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„Irgendwo weitere Mittel besorgen“

Humboldt-Neubau: Aktuell fehlen 175 000 Euro

BAD PYRMONT. Der Rohbau auf dem Gelände des Humboldt-Gymnasiums macht sich: Schon jetzt ist ein Gutteil des künftigen Erdgeschosses überdacht. Die Arbeiten liegen derzeit sogar drei bis vier Wochen vor dem Plan. Allerdings steigen auch die Kosten: Im Bauvertrag war die Schadstoffentsorgung zu niedrig angesetzt.

veröffentlicht am 27.04.2017 um 21:26 Uhr

Der Neubau des Humboldt-Gymnasiums kommt gut voran: In einem Gutteil des Erdgeschoss-Rohbaus ist schon die Decke eingezogen. Laut Projektleiter Josef Freitag sind die Arbeiten dem Zeitplan um mehrere Wochen voraus. Allerdings steigen auch die Kosten.
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Und auch die Kostenobergrenze ist nach wie vor auf 13,5 Millionen Euro gedeckelt. Doch was hilft der dichteste Deckel, wenn hier und da auflaufende Mehrausgaben den Topf darunter quellen lassen?!

Jedenfalls klingt der jüngste Statusbericht des von der Stadt eingekauften externen Bauherrenvertreters nicht gerade beruhigend. „Die bislang vorhandenen Finanzmittel sind ausgeschöpft“, musste Dipl.-Ing. Josef Freitag Bad Pyrmonts Baupolitikern jetzt berichten. Somit sei „nicht sichergestellt, dass das Projekt bis zur Fertigstellung handlungsfähig ist“. Das heißt: Alle zukünftig möglicherweise auflaufenden Zusatzkosten kommen obendrauf.

In Freitags Prognose sind die ohnehin schon aufgesattelten 500 000 Euro Risikopuffer für Unvorhergesehenes bereits eingerechnet. Daraus schließt der Projektleiter: „Für weitere notwendige Maßnahmen müssen Sie irgendwo weitere Mittel besorgen.“

Im Grunde kein Anlass zum Haareraufen: Denn dass öffentliche Bauprojekte teurer werden als zunächst geplant, ist durchaus die Regel. Je größer das Vorhaben, desto schlechter kalkulierbar sind die Risiken. Der Bund der Steuerzahler sah in erheblichen Verteuerungen allerdings schon vor Jahren ein System: „Häufig werden die Baukosten im Planungsstadium bewusst niedrig gehalten, um die erforderliche politische Zustimmung zu erhalten. Wenn das Projekt einmal begonnen hat, wissen Auftragnehmer, dass dann auftauchende Zusatzkosten oder politische Sonderwünsche auch finanziert werden“, hatte der Damalige BdSt-Präsident 2012 gesagt.

Dabei dürften die schon bei der bisherigen Entsorgung von Asbest und anderen Schadstoffen im ersten Bauabschnitt aufgelaufenen Mehrkosten keinen Baufachmann ernsthaft überrascht haben: Dieser Posten schlägt schon jetzt mit rund 143 000 Euro zu Buche. Darunter vermerkt Freitag in seinem aktuellen Bericht: „Die Entsorgung der betongebundenen Schadstoffe wurde noch nicht berechnet.“

Verwunderlich vor diesem Hintergrund: Laut dem von der SIKMa-Beratungsgesellschaft vorbereiteten Bauvertrag zwischen der Stadt und dem Unternehmen „Industriebau Werningerode“ als Generalübernehmer des öffentlich-privaten Bauprojekts sind in den Gesamtkosten nur 30 000 Euro für die Schadstoffentsorgung veranschlagt. Wird‘s teuer, zahlt die Stadt.

Dass die Summe nicht ausreichen würde, sei von Anfang an klar gewesen, sagt Bad Pyrmonts jetziger Baudezernent Matthäus Schmidt, der seine Stelle im Rathaus erst im Laufe der Vertragsvorbereitungen angetreten hatte. Er betont jedoch die „hohe Qualität“ der Ausschreibung und gibt zu bedenken: „Bei so einer Projektgröße ist es nicht üblich, dass alle Details vorher bis ins Letzte geklärt wären.“ Jetzt, „mitten im Projekt“, gebe es zudem nur noch wenige Punkte, wo nachgearbeitet werden müsse.

Dazu zählen aktuell zwei Punkte: Der Chemieraum braucht Spezialmöbel. Denn wohl niemand würde wollen, dass bei Versuchen mit dem Bunsenbrenner die Tische ankokelt. Damit solche Versuche überhaupt gemacht werden können, muss bekanntlich außerdem eine Gasleitung in die Schule gelegt werden. Warum das erst unlängst auffiel, „will und kann ich nicht beurteilen“, sagt Projektleiter Freitag. „Ich bin damals noch nicht dabeigewesen.“ Hätten bisherige kleine Änderungen durch kleine Abstriche an anderer Stelle aufgefangen werden können, so sei aktuell ein Betrag von 175 000 Euro offen. Der sei mit den bisherigen Mitteln nicht zu finanzieren.

Nachdem einige Politiker – allen voran Rudi Leinhart (CDU), aber auch Oliver Steinwedel (FDP) – in der Bauausschussitzung schon ausufernde Wünsche der Schule fürchteten, sagte Humboldt-Rektorin Dr. Barbara Conring im Nachgang auf Anfrage: „Wir versuchen nicht, etwas rauszuschinden. Das Gymnasium hat die Anforderungen von vornherein im Raumbuch formuliert.“ Dass Politiker sich um Kosten sorgten, verstehe sie. „Aber wir wollen nur basalen Standard.“ Details, die im Laufe der komplexen Abstimmungen vielleicht aus dem Blick geraten sein, würden nun im Gespräch konstruktiv geklärt. Conring: „Die Kooperation mit den Verantwortlichen vor Ort läuft sehr gut.“

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