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Musiker-Duo Stoljarski erweist sich als Glücksgriff

Im Wechselbad der Gefühle

veröffentlicht am 07.01.2018 um 20:49 Uhr
aktualisiert am 07.01.2018 um 21:50 Uhr

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Reporter

BAD PYRMONT. Es erwies sich nicht nur als Geschenk für Musikliebhaber, sondern auch als ein Wechselbad für deren Gefühlswelt. Das von den beiden Ausnahmekünstlern Igor Mishurisman mit seiner Violine und Anna Tyshayeva am Flügel ausgesuchte Programm hatte es nämlich in sich. Es nahm die rund 60 Besucher im Saal des Quäkerhauses mit in die tiefe, schmerzende Trauer eines Totengebetes wie auch in die Lebenslust einer tanzenden Zigeunerin.

Dabei erwies einmal mehr der Violinist seine herausragende Virtuosität. Wer schon einmal das Kaddisch, das jüdische Totengebet gesanglich hören konnte und hier mit der Violine das von Maurice Ravel (1875-1937) geschriebene Werk vernahm, dürfte von der zart erklingenden Trauer nicht ungerührt geblieben sein. So waren nicht wenige im Publikum tief ergriffen und bewegt von den Tönen, die Mishurisman den Saiten seines Instrumentes entlockte.

An der Wirkung hatte allerdings Anna Tyshayeva einen entscheidenden Anteil, denn die Pianisten schlug die Tasten ihres Flügels so an, dass zu der Atmosphäre des Totengedenkens die Töne wie Glockenklänge einschlugen, dann langsam in die helleren Töne einer ständig schlagenden Totenglocke übergingen.

Dass Ravel allerdings inspiriert durch George Gershwin, der das Musikal „Porgy and Bess“ schrieb und eine Zeit gemeinsam mit Ravel in Paris zubrachte, auch in der Lage war, Blues zu komponieren, zeigte sich in der Sonate in G-Dur für Violine und Klavier. Und auch hier schien das besondere Vergnügen der Pianisten ungebremst und sich voll dem Blues-Rhythmus hinzugeben. Überhaupt scheinen beide Künstler faszinierend harmonisch aufeinander abgestimmt zu sein, was erstaunt, da sie nach eigenem Bekunden noch gar nicht so lang gemeinsam auf Tournee sind.

Ihre miteinander korrespondierende Spielweise, in der sowohl das zartfühlende oder auch feurig schnelle Saitenspiel der Violine zur Geltung kam, als auch mit betonendem Einfluss und raumnehmend der Flügel sich durchsetzte, begeisterte das anwesende Publikum insbesondere bei den schnelleren und auch moderneren Stücken. Während die Genießenden bei den ersten Klängen von Ernest Blochs „Baal Shem“, in dem bildhaft aus dem Auf und Ab im Leben des Hassidic berichtet wird, sich bereits mit geschlossenen Augen in die Sphären dieser Musik verführen ließen, zauberten bekannte Sequenzen aus Franz Waxmans „Carmen-Fantasie“ oder der Version von Igor Frolows „Porgy and Bess“ ein Lächeln in die Mimik ihrer Gesichter.



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