weather-image
17°

Das Aufbäumen gegen den weißen Fleck

Hoffen Großenberger vergeblich auf schnelleres Internet?

GROSSENBERG. Schnelles Internet ist nicht alles, aber ohne schnelles Internet ist alles nichts. Diese Einstellung vertraten die Besucher der Bürgerversammlung, zu der die Interessengemeinschaft Großenberg unter der Ägide von Sandra Deppenmeier eingeladen hatte.

veröffentlicht am 28.04.2019 um 21:47 Uhr
aktualisiert am 29.04.2019 um 19:53 Uhr

Niemand will die Verlegung von 14 Kilometer Glasfaserkabel nach Großenberg zahlen. Manche wären inzwischen schon mit einer schwächeren Alternative zufrieden.Symboldbild: dpa
Avatar2

Autor

Carlhermann Schmitt Reporter
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Das Großenberger Dorfgemeinschaftshaus war bis auf den letzten Stuhl besetzt, als Ortsvorsteher Dirk Wöltje den Sachstand um den Breitbandausbau im Landkreis Hameln-Pyrmont und insbesondere in Großenberg vorstellte. Wöltje erklärte, dass der Landkreis den förderfähigen Ausbau mit Glasfaser für alle Kommunen an sich gezogen habe. „Für alle weißen Flecken in Deutschland, wo derzeit Internet nur mit weniger als 30 MBit pro Sekunde zur Verfügung steht, ist der Ausbau des Netzes förderungsfähig.“ Die Idee dahinter: Solche weißen Flecken gibt es dort, wo ein Ausbau der Netzinfrastruktur sich nicht lohnt für die Telekommunikationsunternehmen, die allesamt nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten lediglich dort Netze bauen, wo sie damit Geld verdienen können. Eine Mischkalkulation ist nicht vorgesehen. Mit dem Förderprogramm will der Staat einspringen und die Wirtschaftlichkeitslücke schließen.

Der Landkreis Hameln-Pyrmont will bekanntlich bis zu 60 Millionen Euro in die Hand nehmen. In seinem Auftrag soll die Firma HTP rund 480 Kilometer Glasfaser verlegen.

Im Juli 2018 verhieß Landrat Tjark Bartels (SPD) noch, die Letzten die Ersten sein. Doch scheint es noch Allerletzte zu geben, und Weiß noch in Nuancen unterteilt werden zu können: Laut Wöltje reicht es dem Landkreis, wenn nur 98 Prozent der weißen Flecken verschwinden – womit Großenberg durchs Raster fällt.

Frank Wöltje findet: Die große Nachfrage in Großenberg nach schnellem Internet rechtfertigt Nachverhandelungen. Foto yt

Dabei wird individuell argumentiert: Großenberg lohnt sich nicht, weil dorthin ein Glasfaserkabel über rund 14 Kilometer verlegt werden müsste. Der Kreis könnte den Anschluss aber auch im Zusammenhang sehen: Statt 480 Kilometer Kabel müssen dann halt 500 Kilometer Kabel verlegt werden, also keine fünf Prozent mehr. „Statt der ursprünglich geforderten Anschlussquote von 40 Prozent in den übrigen Bereichen haben sich rund 65 Prozent der Haushalte für einen schnellen Anschluss entschieden.“

Frank Wöltje, selbst in der freien Wirtschaft bei einer überregional agierenden Firma tätig, erklärte, dass bei solch überragenden Ergebnissen Nachverhandlungen der Vertragspartner durchaus üblich seien. Er konnte und wollte ohnehin – wie viele andere Besucher der Versammlung – nicht verstehen, wie sich der Landkreis in einer so grundsätzlichen Frage der Daseinsvorsorge darauf einlassen könne, wieder einzelne Bereiche abzuhängen. „Wir bemühen uns mit Dorferneuerungsmaßnahmen ab, versuchen mit freiwilligem Engagement das Dorfleben so attraktiv zu gestalten, dass die Ortschaften nicht ausbluten“, ärgerte sich ein Bewohner, dass das alles dadurch torpediert werde, dass der Landkreis hier dem Ort die kalte Schulter zeige.

Argumente für die Notwendigkeit eines passabel schnellen Internets wurden zuhauf gebracht. Und Bad Pyrmonts Bürgermeister Klaus Blome versicherte, dass er die Bedeutung ihres Anliegens nicht unterschätze. „Aber dennoch haben wir nach momentanem Stand keine Möglichkeit, die Alternative für den Anschluss ans Glasfasernetz mitzufinanzieren.“ Eine solche Alternative gibt es: Die anderen Pyrmonter Bergdörfer sind von der Telekom – zumindest via Kupferkabel – erschlossen. Da sie aber keine Lust hat, Großenberg anzuschließen, könnte die Firma HTP Kapazitäten der Leitung anmieten, die bis nach Kleinenberg führt, dort einen Verteilerkasten bauen und von dort Großenberg mit etwas schnellerem Internet zu verbinden. Das würde wäre 100000 Euro für die Hardware sowie rund 14000 Euro jährlich für die Leitungsmiete an die Telekom kosten. Hier würde der Kreis die Investitionskosten übernehmen und Bad Pyrmont die Miete bezahlen lassen. „Das können wir aber nicht leisten“, erklärte Blome mit dem Hinweis auf die Bedarfszuweisung. Bad Pyrmont ist nämlich so verschuldet, dass es Geld vom Land bekommt. Dafür darf es seine freiwillige Leistungen nicht erhöhen. „Bezahlten wir also die Miete, dann müssten wir bei Musikschule, Vereinen und kulturellen Ausgaben wie dem Museum diesen Betrag einsparen.“ Blome versicherte aber, dass er sich bei der Landesregierung um eine Ausnahmeregelung zur Übernahme der 100000 Euro Investitionskosten bemühen werde.

Dirk Wöltje erklärte auch, er bemühe sich, die Kreisverwaltung und die Kreispolitiker zur Kostenübernahme zu überzeugen. „Außer von Ursula Körtner habe ich aber noch keine Unterstützung von anderen Pyrmonter Kreistagsabgeordneten erhalten“, bedauerte er und konnte auch nicht verstehen, dass Mehrheitsgruppen-Sprecher Ulrich Watermann im Kreistag fand, Pyrmont könne die Kosten ruhig tragen. „Und das, während gleichzeitig Anträge für teure Stellen wie einen Inklusionskoordinator für über 67 000 Euro jährlich gestellt werden.“



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?