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Eine besondere Werbung für den Kurort

Hygieia – die Göttin der Gesundheit

BAD PYRMONT. Das Bild der Göttin der Gesundheit wirkt wie ein großes Werk der Plakatkunst, ist aber tatsächlich nur eine kleine Reklamemarke mit den Maßen 11,9 mal 17,9 Zentimeter. Es wurde im Jahr 1912 von der Fürstlichen Kurverwaltung in Auftrag gegeben, um als Kurkarte zu dienen.

veröffentlicht am 05.01.2018 um 15:40 Uhr
aktualisiert am 05.01.2018 um 20:00 Uhr

Die Göttin der Gesundheit zierte dieses Werbeplakat von 1912, mit dem Bad Pyrmont auf seine Bedeutung als berühmter Stahl-, Sol- und Moorbadeort aufmerksam machte. Foto: PR/Alfter

Autor:

Dr. Dieter Alfter
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Die Titelseite weist unterhalb des Bildmotivs mit dem Schriftzug und dem Bad Pyrmonter Wappenschild auf die Bedeutung des altberühmten Stahl-, Sol- und Moorbades hin. Die Rückseite der Karte stellt eine umfassende Zusammenfassung der großen Zahl von Therapieangeboten vor, die damals während der Kurzeit vom 1. März bis zum 30. November dem Gast offeriert werden. 1911, so liest man auch auf der Rückseite, haben 12 351 Kurgäste und 7659 Passanten Bad Pyrmont besucht, die in jenem Jahr 111040 Bäder in Anspruch nehmen.

Glücklicherweise ist das Bildmotiv der Hygieia, die von der Höhe des Königsbergs mit einem Eichenlaubkranz das mit Heilquellen so reich ausgestattete Pyrmonter Tal segnet, signiert mit dem Namen „Bahndorf“ und datiert mit der Jahreszahl 12. Tatsächlich handelt es sich bei dieser Arbeit um ein Werk von Heribert Bahndorf (1897 bis nach 1947), der an der Leipziger Akademie von 1894 bis 1895 Malerei studiert hat, dann in Berlin 1897/98 bei Carl Saltzmann sein Können verfeinert und als Landschafts- und Marinemaler seinen Lebensunterhalt verdient. Er lebt viele Jahre im Harz und kann sich als Postkartenmaler Geld dazuverdienen. So wird auch die Fürstliche Kurverwaltung auf sein künstlerisches Können aufmerksam.

Das Pyrmonter Motiv ist von besonderer Bedeutung. Eine antik gekleidete junge Dame mit modischem Haarschmuck steht auf der Höhe des Königsbergs, hält in der linken Hand eine Schale, aus der eine Schlange trinkt und in der rechten Hand des ausgetreckten Arms segnet sie mit dem Eichenlaubkranz den heiligen Ort. Die griechische Figur der Göttin der Gesundheit verknüpft sich auf diese Weise deutlich mit dem Mythos der mitteleuropäischen, christlichen Tradition.

Die im Hintergrund deutlich hervorgehobene Darstellung der Pyrmonter Stadtkirche, links davon verknüpft mit dem Liborius-Haus, ab 1912 das Kurheim des Vereins für katholische Lehrerinnen aus Paderborn, bilden markante Gebäude in einer ansonsten zauberhaft grünen Naturlandschaft. Lediglich im Vordergrund stehen Wohnhäuser in der Schellenstraße und der Rathausstraße sinnbildlich für eine Bebauung des Tals – ansonsten ist das Tal geprägt von eben diesem großen Naturraum, der von Berghöhen in Richtung Hagen und einem einzigartigen Wolkenhimmel begrenzt ist. Ein wahrhaft friedliches Bild, das jedem damaligen Kurgast aus den Ballungszentren des überwiegend norddeutschen Raums das Gefühl von Natur- und Heilkraft, aber auch von Idylle und Geborgenheit übermittelt.

Hygieia ist in der griechischen Mythologie eine der beiden Töchter des Asklepios. Sie ist eine Göttin der Gesundheit, aber sie ist auch die Schutzpatronin der Apotheker. Im Gegensatz zu ihrer Schwester Panakeia, Göttin der Medizin und der Zauberei, steht sie für die richtige Lebensweise und Ernährung. Hygieia symbolisiert Gesundheit und Glück, aber auch Fruchtbarkeit, Reichtum und Überfluss. Alles Begriffe, die immer schon mit einer Kur in Pyrmont verbunden sind. Das Bildmotiv auf der Kurkarte fasst dies in der kleinformatigen Lithographie treffend zusammen. Es handelt sich um einen ganz besonderen Werbeträger aus dem Jahre 1912.

Tatsächlich gibt es am 14. Juli 1797 eine hochbedeutende Brunnenfeierlichkeit auf dem Äskulap-Platz, um in barocker Manier mit Musikern, Tänzern, Chören und Priesterinnen die Heilkraft der Pyrmonter Quellen zu verehren. Damals stand eine Skulptur des Äskulap auf dem Platz, an dem sich heute in Hohe des Königin-Luise-Bades das Denkmal des Herkules befindet. In jedem Fall würdigt man 1797 mit Äskulap, wirbt man mit Hygieia im Jahr 1912 für einen Ort, der für die Heilkraft der Pyrmonter Quellen steht.



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