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Weltklassik-Reihe mit Alexey Chernov / Pianist brillierte beim „Mephisto Walzer“

Höllentempo in der Dorfkneipe

BAD PYRMONT. Erneut gastierte im kleinen Saal des Konzerthauses ein Pianist, der den schweren Blüthner-Flügel zum Beben brachte.

veröffentlicht am 10.12.2018 um 20:40 Uhr

Zog alle Register seines Könnens: der Pianist Alexey Chernov. Foto: rr
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Autor

Rudi Rudolph Reporter
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Allerdings war dies eher den teils radikalen Phasen geschuldet, mit denen sich der russische Ausnahmepianist Alexey Chernov in seinem Programm auseinandersetzte. Und so geriet das für dieses Jahr letzte Konzert der Reihe „Weltklassik am Klavier“ noch einmal zu einem erhabenen Schlusspunkt.

Doch zu Beginn des Konzertes perlte in großer Feinfühligkeit die „Sonate Nr. 10 C-Dur KV 330“ durch den Raum, zunächst fröhlich gehalten, im zweiten Satz, Andante cantabile, harmonisch mit außerordentlich zartem Anschlag gespielt, und im dritten Satz in Struktur und Modulation mit Ähnlichkeiten zum ersten Satz. Danach nutzte Alexey Chernov seine große Interpretationsbandbreite voll aus, um einen Franz Liszt mit selten gehörter Intensität zur Geltung zu bringen. Der Trauermarsch „Nr. 7 Funérailles“ aus „Harmonies poétiques et religieuses“ begann in wuchtigen Moll-Akkorden, eine mächtige Huldigung der Helden der ungarischen Revolution. Man spürte förmlich, mit welch intensiver Körperspannung Chernov sich in das Werk vertiefte. Fast wild und brausend dann der folgende Schneesturm, die „Chasse-neige h-Moll Nr. 12“, die alle Facetten eines solchen Unwetters charakterisierte. Liszts Konzept der Programmmusik mit ihren damals neuartigen harmonischen und formalen Mitteln wurde hier von dem Interpreten vollkommen ausgereizt, indem er etwa die Klaviatur zu fast pfeifenden Tönen zwang.

War es bis dahin bereits ein Musikerlebnis, das die Bewunderung des Publikums in Beifall ausdrückte, gab Cernov dem Instrument mit dem „Mephisto Walzer“ noch einmal die Sporen. Dass dieser eines der kompliziertesten Werke der virtuosen Klavierliteratur ist, war augenscheinlich. Der teuflische Tanz des Mephisto, der in einer Dorfkneipe die Violine übernimmt und eine schöne Frau entführt, erklang einfach brillant, höchst präzise bei einem wahren Höllentempo und doch extrem widersprüchlich in der Modulation. Mit der „Sonate Nr. 2 op. 36 a“ von Sergej Rachmaninow in ihrer authentischen Fassung von 1913, eine überarbeitete erschien im Jahr 1931, beendete Alexey Chernov ein Konzert, das ohne Einschränkung Vorfreude auf die Weltklassik-Reihe im nächsten Jahr weckt.



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