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Mehr Einsätze für Pyrmonts Wehr

In einer Stunde drei Türen geöffnet

BAD PYRMONT. Immer öfter wird die Holzhäuser Feuerwehr zu Notfalltüröffnungen gerufen. Im letzten Jahr wurden insgesamt 34 Einsätze gezählt, in diesem Jahr sind es bereits 27. Das hat Stadtbrandmeister Maik Gödeke berichtet. An einem Tag im April wurden innerhalb einer Stunde gleich drei Wohnungen geöffnet.

veröffentlicht am 17.05.2018 um 14:05 Uhr
aktualisiert am 17.05.2018 um 15:17 Uhr

Regelmäßig übt die Feuerwehr das Öffnen der verschiedenen Türschlossmodelle. „Die technische Herausforderung macht ihnen Spaß“, sagt Stadtbrandmeister Maik Gödeke. Foto: Feuerwehr Holzhausen/Vogt
Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
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Meistens sind es ältere Menschen, die Hilfe benötigen. Auch das ist eine Folge der demografischen Entwicklung, die besonders in Bad Pyrmont zu spüren ist. Die Feuerwehr sorgt dafür, dass die Helfer Zugang zu den Wohnungen haben oder sie kümmert sich um Sofortmaßnahmen. Dafür ist das Team mit einem Notfallrucksack ausgestattet. „Manchmal ist es schwierig, zu erkennen, ob ein Mensch in seiner Wohnung wirklich Hilfe braucht“, berichtet der Stadtbrandmeister. Wohnungen genießen einen hohen Schutz im Grundgesetz und es gilt zu entscheiden, ob es gerechtfertigt ist, eine Tür zu öffnen.

Wir müssen dringend an die Gebühren ran.

Maik Gödeke, Stadtbrandmeister

„Das ist nicht immer angenehm.“ Insgesamt verfügt die Holzhäuser Feuerwehr über zehn ausgebildete Türöffner, die alle zwei Monate fortgebildet werden, um sie mit den verschiedenen Türschlossmodellen vertraut zu machen. Mindestens vier werden jeweils zu einem Einsatz geschickt. „Die technische Herausforderung, die damit verbunden ist, macht den Kameraden durchaus Spaß“, berichtet Gödeke. Das, was dann möglicherweise hinter der Tür auf die Helfer wartet, ist eine andere Sache. Im schlimmsten Fall ist es ein Toter oder eine Tote. Darum werden für solche Einsätze auch eher erfahrene und gestandene Feuerwehrleute eingesetzt. Vor etwa drei Jahren hat die Feuerwehr die Aufgabe der Notfalltüröffnungen übernommen, die für die Betroffenen kostenlos sind.

Auch die „unzähligen“ Alarmierungen durch Brandmeldeanlagen belastet die Freiwilligen. „Wir sind bald täglich unterwegs, das ist heftig“, so Gödeke. „ Manchmal haben wir das Gefühl, eine Berufsfeuerwehr zu sein“, macht er deutlich. Insgesamt hatte die Feuerwehr in diesem Jahr fast 80 Alarmierungen, davon gehen 38 auf das Konto des Sturmtiefs „Friederike“. 2017 kamen die Freiwilligen laut Gödeke auf insgesamt 204 Einsätze. Wenn eine Brandemeldeanlage die Feuerwehr alarmiert, ohne dass es einen Einsatz gibt, dann kassiert die Stadt dafür zurzeit 250 Euro. Zum Vergleich: In Hameln werden für so einen Fehlalarm 388,50 Euro fällig.

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Viele rechtliche Fragen

Eine Türöffnung durch die Feuerwehr wirft viele rechtliche Fragen auf. Wie sind Fälle zu beurteilen, wenn sich herausstellt, dass keine Gefahr bestanden hat? Und wer trägt die Kosten? Die Feuerwehr ist grundsätzlich ermächtigt, eine Wohnungstür zu öffnen und die dahinter liegende Wohnung zu betreten, wenn eine konkrete Brandgefahr besteht. Wird eine Tür geöffnet, um einem Patienten zu helfen, geschieht das im Zweifel im Interesse des Patienten. Auch die Polizei kann Wohnungsöffnungen anordnen, trägt dann auch die Verantwortung. Wer sich nur eben ausgesperrt hat und sich schnell das Türschloss aufbrechen lassen möchte, der sollte einen Schlüsseldienst anrufen. Das wird zwar unter Umständen auch nicht günstig. Aber unter Vortäuschung falscher Tatsachen die Feuerwehr zu rufen und als Schlüsseldienst zu missbrauchen kann noch teurer werden.uk

Die Pyrmonter Gebührentabelle stammt aus dem Jahr 2001. „Es nervt ab und zu, darum müssen wir dringend an die Gebühren ran. Ein Feuerwehreinsatz darf nicht billiger sein, als die Wartung einer Brandmeldeanlage“, forderte Gödeke jüngst im Feuerschutzausschuss des Rates. Laut Bürgermeister Klaus Blome haben Personalprobleme in der Kämmerer dazu geführt, dass die Neukalkulation der Gebühren noch nicht abgeschlossen sei. Nicht selten ist es der nicht abgesprochene Einsatz von Handwerkern, durch deren Arbeit Rauchmelder auslösen. Aber es sind auch immer wieder leere Batterie, die für einen Warnton sorgen, der von den Bewohnern aber nicht eingeordnet werden kann.

Mit der Zahl seiner Aktiven insgesamt zeigt sich Gödeke zurzeit zufrieden, zumal die Feuerwehr Großenberg aufgelöst wurde und die Feuerwehr Eichenborn personelle Probleme hat. 282 Feuerwehrleute stellen sich aktuell für diesen ehrenamtlichen Dienst zur Verfügung, 246 Männer und 36 Frauen. Dazu kommen 75 Mitglieder der Jugendfeuerwehren. Wenn am 16. Juni die Kinderfeuerwehr für Löwensen und Thal gegründet worden ist, dann verfügen alle Ortswehren über eine Nachwuchsabteilung. Und klar ist bereits, dass es in der zweiten Jahreshälfte einen neuen Feuerwehrgrundlehrgang – die sogenannte Truppmannausbildung – mit immerhin 24 Teilnehmern geben wird.



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