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Große Hilfe für das kleine Mädchen

In Bad Pyrmont hat Sampa wieder Lachen gelernt

Bad Pyrmont. Dass Sampa Singh aus dem Dorf Saluka bei Kalkutta endlich mit einem Ball spielen, mit Knete basteln, auf die Trommel hauen und Plätzchen backen kann, ist wie ein Geschenk für sie. Vor allem aber hat das zehnjährige indische Mädchen, das in den vergangenen vier Wochen in Bad Pyrmont lebte, etwas gelernt, was noch viel wichtiger ist als die kleinen Handfertigkeiten: Sampa kann endlich wieder lachen.

veröffentlicht am 31.01.2011 um 18:00 Uhr
aktualisiert am 04.11.2016 um 20:21 Uhr

Beim Besuch in Sampas Heimatdorf macht sich Ute Sparenberg Notizen. Sie will helfen, die Kleine nach Deutschland zu schaffen.

Autor:

Karin Heininger
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Es geschah im Jahr 2004. In dem Dorf Saluka, 90 Kilometer westlich der indischen Millionenstadt Kalkutta, verlässt die damals vierjährige Sampa ihre Lehmhütte, in der sie mit Eltern, zwei Schwestern und einem Bruder lebt. Sie will im Hof ein Feuer anzumachen, auf dem die Familie ihr Essen kochen will. Doch das kleine Mädchen stolpert und stürzt in die Flammen, Hals und Oberkörper sind eine einzige große Brandwunde, die Arme kleben am Körper und bleiben – auch als später die schweren Brandverletzungen durch ausgedehnte Vernarbungen abgeheilt sind – mit dem Körper verwachsen. Sie sind seitdem völlig funktionslos, das Mädchen ist rund um die Uhr auf fremde Hilfe angewiesen.

Kein Arzt hat Sampas Wunden geheilt, niemand sich der schweren Behinderung angenommen. Sampa, deren Eltern Analphabeten sind, besucht die Dorfschule, lernt lesen und mühsam schreiben. Im Januar 2010 startet die Sektion Schopfheim von der Hilfsorganisation „Germany Interplast“ eine große Aktion in Indien: In einem OP-Camp führen deutsche Ärzte kostenlos Operationen durch. Leitender Mediziner ist der plastische Chirurg Dr. Günter Zabel. Ihm wird Sampa vorgestellt, von deren Schicksal man auch in Kalkutta gehört hat. Doch der erfahrene Chirurg erkennt schnell, dass dieser Eingriff eine Nummer zu groß wäre für das kleine OP-Camp. Also beschließt das Team, Sampa nach Deutschland zu holen und dort zu operieren.

Im St.-Elisabethen-Krankenhaus von Lörrach will das Interplast-Team gemeinsam mit den Klinikärzten die erste von vermutlich vielen Operationen kostenlos durchführen, damit die Kleine ihre Arme wieder bewegen kann. Unter dem Stichwort „Hilfe für Sampa“ wird vor Ort und auch überregional um Spenden geworben.

4 Bilder
Sampa vor einem Jahr: Ihre Arme konnte sie kaum benutzen.

Vom Schicksal des Kindes erfährt auch die Flugbegleiterin Ute Sparenberg aus Bad Pyrmont, die seit vielen Jahren als Stewardess vor allem die Route Kalkutta anfliegt und dabei für die Organisation „Ärzte für die dritte Welt“ gespendete Medikamente mitnimmt. In der indischen Stadt setzt sie nun alle Hebel in Bewegung, um Sampas Transport nach Deutschland zu unterstützen. Und das ist schwierig genug: „Wer glaubt, wir Deutschen hätten die Bürokratie erfunden, der kennt Indien nicht“, seufzt die Pyrmonterin und erinnert sich an ihren Hürdenlauf durch die Instanzen, bis für Sampa und den sie begleitenden Vater alle Genehmigungen erteilt, Pässe beantragt und Visa geordert sind.

Endlich ist es so weit: Mit einem von der Lufthansa gesponserten Flieger kommen Vater und Tochter in Deutschland an und werden schon in Lörrach erwartet. In einer siebenstündigen Operation werden Sampas Oberarme vom Brustkorb getrennt und die deformierte linke Hand gerichtet, in späteren Folge-OPs wird mit Haut-Transplantationen begonnen.

Dann bringt Ute Sparenberg Anfang Dezember die kleine Patientin nach dreimonatigem Krankenhaus-Aufenthalt mit nach Bad Pyrmont, wo die m & i-Klinik die ambulante Reha übernimmt. Und Sampa lebt sichtlich auf, verbessert ihre motorischen Fähigkeiten unter Anleitung der Physiotherapeutin Mareike Mönnekes von Tag zu Tag und fühlt sich bei Sparenbergs bald zu Hause. Sie lernt ein bisschen Deutsch, erlebt ihren ersten Schnee, backt Weihnachtskekse und musiziert mit Leon, Ute Sparenbergs elfjährigen Sohn, den sie fast wie einen großen Bruder liebt.

Der Abschied wird schwer genug, denn seit kurzem ist Sampa wieder in Lörrach, wo ihre Brandnarben korrigiert werden. Wenn Ute Sparenberg die kleine Patientin Anfang März zurück nach Indien bringt, wird Sampa in einem Internat in Kalkutta leben. „Im Dorf sähe ihre Zukunft bescheiden aus. Sie soll eine gute Ausbildung erhalten und später eigenes Geld verdienen, um unabhängig zu sein“, wünscht sich Ute Sparenberg für Sampa, mit der es das Schicksal nach dem großen Unglück doch noch gut zu meinen scheint.

Ob mit Knete spielen oder Kekse backen – für die zehn Jahre alte Sampa ist all das Therapie. Denn sie kann erst jetzt lernen, ihre Arme wieder zu benutzen. Die Behandlung des indischen Mädchens haben viele Spender ermöglicht – auch aus Bad Pyrmont.

Fotos: pr



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