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Integrationsrat will Vereine und Kinder zusammenbringen

Integrieren statt abschotten – eine Herausforderung

Bad Pyrmont (jl). So mancher Pyrmonter Sportverein scheint an der Aufnahme von Kindern aus finanzschwachen Familien kein Interesse zu haben. Diesen Schluss lassen jedenfalls die bisherigen Erfahrungen der Stadtsparkasse mit ihrem Sozialsponsoring-Programm „Kids in die Clubs“ zu: Obwohl das Geldinstitut bereit ist, jedem teilnehmenden Verein monatlich sechs Euro pro Kind zuzuschießen, machen bisher nur sieben von 22 Vereinen mit. Das bedauert nicht nur Sparkassenchef Martin Lauffer (wir berichteten), sondern auch der städtische Integrationsrat.

veröffentlicht am 13.07.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 22:41 Uhr

Einen „Mehrwert für unser Leben“ nennt die Pyrmonter
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Zwecks Ursachenforschung wollen David Harley und Kirikoula Koussataloglou-Mund nun bei den Vereinen recherchieren. „Wir werden alle bitten, uns über den Migrantenanteil unter ihren Mitgliedern zu informieren“, stellt die Holzhäuserin in Aussicht, die auch gern wissen würde, wie sich Mädchen und Jungen über welche Sparten verteilen.

Sollte der Migranten-Anteil – wie zu vermuten – gering ausfallen, wollen die Ehrenamtlichen vom Integrationsrat in einem nächsten Schritt „Kinder befragen, zu welchen Sportarten sie Lust haben und bei Bedarf den Kontakt zum jeweiligen Verein und – bei finanzschwächeren Familien – auch zur AIBP herstellen“, sagt David Harley. Seine Mitstreiterin will das SSK-Programm auch in den Familien ins Gespräch bringen. Auf Anhieb fällt ihr der Frauenstammtisch im türkischen Kulturzentrum ein.

Einen ersten Versuch, den Migrantenanteil in Pyrmonter Vereinen zu ermitteln, hatte Koussataloglou-Mund bereits vor Monaten gemacht. Am Telefon. „Doch das Gespräch hat mich entmutigt“, gesteht sie. Denn ihr Gegenüber habe so gar kein Interesse am Thema gezeigt.

Darin sehen Koussataloglou-Mund und Harley denn auch eines der Probleme. Statt Integration scheint die Losung in manchem Verein eher „Abschotten“ zu lauten. Es gehe im Sport um Leistung und nicht um Sozialarbeit, habe sie zu hören bekommen.

Dabei wird Landes-Innenminister Uwe Schünemann nicht müde, die Bedeutung von „Integration durch Sport“ zu betonen. Die soziale Verantwortung lässt sich auch daraus ableiten, dass der Breitensport mit Steuergeldern unterstützt wird.

Cliquenbildung statt

Mannschaftsgeist?

„Kinder- und Jugendangebote im Sport (...) verfügen über ein großes Potenzial für mehr Chancengerechtigkeit und stärken die Integrationskraft der Gesellschaft,“ heißt es auf der Internet-Seite des Deutschen Olympischen Sportbundes. Und weiter: „Dem ,Sportverein um die Ecke’ wächst gerade in dieser Frage als wichtigem sozialen Raum und Ort der Begegnung eine zentrale Bedeutung zu.“

Dass die gewünschte Integration allerdings noch längst nicht selbstverständlich ist, zeigt die Tatsache, dass Minister Schünemann gerade jüngst wieder zwei Vereine mit Medaillen ausgezeichnet hat, die das Thema angehen.

Die Heilpädagogin Koussataloglou-Mund sieht das Ganze auch von der fachlichen Warte: „Kinder sollen im Verein doch Freude am Sport entwickeln. Und das geht nur, wenn es auch Spaß macht.“

David Harley, der selbst als Schiedsrichter in Elbrinxen Fußballspiele pfeift und früher eine Jugendmannschaft trainiert hat, gibt ihr Recht: „Damit Kinder Leistung bringen, muss man sie auch motivieren.“ Das wisse jeder Trainer.

Doch in der Kurstadt scheint in mancher Mannschaft eine gewisse, auch von ehrgeizigen Eltern forcierte Cliquenbildung Usus zu sein. „Manche Kinder sitzen eine ganze Saison lang auf der Bank“, hat Koussataloglou-Mund erfahren müssen.

Wie sehr Kinder vom Sport und der Gemeinschaft im Verein profitieren können, weiß sie spätestens, seit ihre eigene Tochter Fußball spielt und in der Jugendfeuerwehr mitmacht. „Die gemeinsame Freizeit schweißt zusammen“, schließt sie aus den begeisterten Erzählungen des Teenagers.

Deshalb hofft sie und David Harley, dass künftig noch mehr Pyrmonter Vereine dem SSK-Programm „Kids in die Clubs“ – und damit auch mehr Kindern aus armen Familien – eine Chance geben. Denn es gibt keinen Grund, warum sie die nicht verdient hätten.



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