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Welche Früchte das von Quäkern initiierte Projekt „Alternativen zu Gewalt“ trägt

Innere Mauern abtragen – von Bad Pyrmont aus

Bad Pyrmont. Vor 20 Jahren begann das Projekt Alternativen zu Gewalt (PAG) mit dem ersten Wochenendkurs im Quäkerhaus in Bad Pyrmont. Und noch immer ist das Quäkerhaus Heimat für die wachsende Zahl der Trainer, die diese Methode der gewaltfreien Konfliktlösung in Gefängnissen und auch in öffentlichen Kursen ehrenamtlich anbieten.

veröffentlicht am 29.12.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 11:21 Uhr

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Ein Beispiel: Alex wurde schon als Kind von seinem Umfeld als Versager abgestempelt. Heute sitzt er im Gefängnis eine lange Haftstrafe ab, denn Streit hat er selbstverständlich mit Gewalt beseitigt.

Zuerst war das auch im Gefängnis so. Aber das hat sich geändert: Gibt es heute Konflikte mit anderen Gefangenen, dann fragt Alex nach, versucht zu verstehen oder zieht sich einfach zurück. Andere bitten ihn sogar um Hilfe.

Was ist passiert? Seit einem Jahr besucht er im Gefängnis Kurse zur gewaltfreien Konfliktlösung des Projekts „Alternativen zur Gewalt“. Inzwischen ist er selber Trainer und arbeitet zusammen mit erfahrenen Trainern von draußen bei den Wochenendkursen im Gefängnis. Und zunehmend fragen Mitgefangene nach PAG. Für Alex beginnt eine innere Mauer zu bröckeln …

PAG wurde als „Alternatives to Violence Project (AVP)‘ vor etwa 40 Jahren in einem New Yorker Gefängnis von Quäkern begonnen. Gefangene hatten die Ehrenamtlichen um Hilfe gebeten, denn die Gewalt im Gefängnis war unerträglich. Es wurden Wochenend-Workshops entwickelt, in denen der Gefangene als Menschen ernst genommen wird. In praktischen Übungen beginnt er, sich selber mehr anzunehmen, dem Anderen zuzuhören und mit Respekt zu begegnen. Er erlebt, dass er Teil einer wohlwollenden Gemeinschaft werden kann – sogar im Gefängnis. Nach mehreren Kursen können Teilnehmer zu Trainern ausgebildet werden. Es werden auch Kurse in der Öffentlichkeit abgehalten und viele neue Trainer ausgebildet. Es gibt das Projekt inzwischen in über 60 Ländern. In Afrika soll es helfen, verfeindete Bevölkerungsgruppen zusammenzubringen, in anderen Teilen der Welt werden vor allem Multiplikatoren in Schulen und Kindergärten ausgebildet.

Vor 20 Jahren brachten Quäker das Projekt nach Bad Pyrmont. Inzwischen haben über 400 Kurse in Deutschland stattgefunden, und von hier aus wurde das Projekt auch in andere Länder getragen.

Unlängst haben die deutschen Trainer ihr Jubiläum gemeinsam in der Kurstadt gefeiert, haben den Geschichten aus den Anfängen von PAG gelauscht und sich über die Effekte gewaltfreier Konfliktlösung ausgetauscht. So berichteten Karin Hönicke und Hedwig Sauer-Guerth von einer kanadischen Studie. In der wurden 330 ernsthafte Konflikte weltweit zwischen 1900 und 2006 untersucht. Das Ergebnis: Gewaltfrei gelöste Konflikte waren in über 50 Prozent der Fälle langfristig erfolgreich. Die Anwendung von Gewalt führte in weniger als 20 Prozent der Fälle zu einer langfristig erfolgreichen Lösung. Das Jubiläumstreffen in der Kurstadt endete denn auch mit dem Appell zur friedlichen Auflösung von Mauern und Blockaden.

Infos im Internet: www. pag.de.



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