weather-image
23°

Geburtsstunde am 2. April 1184 / Erzbischof von Köln belehnt Graf Widekind mit der Burg

Heute vor genau 825 Jahren entstand Pyrmont

Manfred Willeke

veröffentlicht am 01.04.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 12:21 Uhr

Graf Widekind von Schwalenberg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Bad Pyrmont. Auf den Tag genau heute vor 825 Jahren war die Geburtsstunde Pyrmonts. 1184 belehnte der Erzbischof von Köln Graf Widekind von Schwalenberg mit der Hälfte der Burg Pyrmont. Nach dieser nannte sich Graf Widekind I. von Schwalenbergs gleichnamiger Sohn, Widekind II., seit 1187 „Graf von Pyrmont“ und wurde Stammvater der Grafenfamilie von Pyrmont.

Grafen waren Vasallen von Heinrich des Löwen

Die Grafen gehörten zu den Parteigängern und Vasallen des Braunschweiger Herzogs Heinrich des Löwen, der sich mit dem damaligen Kaiser Friedrich Barbarossa anlegte. Daraufhin verhängte Kaiser Friedrich Barbarossa 1180 über Heinrich den Löwen die Reichsacht, sodass dieser – vermutlich 1181 – nach England ins Exil gehen musste.

Sein Besitz fiel daraufhin an den Kaiser. Dieser übertrug die Gewalt über das zu diesem Besitz gehörige Herzogtum Westfalen und Engern dem Erzbischof des überaus bedeutenden Bistums Köln, Philipp von Heinsberg.

Graf Widekind von Schwalenberg, bisher zur Partei des Braunschweiger Herzogs Heinrich des Löwen gehörig, wurde Anhänger des Erzbischofs von Köln, der sein neu gewonnenes Herzogtum Westfalen absichern und schützen musste. So erklärt sich, dass er an der Grenze desselben, im Gebiet des Grafen Widukind von Schwalenberg, von diesem dessen Besitzung Oesdorf kaufte.

Danach baute er 1182/83 entweder eine vorhandene Burg der Grafen von Schwalenberg aus oder errichtete eine neue, was sich heute nicht mehr mit Sicherheit sagen lässt. Diese Burg stellte der Erzbischof unter den Schutz des heiligen Petrus und nannte sie „Petri-Mons“, also Petersberg, woraus sich der Name Pyrmont entwickelte, vielleicht auch unter Verwendung ähnlicher, weit älterer Namen aus der Vorzeit.

Am 7. März 1184 ließ sich der Erzbischof den Erwerb der Besitzung Oesdorf und des „Castrum Perremont“ für die Kirche von Köln von Papst Lucius III. genehmigen. Wie vermutlich vorher abgesprochen, belehnte der Erzbischof von Köln Graf Widekind am 2. April 1184 mit der Hälfte der Burg Pyrmont.

Graf Widekind II. von Pyrmont nutzte die Burg zunächst als Mittelpunkt, der aus der Gesamtgrafschaft Schwalenberg herausgelösten, neu entstehenden Grafschaft Pyrmont, zu der neben Oesdorf, Holzhausen, Huckenhausen (unterer Teil von Holzhausen), Löwensen, Thal, Bruwen (Großen- und Kleinenberg) noch sechs bis sieben später untergegangene Dörfer gehörten. Für die weitere Entwicklung der Grafschaft lag die Burg jedoch zu weit abseits. Deshalb wandten sich die Grafen von Pyrmont seit Beginn des 13. Jahrhunderts dem seit 784 urkundlich schon bekannten Lügde zu, der schon eine gewisse Größe und Bedeutung gehabt haben muss und in dem sie ein festes Haus besaßen. Seit 1195 prägten die Grafen von Pyrmont Münzen in Lügde und bauten den Ort dann zu einer Stadt aus.

Um sich aus der Abhängigkeit der Erzbischöfe zu lösen, schlossen sich die Grafen von Pyrmont um 1242 dem Kreis der Gegner des Erzbischofs an. Zunächst war dieser Kreis siegreich und die Grafen von ersetzten die Amtleute des Erzbischofs auf der Burg Pyrmont durch ihre eigenen.

Dann aber verloren die Gegner den entscheidenden Kampf gegen den Erzbischof, was für die Grafen von Pyrmont schlimme Folgen hatte.

Grafen verlieren Besitz in Lügde

Um die Grafschaft zu retten, mussten sie einer Vereinbarung mit dem Erzbischof zustimmen, die ihnen der am 23. Juli 1255 diktierte. Dadurch verloren die Grafen eine Hälfte ihres erstmals als Stadt genannten Hauptortes Lügde, durften aber die halbe Burg in Besitz nehmen.

Zwischen 1276 und 1284 zerstörte Edelherr Simon zur Lippe die Burg und besetzte den Kölner Hof in Oesdorf. Aus dem Besitz der Grafen von Pyrmont beschlagnahmte er Teile des Dorfes Thal, Vesper und andere Güter innerhalb der Grafschaft.

Der Erzbischof von Köln beauftragte 1306 den Marschall Johann von Bielstein, für das Erzbistum den Hof Oesdorf wiederzugewinnen, was ihm wohl gelang.

Die Burg Pyrmont blieb aber eine Ruine. Um 1182/83 errichtet, 1184 erstmals als „Castrum Perremont“ erwähnt, 1184 zur Hälfte an Graf Widekind von Schwalenberg verlehnt, hat die Burg also nur rund 100 Jahre bestanden.

Sie wird auf allen alten Karten und Ansichten zwar mit erwähnt, lag aber zu weit abseits, um aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt zu werden. 1824 ließ Fürst Georg Heinrich zu Waldeck-Pyrmont aus den Überresten der Ruine der Burg einen Aussichtsturm, den Schellenturm, errichten. Damit wollte er die Erinnerung an die alte Burg und den Ursprung der Grafschaft wach halten, was ihm gelang.

Die Burg Pyrmont in einer alten Darstellung.

Fotos: Willeke



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?