weather-image
14°
Herderschule und Primary School in South Horr pflegen jahrelange Partnerschaft

Intensiver deutsch-afrikanischer Austausch

BAD PYRMONT. Ein Lehrer und zwei Studenten aus Kenia sind derzeit zu Besuch in Bad Pyrmont. Sie kommen von South Horr, mit der die Bad Pyrmonter Herderschule eine lange Partnerschaft pflegt.

veröffentlicht am 17.11.2017 um 14:29 Uhr

Regine Hüttmann singt gemeinsam mit ihren Schülern, Lawrence Lentilalu, Benjamin Letuke, Emmanuel Orguba und Schulleiter Hartwig Henke. Foto: yt
Avatar2

Autor

Carlhermann Schmitt Reporter
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

„Auf Einladung der Unesco-Kommission waren wir eine Woche in Wolfsburg, wo wir über nachhaltige Agrarwirtschaft gesprochen haben“, erklärte Lawrence Lentilalu, der als Lehrer an der Girls Secondary School arbeitet. Begleitet wurde er von Emmanuel Orguba, der an der Universität von Nairobi Soziologie und Politische Wissenschaften studiert und von Benjamin Letuke, der an der Kisii Universität Animal Science and Technologie studiert. Diese jährliche Tagung von deutschen und afrikanischen Schülern und Lehrern findet abwechselnd in Deutschland und einem afrikanischen Land wie Simbabwe, Senegal, Tansania oder eben Kenia statt.

„Da der Flug ohnehin bezahlt war, habe ich die drei zu uns nach Bad Pyrmont eingeladen, wo sie bei mir und einem Nachbarn privat untergebracht sind“, berichtet Karl-Heinz Recklebe, wie es zu dem Treffen hier gekommen ist. Gemeinsam mit seiner Frau Sigrid Recklebe hatte er mit viel privatem ehrenamtlichen Engagement das Partnerschaftsprojekt zwischen der Herderschule und der Primary School in South Horr initiiert und intensiviert. Mit Veranstaltungen wie dem „Run for Help“ haben die Schüler der Herderschule und weiterer Pyrmonter und Lügder Schulen Geld eingetrieben, um Schulanlagen zu bauen und Schulmaterial zu beschaffen.

Und das Ehepaar Recklebe ist auf eigene Kosten nach South Horr gereist, um das Material dort zu übergeben oder erst im Land zu beschaffen. So können nun statt weniger hundert gut 2000 Kinder mehrere Schulen in South Horr besuchen. Und auch für Mädchen gibt es eine Schule. „Die darf allerdings nicht einmal in der Nähe einer Jungsschule stehen“, berichtet Lentilalu von dem Gesetz, das ungewollte Schwangerschaften unterbinden soll. Deshalb ist seine Mädchenschule weit außerhalb von South Horr. „Hier gibt es zwar Unterkünfte für die Mädchen, es fehlt aber an einem Schlafhaus für Lehrer“, erklärt er die Situation, dass die Lehrer einen langen beschwerlichen Weg zu der Schule haben.

Karl-Heinz Recklebe überlegt schon wieder, welchen Architekten und vertrauenswürdigen Sachverwalter man ansprechen könnte, um einen Schlafraum zu bauen, in dem die Leher während der Woche bleiben könnten. Ein solches Haus zu bauen würde mit rund 12 000 Euro zu Buche schlagen, wofür ein neu aufgelegter Run for Help einen Zuschuss bringen könnte. Lob gab es in diesem Zusammenhang auch für den kenianischen Staat, der sich ebenfalls für die Schulen in South Horr engagiert. „Kenia hat bislang auch die Folgekosten getragen und selbst ebenfalls weitere Investitionen getätigt“, freut sich Karl-Heinz Recklebe, dass das immense Engagement der Pyrmonter nicht nur direkt in South Horr gewürdigt wird, sondern auch beim Land selbst auf fruchtbaren Boden fällt.

Der Kontakt zwischen Lehrern und Schülern aus South Horr und Bad Pyrmont spielt sich aber nicht nur auf großer politischer Bühne ab, sondern auch im ganz privaten und individuellen Bereich. So haben Erstklässler Bilder gemalt, auf denen sie sich oder ihre Familie zeigen. „Die andere Hälfte des Bildes ist noch frei. Da können dann Kinder aus South Horr sich und ihre Familie hinmalen“, erklärt Anke Kriha den Gästen. Die Lehrerin wird ihnen die Bilder ihrer Schützlinge mitgeben und freut sich schon auf die Antworten. Es gibt bereits eine WhatsApp-Gruppe, in der Lehrer der beiden Kontinente verzögerungsfrei miteinander kommunizieren können. Jetzt soll auch eine Schülergruppe entstehen, in der sich die Kinder und Jugendlichen austauschen können. Da können Bilder abfotografiert und von allen Freunden betrachtet werden. Anke Kriha hat auch selbst gebastelte Mensch-ärger-dich-nicht-Spiele dabei. „Vielleicht können wir dafür einmal ein typisch afrikanisches Spiel lernen.

Karl-Heinz Recklebe hat mit den drei Kenianern auch die anderen Pyrmonter Schulen und auch die Sekundarschule in Lügde besucht, war mit ihnen auf einer „Farm“ in Elbrinxen und besuchte das Ausbildungszentrum von Phoenix. Am meisten beeindruckt zeigten sich die Gäste aber von dem warmen Empfang und dem herzlichen Umgang der Deutschen mit ihnen. „Das ist richtig toll hier und wir werden jede Menge zuhause zu berichten haben“, strahlt Lawrence Lentilalu, der alles mit Block und Smartphone-Kamera dokumentiert. „Und genauso begeistert von dem Besuch sind natürlich auch unsere Schüler“, erklärt der Schulleiter der Herderschule Hartwig Henke. „Da muss sich jeder erst einmal mit ihnen abklatschen, bevor es weitergehen kann.“

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare