weather-image
Heimatbund setzt jetzt auf Weltnaturerbe

In einer Liga mit Yellowstone und dem Watt?

BAD PYRMONT. Manfred Willeke lässt nicht locker. Nach dem Ausscheiden Bad Pyrmonts bei der von ihm vor Jahren angestoßenen Weltkulturerbebewerbung will der Vorsitzende des Pyrmonter Heimatbundes lieber den Blick in die Zukunft richten und nicht resignieren. Bad Pyrmont soll einen neuen Anlauf nehmen und sich bei der UNESCO in Paris um die Anerkennung als Weltnaturerbestätte bemühen.

veröffentlicht am 01.06.2016 um 14:31 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:50 Uhr

270_0900_471_pn111_0206.jpg

Autor:

Hans-Ulrich Kilian
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

„Wir haben genug zu bieten“, argumentiert Willeke. „Es kann doch nicht sein, dass Bad Pyrmont aus dem Kreis der Kurorte ausgeschieden ist, weil es angeblich kein bedeutender Ort war. Die Bedeutung als Badeort ist doch unbestritten“, kommentiert er das Aus bei „Great Spas of Europe“, was ihn „enttäuscht und erzürnt“ habe. Der Kurort habe so viel zu bieten, dass sich auch noch eine andere Möglichkeit biete, und das sei die Bewerbung als Weltnaturerbestätte. „Wir haben darum als Heimatbund bei der Stadt offiziell beantragt, dass sich Bad Pyrmont in Zusammenarbeit mit dem Staatsbad und anderen Behörden und Institutionen um die Anerkennung bemüht“, teilte Willeke mit.

In die Waagschale wirft der Heimatbund drei Kleinode der Kurstadt, die bei der bisherigen Bewerbung nur eine untergeordnete Rolle gespielt haen. Große Bedeutung wird der Dunsthöhle beigemessen, die mit ihrem CO2-Austritt ein in Europa einmaliges Naturphänomen ist, dessen heilende Wirkung seit 1712 bekannt ist. „Die Dunsthöhle ist ein Alleinstellungsmerkmal von Bad Pyrmont, das es in dieser Form in Europa, ja der Welt nicht noch einmal gibt“, schreibt Willeke in einem Brief an Bürgermeister Klaus Blome.

Eine ebensolche Besonderheit seien die beiden sowohl eisen- als auch salzhaltigen Mineralwässer, was in dieser Kombination sehr selten sei. Eine große Bedeutung schreibt der Heimatbund den europaweit größten Erdfällen zu, die als Folge von Ausspülungen unterirdischer Salzvorkommen nördlich von Holzhausen entstanden sind. In Anknüpfung an die bisherige Weltkulturerbebewerbung könnte man nach Auffassung des Heimatbundes auch die 1667 angelegten Alleen in die neue Bewerbung aufnehmen.

Bürgermeister Klaus Blome hat gegenüber dieser Zeitung den Vorschlag des Heimatbundes grundsätzlich begrüßt aber noch nicht prüfen lassen. „Wir können uns doch nur freuen, wenn sich jemand Gedanken macht, wie man Bad Pyrmont nach vorne bringen kann“, meint er. Persönlich plädiere er aber dafür, sich ein bisschen mehr Zeit zu lassen und zunächst das alte Thema zu Ende zu bringen. Gegenwärtig versucht die Stadt, die vielen offenen Fragen im Zusammenhang mit der gescheiterten Bewerbung zu klären. „Was wir haben, ist toll. Aber wir müssten natürlich prüfen, ob wir mit einer Weltnaturerbebewerbung Chancen haben. Passen die Kriterien, fallen wir gegenüber anderen Stätten ab oder sind wir vielleicht besser?“

197 Naturdenkmäler hat die UNESCO bislang anerkannt, die meisten davon sind Nationalparks. Darunter sind in Deutschland das Wattenmeer, die Grube Messel in Hessen mit ihren Fossilienfunden und der Nationalpark Kellerwald-Edersee in Hessen. International finden sich auf der Liste so bekannte Orte wie der Geirangerfjord in Norwegen, Teile der italienischen Dolomiten, der griechische Berg Athos, der Yellowstone-Nationalpark in Wyoming, die Serengeti in Tansania, die Everglades in Florida und die Galapagos Inseln im Pazifik.

Um dem Anliegen mehr Gewicht zu verleihen, hat Willeke Kopien seines Briefes nicht nur an die Pyrmonter Ratsfraktionen geschickt. Die Liste der Verteiler reicht Kurdirektor Fischer bis hin zum Auswärtigen Amt in Berlin. Die Gespräche, die er mit Fraktionsvertretern geführt habe, seien sehr positiv gewesen, berichtet er. „Im Interesse Bad Pyrmonts, der Weiterentwicklung und Zukunftssicherung des Bades und der Stadt müssen wir diesen Weg gehen und darum kämpfen“, heißt es in seinem Brief an Blome. Der will den Antrag nun an die Fraktionen weiterreichen und im Kulturausschuss beraten lassen. „Vermutlich wird das ein Thema für den neuen Rat“, bezweifelt er, dass das auf die Schnelle geschehen werde.

Überragende Natur

Das UNESCO-Komitee für das Welterbe verleiht den Titel Weltnaturerbe an Stätten, die aufgrund ihrer Einzigartigkeit, Authentizität und Integrität weltbedeutend sind und von den Staaten, in denen sie liegen, für den Titel vorgeschlagen werden. Die Messlatte hat die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur sehr hochgelegt: Sie spricht von „überragenden Naturerscheinungen oder Gebieten von außergewöhnlicher Naturschönheit und ästhetischer Bedeutung“. Die bereits anerkannten 197 Stätten stellen außergewöhnliche Beispiele der Hauptstufen der Erdgeschichte dar, darunter der Entwicklung des Lebens, wesentlicher im Gang befindlicher geologischer Prozesse bei der Entwicklung von Landschaftsformen oder wesentlicher geomorphologischer oder physiogeografischer Merkmale. Ob diese Kriterien auf Bad Pyrmont zutreffen, müssten Experten im Vorfeld klären. Bedingung für die Anerkennung ist auch ein Schutz- und Erhaltungsplan. Doch in der Praxis funktioniert das nicht immer. In Europa und Nordamerika ist laut der Umweltorganisation WWF durch die Suche nach Bodenschätzen jedes zehnte Weltnaturerbe gefährdet – darunter auch das deutsche Wattenmeer.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt