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Alte Villa soll zur Klinik werden

Immobiliendeal an der Schlossstraße

BAD PYRMONT. Nach längerem Leerstand hat wieder einmal eine Immobilie an der Schlossstraße den Besitzer gewechselt: das frühere „Sanatorium Lentrodt“, von den Vorbesitzern „Villa am Palmengarten“ genannt.
Die Zwangsversteigerung des Gründerzeitbaus mit der gediegenen Auffahrt davor war für vergangenen Mittwochangesetzt.

veröffentlicht am 17.12.2018 um 17:39 Uhr

Erste Adresse: Nach Dr. Wolfgang Bergters Vision könnte das frühere „Sanatorium Lentrodt“ an der Schlossstraße vielleicht schon Ende 2019 als „Klinik am Palmengarten“ ans Netz gehen. Foto: jl
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Ein vom Amtsgericht bestellter Hamelner Gutachter hatte im vergangenen Jahr einen Verkehrswert von 870 000 Euro ermittelt. Das klingt nach Schnäppchen für eine Immobilie dieses Ausmaßes, mit mehr als 1000 Quadratmetern Nutzfläche auf einem 3000-Quadratmeter-Grundstück vi-à-vis dem Schloss. Aber wer ein solches Gebäude auf Vordermann bringen will, dürfte noch mehr Geld mitbringen müssen als die 180 000 Euro, die die vorigen Käufer einem Berliner Auktionshaus zufolge in den Jahren 2013 und 2014 investierten.

Die in der Hotellerie unerfahrenen Käufer verhoben sich dabei offenbar mächtig. Sie hatten hehre Pläne für das Haus, wollten darin eine gesundheitsbewusste Klientel komfortabel unterbringen und später auch mit regionaler Küche verwöhnen, wie es damals hieß. Aber die Quereinsteiger scheiterten schon in den Anfängen. Über die Sanierung ihrer Betreiberwohnung und der Rezeption und das Fällen eines prachtvollen alten Baumes neben der Zufahrt kamen sie kaum hinaus. Ihr Hotel, das der Vorbesitzer rund 20 Jahre zuvor für damals 4,5 Millionen Mark hatte herrichten lassen, ging nie ans Netz.

Bereits im März 2015 wurde versucht, das Anwesen über ein Berliner Auktionshaus wieder loszuwerden. Das Mindestgebot lag damals bei 795 000 Euro. „Aber das Objekt konnte nicht verkauft werden“, heißt es auf Anfrage aus Berlin. „Weder bei der Auktion noch im Nachverkauf.“ Nachbarn zufolge führte eine Maklerin in der Folgezeit diverse Interessenten durchs Haus. Aber keiner schlug zu.

Irgendwann mussten die Eheleute das Haus verlassen. Zunächst kamen sie noch bei einem Bekannten in der Kurstadt unter. Aber als sie dort auszogen, verlor sich ihre Spur. Die einzige noch sichtbare Hinterlassenschaft ist die Aufschrift „Villa am Palmengarten“. Die Front-Fenster im Erdgeschoss sind mit Plastikfolie verhängt, und der einst rote Teppich auf den Eingangsstufen ist inzwischen dunkelbeige.

Das Schicksal der rund 100 Jahre alten Immobilie bewegt viele Pyrmonter. Zur Zwangsversteigerung fand sich deshalb morgens im Hamelner Amtsgericht immerhin ein gutes Dutzend Besucher ein. Doch auf dem Zettel vor Saal 108 hatte jemand „aufgehoben“ geschrieben. Die meisten Neugierigen, Makler und wohl auch potenzielle Bieter kamen aber gar nicht so weit. Sie erfuhren schon an der Pforte, dass sie umsonst gekommen waren.

„Beide Gläubiger haben ihre Anträge zurückgenommen“, erklärte Gerichtssprecherin Sabine Quak hinterher auf Anfrage. Der Termin sei allerdings so kurzfristig geplatzt, dass man die Absage nicht mehr habe bekanntmachen können.

Beim Hauptgläubiger, der Nord LB in Braunschweig, die die Versteigerung betrieben hatte, hält man sich bedeckt. „Wir können nur bestätigen, dass ein Verkauf stattgefunden hat“, erklärte eine Bank-Sprecherin auf Anfrage.

Und noch jemand bestätigt das gern: der Käufer. Bei ihm handelt es sich um den Wahl-Pyrmonter Dr. Wolfgang Bergter. Der Facharzt für Innere Medizin und für Nuklearmedizin, der aktuell in zwei Pyrmonter Kliniken arbeitet, möchte in dem früheren Sanatorium eine Spezialklinik für die Behandlung von Prostatakrebs einrichten.

Für 2019 plant er nach eigenen Worten, in Bad Pyrmont mit einer nuklearmedizinisch-radiologschen Praxis am Altenauplatz sowie mit Belegbetten für die Therapien in dem ehemaligen Hotel zu beginnen. „Parallel wollen wir dann unsere ,Klinik am Palmengarten‘ komplett renovieren und umbauen“, stellt der Mediziner in Aussicht.

„Es ist einfach mein Lebensziel“, sagt er über den geplanten Aufbau der Klinik an der Schlossstraße.

Ende 2019, so hofft er nach derzeitiger Planung, werde das Haus eventuell öffnen können.



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