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Gerade während der zurückliegenden Feiertage gab es in der Kläranlage Bad Pyrmonts viel zu tun

In diesem Werk schuften Milliarden Mitarbeiter

Bad Pyrmont (rr). Als allenthalben in Bad Pyrmont Weihnachtsgänse, Braten und Salate verzehrt waren, als alle sich gemütlich vor dem Weihnachtsbaum ausstreckten und fast jeder die Festtage so richtig genoss, dann hatten sie reichlich zu tun. Sie feierten nicht Weihnachten oder ein anderes großes Fest im Jahr, sie mussten richtig ran. Sie, das sind die Milliarden mikroskopisch kleinen Wesen, Bakterien und Mikroorganismen, die ihren Job täglich in der Gemeinschaftskläranlage Bad Pyrmont-Lügde erledigen, zu Weihnachten aber besonders gefordert waren. Große und kleine Rückstände, besonders Lebensmittelreste der festlichen Schlemmereien, fielen da in Massen an.

veröffentlicht am 27.12.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 03:21 Uhr

Rainer Mecke analysiert im Labor die Proben.
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„Aber auch damit werden wir problemlos fertig“, sagt Abwassermeister Rainer Mecke (43), der auch an den Festtagen wenigstens stundenweise ein waches Auge auf seine winzigen Helfer hatte. „Wir haben hier eine Kapazität für etwa 60 000 Einwohnergleichwerte und benötigen nur 45 000. Da sind immer noch Reserven offen,“ meint er. Das gilt natürlich auch für Zeiten starken Regens oder bei Tauwetter.

Auch wenn die Anlage insgesamt ihren Dienst automatisch versieht und im Falle einer Störung die wichtigen Komponenten doppelt gesichert sind, kommt sie ohne menschliche Mitwirkung nicht aus. Gerade der Anspruch an die Sicherheit erfordert ständige Kontrolle. „Da müssen Messwerte abgelesen und Proben entnommen werden“, erläutert Rainer Mecke.

Früher einmal bestand der Klärprozess nur aus der mechanischen Klärung bis hin zur Vorklärung, doch heutzutage läuft das schon etwas anders. Per Grob- und Feinrechen werden die festen und manchmal sogar sehr großen Verschmutzungen schon zu Beginn des Reinigungsprozesses abgefangen, ausgesondert und in passende Behältnisse befördert. Dann gelangen die Abwässer in den Sand- und Fettfang, wo eine Trennung von Sand- und Fettpartikeln vom Wasser stattfindet. Danach wird das Wasser dem riesigen Rundbecken mit der Vorklärung zugeleitet. Auch dort trennen sich die Wege: Alle Bestandteile schwerer als Wasser sinken zu Boden und werden von dort abgepumpt.

Spannender ist danach die Klärung im Belebungsbecken, wo die kleinen Helfer unter Zuführung von Sauerstoff schon auf das restliche Klärwasser warten. In mehreren Schritten kommen dort verschiedene Bakterienarten zum Einsatz, die bereits mit dem Abwasser mitgeführt oder wieder in die Vorklärung zurückgeleitet werden. Fast wie Menschen über ihre Festtagstafel, fallen sie über den Restschmutz her und fressen ihn buchstäblich auf. Nach dem üppigen Mahl sinken die Bakterien zu Boden, gut genährt mit dem Schmutz des Wassers. So wird das nunmehr fast gereinigte Wasser letztlich nur noch ins Nachklärbecken geleitet und ein letztes Mal einem Reinigungsprozess unterzogen. Dort bleiben Algen und feinste Schwebstoffe zurück, so dass das gereinigte Wasser wieder in die Emmer hinaus entlassen werden kann.

Zwar bleibt es trotzdem Abwasser und ist für die Verwendung durch Menschen nicht geeignet, jedoch ist es sauberer als vieles Wasser, das in der Natur vorkommt – ein enormer Vorteil für Flora und Faune. Bad Pyrmonts Stadtkämmerer Eberhard Weber ist denn auch richtig stolz: „Wir haben alleine zwei Millionen Euro in die Sanierung des Faulturms gesteckt“, sagt er. „Weiterhin sind 300 000 Euro in ein neues Gebläse investiert worden.“ Besonders wichtig sei dabei, dass in Zukunft die Faulgase nicht mehr nur einfach abgefackelt werden, sondern zur Eigenenergiegewinnung dienen sollen.

All das dient der hohen Wasserqualität zu adäquaten Preisen. Denn oftmals werde übersehen, so Weber, dass sich auch die unsichtbaren Kosten wie die Sanierung der Kanalisation oder der Austausch alter gegen neue Technologie zwar auf die Preise auswirkten, aber ebenso eine Sicherung des Qualitätsstandards bedeuteten. Und auf die Qualität sind Weber und Mecke besonders stolz. „Wir werden 24 mal im Jahr unangekündigt kontrolliert“, sagt Rainer Mecke. „Wir selbst prüfen das Wasser jeden Tag auf die Organik, auf Stickstoffverbindungen und Phosphate.“

Den mikrokleinen Mitarbeitern in der Kläranlage ist das egal. Sie schufteten auch zu Weihnachten und sind in ihrer Wirkung nicht wegzudenken.

Im Belebungsbecken wird dem Abwasser sprudelnd Sauerstoff zugesetzt. Fotos: rr



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