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Ingrid und Jörg Elle aus Bad Pyrmont sind 2150 Kilometer weit durch sechs Länder geradelt

In 48 Tagen fast um die Ostsee – das reicht

Bad Pyrmont (jl). Wenn einer eine Reise tut, dann tut er sich damit manchmal eine ganze Menge an. So wie Ingrid und Jörg Elle. Die unternehmungslustigen Eheleute sind kürzlich von einer fast siebenwöchigen Radtour heimgekehrt. „Es war unser Traum, alle Ostsee-Länder kennenzulernen“, erzählt Ingrid Elle, die mit ihrem Mann seit über 20 Jahren in Bad Pyrmont wohnt.

veröffentlicht am 09.08.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 21:41 Uhr

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Bis zu ihrer Ausreise in den Westen 1989 lebten die Elles in Leipzig. Und im Urlaub an der Ostsee wurde ihr Traum geboren. „Zu DDR-Zeiten durfte man dort nach 20 Uhr nicht mehr an den Strand. Der war Landesgrenze und wurde nachts bewacht“, erinnert sich die heute 61-Jährige. „Und wir standen immer da und sagten: Sieh mal, gegenüber ist Dänemark. Ach, wenn wir da doch nur einmal hinkönnten…“ Als ihr Sohn ihnen dann vor fünf Jahren einen Ostsee-Bildband schenkte und der Ruhestand ihnen seit 2010 mehr Zeit ließ, wurde der Traum greifbar.

Um sich ihren Herzenswunsch zu erfüllen, wählten die Elles allerdings keinen bequemen Weg. Sie bestiegen weder ein Kreuzfahrtschiff noch eine Yacht, sondern ihre Fahrräder. Und wo sie übernachten würden – ob im Hotel, in der Jugendherberge oder in Camping-Häuschen – wussten sie vorher nicht. „Insgesamt waren wir 48 Tage unterwegs und sind 2150 Kilometer geradelt“, erzählt Ingrid Elle und denkt zurück an „viele schöne Momente“ ihrer Sechs-Länder-Tour durch Dänemark, Schweden, Finnland, Estland, Lettland und Litauen. „Am meisten habe ich die Ruhe und die Landschaft genossen. Nur Natur und kein Telefon.“ Besonders haben sie Schweden und Finnland, aber auch die kurische Nehrung beeindruckt.

Der Preis der Ruhe: Obwohl Jörg Elle, von Haus aus Geograf, die Route vorher mithilfe seiner Landkarten ausgetüftelt hatte, hielten die beiden Radler nur selten das Limit ein, dass Ingrid Elle sich vor der Reise gesetzt hatte. „Ich wollte maximal 50 Kilometer am Tag fahren. Mehr schaffe ich nicht“, erzählt sie. „Aber dann wurden es meist Etappen zwischen 60 und 90 Kilometern.“ Immerhin: Zur Erholung, für Besichtigungen und ein Dutzend Fähre-Fahren pausierten sie insgesamt 19 Tage.

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  • Den Sommer über bereist auch Dänemarks Königin Margarete gern die Ostsee. Ein Blick auf die fast 80 Meter lange Jacht der Monarchin, bekamen die Elles an der dänischen Küste zu sehen, wo die „Dannebrog“ zur Anker lag.
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In Lettland verließ sie einmal fast der Mut. Denn ein Örtchen, in dem die Radtouristen auf eine Möglichkeit zur Rast gehofft hatten, entpuppte sich als trostloses Geisterdorf, das die Elles beschließen ließ: Bloß weg hier! „An dem Tag fuhren wir dann über 100 Kilometer.“

In der Rückschau möchte Ingrid Elle zwar all die Schönheiten der Reise – auch die Hauptstädte der durchfahrenen Länder standen auf dem Programm – und die vielen Erfahrungen nicht missen. Aber heute sieht sie es so: „Ich habe mich auf ein Abenteuer eingelassen, ohne zu wissen, welche Strapaze auf mich zukommt.“ Denn Radwege wie in Deutschland gibt es vor allem in den baltischen Ländern nicht. „Dort sind die Straßen ziemliche Buckelpisten, und stark befahren“, erzählt Ingrid Elle. „Anders als bei uns machen die Auto da auch keinen Bogen um Radfahrer, sondern rasen ganz dicht an einem vorbei.“ Trotz solcher Widrigkeiten hatten die Elles zum Glück keinen Unfall, ja nicht einmal eine Panne.

Von ihrem Plan, die Ostsee komplett zu umrunden, nahmen sie dann aber doch Abstand. Im litauischen Klaipeda bestiegen sie die Fähre zurück nach Kiel. „Um für die Weiterfahrt nach Polen ein Visum für die russische Exklave Kaliningrad zu bekommen, hätten wir schon vor Reiseantritt ziemlich genau das Datum unserer Ankunft festlegen müssen“, sagt Ingrid Elle. „Doch das war unmöglich.“ Und auch das Angebot eines litauischen Reisebüros, binnen drei Tagen für 125 Euro pro Nase ein Visum zu beschaffen, nahmen die Radler nicht an. „Mit den Übernachtungen dort wären wir nochmal auf 600 Euro Mehrkosten gekommen. Das waren uns die letzten 150 Kilometer nicht wert.“

Und was rät Ingrid Elle anderen Abenteuern, die eine solche Tour lockt? „Man sollte möglichst wenig Gepäck mitnehmen und seine Erwartungen weit herunterschrauben“, sagt die Pyrmonterin. Sie und ihr Mann waren nur mit je zwei fünfeinhalb Kilo schweren Packtaschen unterwegs. Plus Flickzeug und Proviant – denn Einkehrmöglichkeiten gibt es kaum – kamen sie dennoch auf 30 Kilo.

Übrigens: Jörg Elle ist schon wieder unterwegs. „Er bringt gerade seine vor zwei Jahren begonnene Deutschland-Durchquerung zu Ende“, erzählt Ingrid Elle, die sich fürs Erste lieber zu Hause in Bad Pyrmont erholt. Ihr Fazit: „Unsere Tour war ein Traum. Aber nochmal möchte ich sie nicht fahren.“

Und wie wär‘s mal pauschal relaxen? „Nein“, sagt Ingrid Elle. „Individualreisen sind wesentlich interessanter.“

Ingrid und Jörg Elle beim Start in Travemünde, wo sie aus Bad Pyrmont mit der Bahn ankamen. Von dort ging es über 2000 Kilometer weit nach Dänemark, Schweden, Finnland, Estland, Lettland und Litauen.

Fotos: pr

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