerte er Aushilfen an.

Der 39-Jährige und seine Familie ziehen nun erst einmal nach Hessen, um ihr Glück als Pächter eines anderen Gastronomiebetriebs zu versuchen.

Die Tafel an der Hauswand nennt noch die Öffnungszeiten, ein in den Aufteller geklemmter Zettel verkündet jedoch schon „geschlossen“.



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