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Im Kloster St. Michael in Paderborn gibt es Malkurse der etwas anderen Art

Ikonen schreiben – das ist wie ein Gebet

Paderborn. „Ikonenmalerei ist auch heute noch zeitgemäß“, sagt Burkhard Klein und kann die Behauptung belegen. Denn seine Ikonen-Malkurse sind stets ausgebucht. „Außerdem befindet sich in fast jeder Kirche die ‚Gottesmutter der Passion‘.“ Ikonen seien wieder gefragt, viele Menschen würden sich sogar wieder Ikonen im eigenen Zuhause aufhängen.

veröffentlicht am 08.04.2016 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:54 Uhr

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„Man muss nicht unbedingt religiös sein, um Ikonen malen zu können. Aber es ist eine gute Voraussetzung, um die Frömmigkeit, Verehrung und Bedeutung verstehen zu können“, so Burkhard Klein, der bereits zum vierten Mal einen Ikonenmalkurs im Kloster St. Michael in Paderborn leitet. Klein stammt aus dem hessischen Friedberg und begeistert sich seit vielen Jahren für die Ikonenmalerei.

Mit einem Fernstudium bei der Famous Artists School International legte Klein 1967 bereits den Grundstein für seine Leidenschaft. 1995 begann er mit der Ausbildung in byzantinischer Ikonenmalerei bei Professor Helmut Fischer (Bad Nauheim). Seit 13 Jahren gibt er nun selbst als Kursleiter Seminare.

Die Resonanz im Michaelskloster ist groß. „Wir können Wiederholer und Neueinsteiger begrüßen“, freut sich auch Schwester Laetitia im Namen der gastgebenden Augustiner-Chorfrauen über eine bunt gemischte Gruppe aus nah und fern. Das Ambiente im Kloster St. Michael und vor allem der helle Arbeitsraum mit vielen Fenstern und Weitblick auf die Stadt lade die Teilnehmer auch ein, zur Ruhe zu kommen. „Ikonenmalerei ist eigentlich sogar eine Art Gebet“, erklärt Schwester Laetitia.

Darauf legt auch Klein großen Wert. Ikonen, die ein wesentlicher Bestandteil der ostkirchlichen Liturgie sind, stellen Heilige dar. Klein: „Das Wort Ikone bedeutet Bild. Eine Ikone ist ein Abbild vom Urbild, welches Christus selber ist. Die Ikone bringt die göttliche Wirklichkeit zum Ausdruck und will eine Widerspiegelung des Göttlichen sein.“ Entsprechende Rahmenbedingungen sind für Klein selbstverständlich. Die Teilnehmer erfahren Grundlegendes über Ikonen und die Ikonenschreiberei – wie es ganz richtig heißt, da das Ikonenmalen mit dem Aufschreiben eines Gebetes verglichen wird. „Mir ist aber auch wichtig, etwas über den Glauben weiterzugeben“, erläutert Burkhard Klein. Gemeinsam mit den Schwestern der Augustiner-Chorfrauen besteht schließlich auch die Möglichkeit, an Gottesdiensten und Gebeten teilzunehmen.

Mit der Kunst der Maltechnik machen sich die Teilnehmer schnell vertraut. Klein hat die passenden Materialien und hochwertige Pinsel mitgebracht sowie das „Malbrett“ mit der Übertragung der Vorzeichnung vorbereitet. Schließlich müssen die Ei-Temperafarben hergestellt und verarbeitet werden. Das Vergolden mit einem Blattgold der Stärke 14 000 Millimeter beendet die einzelnen Arbeitsschritte. Klein: „Ikonen haben einen Ursprung und sie werden immer weitergegeben. Der jeweilige Schreiber kann sie interpretieren und der Ikone seine eigene Handschrift geben.“ Klein selbst hat eine Benedikt-Ikone konzipiert – ein westlicher Heiliger, der in der Ostkirche so nicht vorkommt. „Ich bin zum ersten Mal dabei“, freut sich Elsa Alangi aus Lippstadt. Schon seit einigen Jahren ist sie daran interessiert, eine eigene Ikone zu schreiben. Bücher hat sie schon zur Lektüre gekauft, jetzt kann endlich die Praxis beginnen. „Ikonen sind nicht nur einfach Gemälde, damit ist viel mehr verknüpft. Ich habe zum Beispiel Gebet und Fasten für mich damit verbunden. Schließlich ist es auch eine Ehre, die Heiligen selbst darstellen zu dürfen.“

Johannes Richter aus Hildesheim ist bereits zum zweiten Mal dabei. Sein Interesse habe schon immer bei Ikonen gelegen, da ihn der Ausdruck so fasziniert. „Und wenn man sie selbst macht, entwickelt man eine ganz besondere spirituelle Verbindung zu den Ikonen“, so Richter, der auch gern im nächsten Jahr wieder mitmachen möchte.

Die Tage im Michaelskloster sind für Andrea Wehmann (Löhne) von großer Bedeutung. Vier Jahre ist sie schon dabei, nun steht ihre vierte Ikone an. Der Erzengel Michael hat für sie eine tiefe Bedeutung. „Im letzten Jahr ist mein Bruder Michael gestorben. Ich habe viele gute Erinnerungen an ihn, die ich in dieser Arbeit verwirklichen möchte. Es tut mir gut. Gebet und Meditation helfen mir weiter.“ Ursula Peters (Paderborn) hatte sich 2015 in der Schlussandacht in der Kapelle des Klosters die fertigen Ikonen angeschaut, als diese gesegnet wurden und war angetan. Nun bekam sie einen Teilnehmerplatz und ist begeistert. Nebenher käme sie auch noch gut zur Ruhe. Das fertige Bild über ihrer Tür aufzuhängen, habe sie schließlich ein wenig an die „heilige Pforte“ erinnert.red



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