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Pyrmonter Energieversorger kauft Stomnetzt in acht Ortsteilen

Hier wachsen, da schrumpfen – die Stadtwerke-Strategie

veröffentlicht am 04.10.2016 um 21:45 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:08 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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„Wir werden das Vorjahresniveau halten können“, sagt der Diplom-Ökonom. 2015 verbuchten die Stadtwerke hintenraus ein Plus von 312 000 Euro – nach einem zuvor nie dagewesenen Minus von 350 000 Euro 2014.

Worauf sich die Kunden einstellen müssen, ist indes noch nicht klar. Den gerade gesenkten Gaspreis sieht Benkendorff stabil. Zur Kalkulation künftiger Strompreise wartet er auf die Entscheidungen zur EEG-Umlage und den Netzgebühren.

Wachsen werden die Pyrmont Stadtwerke vor allem räumlich: Zum 1. Januar 2017 übernehmen sie von Westfalen Weser Netz (WWN – früher E.ON) die Stromnetze in den Kurstadt-Ortsteilen. Die im September nach jahrelangen Verhandlungen erzielte Einigung mit dem bisherigen Netzbetreiber nennt Benkendorff einen „historischen Meilenstein“. Und vor dem Hintergrund andernorts noch laufender Verhandlungen sagt er: „Wir sind die Ersten, die fertiggeworden sind.“

Über die Summe, die die Stadtwerke an WWM zahlen, wurde laut Benkendorff Stillschweigen vereinbart. Nur soviel: Der Betrag sei in den anstehenden Investitionen in allen Geschäftsfeldern in Höhe von etwa 20 Millionen Euro enthalten.

Mitarbeiter des bisherigen Netzbetreibers würden nicht übernommen. Allerdings schließt der Stadtwerke-Chef ein paar Neueinstellungen in diesem Feld nicht aus.

Durch die Expansion verdreifacht die Energiesparte der städtischen „Stadtwerke Beteiligungs- und Bäder GmbH“ laut Benkendorff ihre Versorgungsbasis fast: von jetzt 22 um 40 Quadratkilometer (181 Prozent) auf künftig 62 Quadratkilometer. Dieser „gigantische“ Zugewinn an Fläche geht in den eher dünn besiedelten Dörfern allerdings nicht mit einem gigantischen Zugewinn an Netz- und vielleicht auch Strom-Kunden einher – zumal etwa die Hälfte der Haushalte in den Orten ihren Strom schon jetzt von den Stadtwerken beziehen. Aber man spekuliert freilich auf weitere Neukunden, die dann alle Energielieferungen aus einer Hand erhalten. Benkendorff: „Wir werden zum Jahreswechsel aktiv auf die Bürger in den Orten zugehen.“ Mit der Expansion würden die Ortsteile zugleich in ihrem Ziel unterstützt, „die ländliche Attraktivität und Lebensqualität zu steigern“.

Der Deal soll „natürlich eine gewisse Rendite“ bringen, erzielt über über die Netzentgelte.

Ein zweiter Wachstums-Baustein ist die ab 2018 geplante Lieferung von jährlich 130 000 Kubikmeter „nitratarmes Trinkwasser von hoher Qualität“ auf die Ottensteiner Hochebene. Die Basis dafür ist ein auf 30 Jahre angelegter Vertrag mit dem Wasserverband Ithbörde (wir berichteten). Damit erhöhen die Stadtwerke ihr Wasser-Liefervolumen um etwa zehn Prozent.

Die Wassergewinnung in der Kurstadt stellt laut Uwe Benkendorff aufgrund der Quellen hier „überhaupt kein Problem“ dar. Deshalb zähle der Ausbau der Wassersparte im Pyrmonter Umfeld auch zu den strategischen Themen, die er im Blick habe.

Doch nun zum Schrumpfen: Dahinter steht zum Einen der Personalabbau. Hier spricht Ökonom Benkendorff aktuell von zehn bis zwölf Prozent bis Ende 2018. Aktuell hätten die Stadtwerke „knapp 100“ Leute. „Querfeldein werden Verträge nicht verlängert und Rentner nicht ersetzt“, sagt er und nennt beispielhaft Schwimmbad, Montage und Vertrieb.

Die von Benkendorff erklärte Absicht hinter dem Sparprogramm „Dringenau“, das dauerhaft 500 000 Euro jährliche Kosten einsparen soll: der Erhalt der Daseinsvorsorge-Posten Erlebnisbad und Parkhaus. 250 000 Euro koste hier die Asphalt-Erneuerung, und im Bad werde aktuell eine von zwei Wellen-Pumpen repariert.

Die sechs Busfahrerinnen und -fahrer, die mit der 2017 anstehenden Übertragung der Pyrmonter Stadtbus-Linien auf den Landkreis (wir berichteten) zum fusionierenden Kreisverkehrsbetrieb wechseln, sind in diesen Zahlen nicht enthalten. Die Mitarbeiter in den Bus-Werkshallen sollen indes vor Ort in Bad Pyrmont. „Wir sind dann ein reiner Dienstleister für Reparaturen.“

Ein anderes teures Geschäftsfeld lässt sich nicht abstoßen: die Beteiligung am Gaskraftwerk Mittelbüren. Denn das verbrennt selbst im Standby-Betrieb richtig Geld. „Allein dafür mussten wir über 1,5 Millionen Euro an Rückstellungen bilden.“

Gleichwohl gibt sich Stadtwerke-Chef Uwe Benkendorff letztlich „optimistisch, dass wir die aktuellen Herausforderungen und Risiken mit der Kompetenz und dem Engagement unserer Mitarbeiter meistern und damit auch in Zukunft wichtige Impulse für Wirtschaftskraft und Lebensqualität in der Region Bad Pyrmont setzen“.



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