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150 000 bis 200 000 Euro für Belag

Humboldt-Neubau: Kommt der Schulhof obendrauf?

BAD PYRMONT. Dass die Stadt für den Neubau des Gymnasiums einen Projektsteuerer eingekauft hat, scheint sich zu bewähren. Beispiel: Wenn im fertigen Gebäude bei Sonnenschein nicht alle Außenjalousien vor allen Fenstern automatisch herunterfahren, können sich Schüler und Lehrkräfte bei Josef Freitag bedanken.

veröffentlicht am 11.08.2017 um 22:07 Uhr

Gerade werden die Wände der zweiten Etage des künftigen Humboldt-Gymnasiums errichtet. Was an dieser Stelle aus dem Schulhof-Boden wird, ist derweil noch unklar. Dessen Neubelag könnte noch einmal 150 000 bis 200 000 Euro obendrauf kosten. Immerhin m
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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„Mein Job ist eigentlich, die Pläne umzusetzen“, sagt der Pyrmonter Diplom-Ingenieur, den die Stadt mit der Bauherrenfunktion betraut hat. Doch der Fachmann überprüft die Konzepte der Planer auch. Und da gibt es, in Absprache mit Schule und Stadt, hin und wieder wieder etwas zu ändern. Freitags Vorschlag zu den Jalousien: eine Steuerung für jede Hausfront.

Wer auf die Idee kam, für alle Raff-Stores – egal, an welcher Gebäudeseite die Fenster liegen – eine gemeinsame Steuerung zu planen? Vermutlich jemand, der mit dem Projekt heute nichts mehr zu tun hat. Bad Pyrmonts städtischer Baudezernent Matthäus Schmidt, der sich ebenfalls intensiv mit dem Gymnasium beschäftigt, trat seinen Posten im Rathaus erst an, als die Verträge schon in der Mache waren.

Weil Steuerer Freitag – theoretisch zumindest – mit dem einmal beschlossenen Budget klarzukommen hat, müssen die Politiker jeden Änderungsvorschlag absegnen, der weiteres Geld kostet. Der Posten „Jalousien-Steuerung“ ist allerdings überschaubar: „Das wird etwa 12 000 Euro ausmachen“, schätzt Freitag. Weitere 10 000 Euro kalkuliert er für Sonnenschutzglas an den immerhin 80 Quadratmeter großen Fensterflächen der Pausenhalle. Hier sahen die ursprünglichen Planungen eine weniger gute Qualität vor.

Bad Pyrmonts Baupolitiker zögerten in ihrer jüngsten Sitzung nicht, die beiden Vorschläge durchzuwinken. Denn sie verteuern den Neubau laut Freitag nicht: „Die Mehrkosten können innerhalb des genehmigten Budgets gedeckt werden“, gab er Entwarnung. Die Brandmeldeanlage werde „so klein wie möglich“ ausgelegt, und man verzichte auf eine Einbruchmeldeanlage. „Im Moment haben wir noch eine freie Spitze von 120 000 Euro.“

Allerdings stellte sich dann heraus, dass der Schulhof offenbar nicht zum Vertrag zwischen der Stadt und der „Industriebau Wernigerode GmbH“ gehört. Auf der Internetseite des Unternehmens ist zwar von einem „schlüsselfertigen Neubau inklusive Planung und Außenanlagen“ zu lesen. Aber der Teufel steckt – wie bei so manchen Kontrakten öffentlich-privater ÖPP-Bauprojekte – wohl im Detail. Veröffentlicht werden derlei umfangreiche Verträge in der Regel nicht. Diesen hatten die Projektmanager der SiKMa-Beratungsgesellschaft eingestielt, nachdem sie der Stadt den Gymnasiums-Neubau statt der zunächst geplanten Sanierung empfohlen hatten.

Zur Erinnerung: Der Kostenrahmen sollte ursprünglich 13,5 Millionen Euro nicht überschreiten dürfen. Aktuell wird mit knapp 14,2 Millionen Euro kalkuliert.

Und ein paar Hunderttausend Euro könnten noch obendrauf kommen. Projektsteuerer Freitag warnte jetzt jedenfalls schon einmal vor unschönem Flickwerk, „wenn am Ende ein schickes neues Gebäude auf dem alten Schulhof steht“.

Hinzu kommt: Da die Fahrradständer auf dem Gelände der dafür abgerissenen Villa Waldeck stehenbleiben, muss der Boden auch dort irgendwann befestigt werden.

Davon erfahren hatten die Pyrmonter Politiker zwar schon am 4. Mai, im hinter verschlossenen Türen tagenden Verwaltungsausschuss. Bis sie das auf 150 000 bis 220 000 Kosten geschätzte neue Stück Schulhof zur Humboldtstraße und die Befestigung absegnen, wird indes noch etwas Zeit vergehen.

Nun warten sie erst einmal ab, wie der Kreistag Ende September über den noch offenen Neubau-Zuschuss entscheidet. Im Kreis-Finanzausschuss kommt das Thema am Mittwoch zur Sprache. Der Berechnung der Hameln-Pyrmonter Verwaltung nach könnte der Kreis-Anteil von ursprünglich kalkulierten rund 6,57 auf rund 6,68 Millionen Euro steigen – jeweils hälftig als Zuschuss sowie als zinsfreies Darlehen über 20 Jahre (statt zunächst 10 Jahre), damit die Stadt Bad Pyrmont den Kreis nicht verklagt. Das geht aus den Unterlagen für die am Mittwoch um 15 Uhr im Kreishaus beginnende öffentliche Sitzung des Kreis-Finanzausschusses hervor.

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