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Titus Malms Sicht aufs Publikum

Immer nur Mozart & Co.

BAD PYRMONT. Es kam aus heiterem Himmel und es kam heftig. Titus Malms, Stifterrepräsentant der Musikbad Pyrmont Kulturstiftung, nahm kein Blatt vor den Mund, als er sich jetzt das Pyrmonter Konzertpublikum zur Brust nahm. Das nämlich, so konstatierte er, wolle immer nur das ewig gleiche Repertoire hören.

veröffentlicht am 23.02.2018 um 15:00 Uhr
aktualisiert am 23.02.2018 um 15:45 Uhr

Stifterrepräsentant Titus Malms (li.) fand kritische Worte, die auch Bürgermeister Klaus Blome (re.) hörte. Foto: rr
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Autor

Rudi Rudolph Reporter
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Malms platzierte seine kritische Auseinandersetzung mit den Hörgewohnheiten bei der diesjährigen Stiftungsrat-Versammlung in der Wandelhalle. „Im hiesigen Konzerthaus sitzt ein älteres, nach musikalischen Maßstäben konservatives Publikum, das stereotyp immer wieder die gleichen Stücke von Mozart, Beethoven und Brahms bevorzugt,“ monierte er. Vielleicht muss man zur Ehrenrettung des Pyrmonter Publikums erwähnen, dass es mit seiner Vorliebe für Mozart & Co. nicht alleine ist. Malms bezog sich auf ein im vergangenen Herbst erschienenes Buch des Konzertveranstalters Berthold Seliger mit dem Titel „Klassikkampf“. Der sieht die klassische Musik in einer tiefen Krise, denn sie sei im Ritual erstarrt, das Repertoire bleibe konventionell, und Konzertbesuche dienten oft nur dem elitären Distinktionsbedürfnis, schreibt Seliger.

Malms hat in Bad Pyrmont ähnliches festgestellt. Die Ablehnung von Konzerten, etwa von Rachmaninow, Reger oder Debussy mit dokumentierten, teils abstrusen Begründungen, spotte jeder Beschreibung, da diese Zuhörer schon vor dem Hören wüssten, was sie definitiv ausschließen wollen, ohne in Betracht zu ziehen, aus den neuen Tönen einen irgendwie gearteten ästhetischen Gewinn mitnehmen zu können. „Für Berlin,“ so Malms, „gibt es eine Untersuchung, für Bad Pyrmont brauche ich keine, da genügt der bloße Augenschein, um zu erkennen, dass die häufigste Altersklasse die der über 60-Jährigen ist.“ Deren Anspruch dokumentiere sich auch an dem aktuellen Jahresprogramm der Sinfoniekonzerte des Staatsbades, stellte der Stifterrepräsentant fest. Zudem sei das Interesse an klassischer Musik heute stärker altersgebunden als vor zwei Jahrzehnten und man könne ein gravierend gesunkenes Interesse in der jungen Generation feststellen.

Das alles lässt sich bedauern, doch welche Konsequenzen Malms daraus für Bad Pyrmont und möglicherweise die Stiftung zieht, blieb unklar. Er selber nannte seine Einlassungen „Gedankensplitter für den späteren Diskurs“, der jedoch zumindest im Anschluss an seine Rede nicht zustande kam. Dass jedoch ein Diskurs über eine Programm-Auffrischung unter dem Gesichtspunkt Toleranz und Neugier auch im Hinblick auf die Zielgruppe der jüngeren Generation notwendigist, ist unbestritten. Man wird darauf gespannt sein dürfen. Immerhin versucht die Kulturstiftung mit Vielfalt, diesem Trend entgegenzuwirken.

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