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Anca Miruna Lãzãrescus „Glück ist was für Weicheier“ in der Krone

Im Wechselbad – so wie das Leben

BAD PYRMONT. Das Kino: rappelvoll. Der Applaus: viel mehr als freundlich. Das sieht ganz nach einem guten Omen dafür aus, dass die zweite große Kinoarbeit der in Bad Pyrmont aufgewachsenen Filmregisseurin Anca Miruna Lãzãrescu beim Publikum ankommt. Ihren Bundesstart hat die Tragikomödie „Glück ist was für Weicheier“ am 7. Februar.

veröffentlicht am 20.01.2019 um 23:03 Uhr
aktualisiert am 21.01.2019 um 13:10 Uhr

Ein Selfie in den Kronen-Lichtspielen: Regisseurin Anca Miruna Lãzãrescu und Kinochef Torben Scheller freuen sich übers rappelvolle Haus.Wer am Freitag keinen Platz fand, kann sich vorfreuen: Scheller will den Film schon im Februar erneut zeigen. Fot
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Schon im Oktober 2018 hatte es sich ganz gut angelassen. Da lief der Film zur Eröffnung der renommierten „Hofer Filmtage“. Am Freitag war er in den Pyrmonter Kronen-Lichtspielen zu sehen.

Hier tauchte er viele Zuschauer in ein Wechselbad aus Mitgefühl und immer wieder auch befreiendem Lachen. Denn mit Situationskomik spart die berührende Geschichte (Drehbuch: Silvia Wolkan) über den im Grunde naturgemäß hilflosen Umgang einer Familie mit dem Tod nicht. Nur wenige Zuschauer ließ die Story kalt. Die meisten verfolgten dagegen gebannt die verwegenen Versuche der zwölfjährigen Jessica, das Leben ihrer todkranken großen Schwester zu retten.

Die Publikumsreaktionen erlebte die Regisseurin am Freitag nicht. Denn nach einer von unzähligen 16-Stunden-Schichten in Köln, wo die 39-Jährige – weit weg von ihrer Familie in Bayern – gerade eine Serie für den US-amerikanischen Sender HBO dreht, war sie auf dem Bahnhof von Altenbeken in der Eile zunächst falsch umgestiegen. Deshalb wollte sie hinterher wissen: „Haben die Leute auch mal gelacht?“ Denn das wünscht sie sich schon. Aber diverse hochemotionale bis manchmal auch makabre Wendungen sollen die Zuschauer auch immer ein bisschen bangen lassen vor der nächsten Szene.

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Jessica (Ella Frey, re.) ist einen heiklen Deal mit einem Mitschüler (Ilyes Moutaoukkil) eingegangen. Foto: Concorde-Film

Allzu vorhersehbarer Schmunzelstoff ist Lãzãrescus Sache nicht. Wer sich nur betäuben will mit leichtverdaulicher Filmkost, deren Inhalt er hinterher, beim Einsteigen ins Auto, schon wieder vergessen hat, der wird wahrscheinlich kein Fan ihrer Filme. Denn „Glück ist was für Weicheier“ beschert dem Zuschauer viele Erinnerungen, an denen er hinterher noch knacken kann.

Kinochef Torben Scheller fand denn auch: „Ganz schön schwere Kost.“ Diesen Ball nahm Anca Miruna Lãzãrescu im Publikumsgespräch gleich auf. Das hätten andere auch gesagt. Auch deshalb habe es bis zur Umsetzung ein paar Jahre gedauert.

Aber das Klinkenputzen ist sie gewohnt. Und das Kinopublikum kann sich nun mit ihr freuen, dass es mit der Finanzierung schließlich doch geklappt hat. Auch, wenn der Film in nur 27 Drehtagen entstehen musste.

Von ihrer Heimat Rumänien, die sie als Elfjährige mit den Eltern verließ, handelt die neue Tragikomödie nicht. Aber sie atmet die Emotionen, die die Regisseurin mit ihrer Herkunft erklärt: „In Rumänien sind Lachen und Weinen nahe beieinander“, sagt sie.

In Ella Frey hat sie nach langer Suche eine Hauptdarstellerin gefunden, die den Film allein zu einem unvergesslichen Erlebnis macht. Wie mühsam die Suche war, erzählt die Regisseurin in den Kronen-Lichtspielen: „Wir haben uns fast totgecastet.“Mit der burschikosen Ella, deren Gesicht so klar so viele Gefühle transportiert, hat sie schließlich ins Schwarze getroffen.

Hervorragend auch: Martin Wuttke, den viele Zuschauer aus dem „Tatort“ kennen, als verwitweter Vater, der die eigene Trauer, Angst und hilflose Verzweiflung ausgerechnet als Sterbebegleiter zu bekämpfen sucht. Dass er seinen Töchtern daheim nicht unbedingt eine große Stütze sein kann, liegt da auf der Hand.

Bad Pyrmont spielt in der – wegen der größeren Filmförderung aus Nordrhein-Westfalen – vorwiegend in Horn-Bad Meinberg, aber auch in der Nähe von Bielefeld gedrehten Tragikomödie übrigens auch eine kleine, übrigens ziemlich heftige Rolle. Die Straße zum Flugplatz Kleinenberg wird dabei unversehens zur Straße des Unglücks.

Aber Anca Miruna Lãzãrescu kann das Publikum beruhigen: „Komplett digital“, sagt sie über das Todesopfer der aufwendigen Actionszene.

Am Samstag ging es dann für die Regisseurin schon wieder zurück nach Köln. Weiterdrehen. Und es ist keine Frage: Man wird noch viel von ihr sehen.



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