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Ehepaar Kampe ist von dem Nest auf seiner Terrasse fasziniert

Hornissen – die fliegenden Baumeister

veröffentlicht am 06.09.2016 um 14:40 Uhr
aktualisiert am 24.01.2019 um 14:12 Uhr

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Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
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Ein Schwarm von Hornissen hat sich einen Vogelnistkasten ausgesucht, um da drin und drumherum ein Nest zu bauen.„Zwei Wochen hat das nur gedauert, bis es so aussah wie jetzt“, berichtet die Rentnerin, die in der Schellenstraße in Bad Pyrmont lebt, fasziniert. Immer wieder hat sie sich auf ihre Terrasse gesetzt und den Nestbau der Hornissen zugeschaut. „So schnell schafft das kein Architekt“, freut sie sich über das Ergebnis. Das gut 40 Zentimeter hohe Nest hat eine Oberfläche, die an Marmor erinnert, in ihrer Eigenschaft aber eher haudünnem Papier ähnelt. Die Insekten habe es aus Holz geschaffen, dass sie beispielsweise von Gartenmöbeln oder Pfosten abnagen.

Angst hat Margret Kampe von den bis zu 4,5 Zentimeter großen Hornissen nicht. „Dabei bin ich sonst eher ängstlich. Ich traue mich kaum, Tiere im Tierpark meines Sohnes anzufassen“, erzählt sie. Sie hatte gerade den Roman „Die Honigtocher“ von Christina Caboni gelesen, in dem es um die geheime Sprache der Bienen geht. Das habe sie fasziniert und Verständnis auch für die Hornissen geweckt. „Ich bilde mir ein, sie summen immer die Kleine Nachtmusik, wenn sie an dem Nest arbeiten“, lächelt sie. Das Ehepaar, das seinen Garten samt Goldfischteich ohnehin zum Refugium für Singvögel und Insekten gemacht hat, sitzt immer wieder auf der Terrasse, um die fliegenden Künstler zu beobachten, denn das sei ein wirkliches Schauspiel, versichern sie. Ansonsten lassen sie die Tiere in Ruhe und umgekehrt die Tiere sie. „Wenn hier Kinder auf dem Grundstück wären, hätte ich wahrscheinlich das Nest entfernen lassen“, schränkt die Seniorin ein. „Kinder sind zu unberechenbar und könnten die Hornissen stören.“ Sie selber hat die Erfahrung gemacht, dass die Hornissen tiefer summen, wenn sie sich einmal dem Nest zu sehr nähert. „Das soll wohl heißen: Lass uns in Ruhe“, glaubt sie.

Der Vorsitzende des Pyrmonter Naturschutzbundes (Nabu), Justus Conring, rät zur Gelassenheit im Umgang mit Hornissen und auch Wespen. „Dass Hornissen mit einem Stich ein Pferd umbringen können, ist Unfug“, meint er. Sie seien lediglich größer und hätten dementsprechend mehr Gift. „Gefährlich können sie höchstens für Allergiker sein.“ Störungen wie heftige Bewegungen, Blockieren der Flugbahn sowie Erschütterungen am Nest müssten natürlich grundsätzlich vermieden werden, rät Conring. Aber grundsätzlich seien Hornissen friedlicher als Wespen. „Und sie interessieren sich – im Gegensatz zu Wespen – weniger für die Lebensmittel, die auch wir Menschen mögen.“ Hornissen wie auch Wespen stehen unter Naturschutz und nur in gut begründeten Fällen ist es erlaubt, ihre Nester zu entfernen. „Wenn wir solche Anfragen bekommen, verweisen wir an die Feuerwehr, die für solche Fälle Fachleute hat“, so der Nabu-Vorsitzende.

Die Hornissen an der unteren Öffnung ihres Nestes. Foto: uk

Die Hornissen im Garten der Kampes sind bislang friedlich gewesen, und das werde auch so bleiben, ist Margret Kampe überzeugt. Doch das Ende des Treibens ist absehbar. „Jetzt sterben schon die ersten Tiere und ich glaube, in spätestens zwei Wochen ist das Nest leer“, meint sie. Ihr Mann will es dann für das nächste Jahr an einer anderen Stelle im Garten aufhängen. Auch wenn es nicht wieder genutzt werden sollte, so ist das Nest doch einfach schön anzusehen. Darin sind sich beide Eheleute einig.

Ein Hornissen-Volk kann bis zu 700 Tiere zählen

Da natürliche Baumhöhlen selten geworden sind, suchen sich die Jungköniginnen der Hornissen häufig eine Ersatzhöhle im menschlichen Siedlungsbereich. Gern aufgesuchten Nistplätze sind alte Schuppen, Holzverschalungen an Terrassen und Balkonen, Winterverkleidungen am Dach, aber auch Rollladenkästen und Nischen in Dachböden. Hier heftet sie zunächst einen kleinen Stiel aus selbstgefertigtem Baumaterial an die Decke der Nisthöhle und formt anschließend an dessen Ende die ersten sechseckigen Wabenzellen aus. An die ersten Zellen baut sie bis zu 40 oder 50 weitere an, die jeweils mit einem Ei belegt werden. Nach fünf bis acht Tagen entsteht daraus jeweils eine kleine Larve. Diese entwickelt sich über ein Puppenstadium zu einer Hornisse. In der Zeit zwischen Mitte August und Mitte September erreicht das Hornissenvolk seinen Entwicklungshöhepunkt. Es kann dann 400 bis 700 Tiere zählen. Die Königin ist in der Lage, gezielt Eier zu entwickeln, aus denen nur Drohnen und die Jungköniginnen schlüpfen. Quelle: Nabu



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