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Unbelebte Fensterhöhlen vor allem in Hauptallee und Kirchstraße / Die Gründe sind vielfältig

In Pyrmonts guter Stube ist so manche Ecke leer

Karl-Heinz Recklebe

veröffentlicht am 10.05.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 07:21 Uhr

Von wegen Flaniermeile: Leere Fensterhöhlen empfangen die Besuch
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Bad Pyrmont. Wer sich von der Südstraße dem Kurzentrum Brunnenplatz nähert, blickt in auffällig viele leere Fensterhöhlen. Sieben Ladenlokale beziehungsweise ganze Gebäude stehen leer in Hauptallee und Kirchstraße. Und auch in der Wandelhalle klaffen Lücken: Vier von zwölf Geschäften sind ungenutzt.

Demnächst wird wohl ein weiterer Leerstand an exponierter Stelle hinzukommen. „Seit eineinhalb Jahren bemühen wir uns vergeblich um einen Nachnutzer unseres Geschäftshauses“, sagen Lore und Lothar Kewitz, die ihr Bekleidungsgeschäft in der Hauptallee Ende des Monats schließen werden. Das Alter spielt bei dieser Entscheidung eine Rolle, aber es sind auch wirtschaftliche Gründe. „In den letzten Jahren sind Gästegüte und Gästefrequenz deutlich zurückgegangen“, stellt Lothar Kewitz fest. Das Hotel „Kaiserhof“ gegenüber seinem Geschäft sei seit Jahrzehnten tot. Die Schließung des Spielkasinos und zwei seit zehn Jahren leerstehende Hotels am Altenauplatz macht er als weitere Gründe aus. Wenn das Steigenberger versuche, seine Belegung mit Billigangeboten bei Tchibo zu steigern, vergraule es zudem Stammgäste. Und es sei nicht gelungen, jüngeres kaufkräftiges Publikum nach Pyrmont zu bringen. „Von der Laufkundschaft am Wochenende können wir nicht leben“, sagt Kewitz.

„Manche Hauseigentümer und -verwalter handeln aus Unverstand und Gier und gefährden damit den gesamten Standort“, klagt Astrid Jörg vom Modegeschäft „Bellino“. Mietforderungen und Ertragsmöglichkeiten passten einfach nicht zusammen, wenn 100 bis 200 Euro Monatsmiete pro Quadratmeter verlangt würden. Außerdem hätten es junge Unternehmer selbst mit guten Ideen heute schwer, Kredite für eine Geschäftseröffnung zu erhalten. Aber auch der lange „Winterschlaf“ mancher Geschäftskollegen trage zum Rückgang der Besucherfrequenz bei, meint die Einzelhändlerin. „Zugeklebte Scheiben oder leere Schaufenster ziehen die Nachbargeschäfte mit runter.“ Sie schlägt vor, die Leerstände wenigstens mit schönen Sachen zu dekorieren“ und hat auch schon einige Ideen mit Künstlern und Kollegenfirmen im Kopf.

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Wenig ermutigende Renovierungszustände schrecken ab.

Jürgen Neelmeier, Hausverwalter und Makler in der Brunnenstraße, vertritt die Auffassung, dass ein neuer Vertrag meistens nicht an der Miethöhe scheitere. In den 1A-Lagen schwankten die Mieten je nach Ausstattung und Größe des Ladens zwischen 15 und 50 Euro. Im unteren Teil der Hauptallee liege man sogar 25 bis 30 Prozent darunter. Die Vermieter zeigten sich flexibel bei der Gestaltung der Verträge. „Mietzugeständnisse in der Anfangsphase einer Neueröffnung oder Kombi-Mieten aus Grund- und Umsatzmiete sind ohne weiteres drin“, so Neelmeier. Er räumt aber ein, dass der Zustand mancher Immobilie nicht gerade ermutige und es einen Nachholbedarf bei Instandsetzung und Renovierung gebe. Er würde sich inhabergeführte Geschäfte und einen gesunder Mix aus Gastronomie und Handel wünschen.

„So dramatisch ist das gar nicht mit den Leerständen“, sagt Marie-Luise Meier vom Modegeschäft „di Stefano“ an der Kirchstraße. Bezogen auf die Verkaufsfläche seien die Zustände in Hameln und Detmold schlimmer.

„Keine Beschränkungen für Neugründungen“

Mit Elke Wille vom „Café WiDo“ in der Wandelhalle ist sie sich aber einig, dass es neue Ideen für die Hauptallee braucht. „Die alten Strukturen funktionieren nicht mehr. Warum also nicht einen Computerladen am Brunnenplatz?“, so Meier. Auch den Telefonladen in der Hauptallee findet sie nicht schlecht.

Von der Stadtverwaltung aus werde es jedenfalls für Neugründungen keine Beschränkungen geben, sagt Stadtkämmerer Eberhard Weber, „es sei denn, jemand will noch eine Spielothek aufmachen. Da haben wir schon eine Restriktion“. Auf der Homepage der Stadt findet sich unter der Rubrik „Wirtschaft und Steuern“ auch eine Unterseite „Leerstandsmanagement“ mit Verweis auf einen Ansprechpartner für freie Ladenflächen. „Im Abstand von zwei bis drei Monaten erfasst einer unserer Mitarbeiter die Leerstände im Stadtgebiet“, erklärt Weber. Das Ergebnis findet seinen Niederschlag in einer Liste und in Katasterverzeichnissen, aus denen sich Lage, Eigentümer und eventuell der Makler entnehmen lassen. 23 Objekte finden sich zurzeit in dieser Liste. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, findet Weber und verweist auf die Beschilderung sowie die Renovierungen von Marktplatz, Brunnenstraße und Postweg.

Gefordert sind jetzt Unternehmer mit Ideen, die die Krise als Chance begreifen.



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