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Antje Brunschön hat eigene Erfahrung mit der Psychiatrie

„Heute bin ich in mir selber zuhause“

BAD PYRMONT. Sie wusste genau, wovon sie sprach: Antje Brunschön aus Bünde, Referentin in der Sozialpsychiatrie und Genesungsbegleiterin, hat am eigenen Leibe und mit der eigenen Seele erlebt, was es bedeutet, immer wieder Normen des Alltags zu sprengen und in große Lebenskrisen zu geraten.

veröffentlicht am 17.05.2019 um 17:52 Uhr
aktualisiert am 17.05.2019 um 20:50 Uhr

Durch ihre Offenheit und ihre positive Ausstrahlung machte die Genesungsbegleiterin Antje Brunschön anderen Betroffenen Mut, sich zu einem Aufenthalt in der Psychiatrie zu bekennen. Foto: Hei
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Autor

Karin Heininger Reporterin
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Ihre Erfahrungen vermittelte die Referentin nun in einem Vortrag beim Paritätischen in der Schloßstraße. Die Veranstaltung fand im Rahmen der Reihe „Verrückte-Leben“ statt und hatte das Motto „Was hat mir nach der Krise geholfen?“. Ausführlich und mit bewundernswerter Offenheit erzählte Antje Brunschön von ihrem keineswegs gradlinigen Lebensweg, der geprägt war von immer wieder neuen Abstürzen und Rückschlägen in die psychische Krankheit. Sie berichtete aber auch, wie sie sich immer wieder, besonders nach der Geburt ihres Sohnes, zurück kämpfte ins „normale“ Leben – und das ja wohl auch endgültig geschafft hat.

„Es ist ein harter Weg, wenn man monatelang umsorgt und entmündigt lebt und sich nach der Entlassung aus der Psychiatrie wieder neue Strukturen schaffen muss, um den Alltag zu bewältigen“, räumte sie ein. Das Risiko, wieder volle Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen, schließe aber auch die Möglichkeit des Scheiterns ein – „und das muss ich akzeptieren“, sagte Brunschön.

Aus den Zwischenfragen und dann auch bei einer ausführlichen Diskussion war klar, dass Betroffene im Publikum saßen und von ihren eigenen Erfahrungen berichteten. „Ich habe keine eigene Familie, die mir helfen könnte. Die Psychiatrie ist mein Anker“, offenbarte sich eine ältere Dame. Dass jedoch für die Welt draußen der Aufenthalt in der Psychiatrie oft ein Stigma ist, wurde ebenfalls deutlich.

Daraus resultierte die Frage, ob es sinnvoll sei, sich zu outen. Dies bejahte die Referentin: „Dadurch schaffe ich Klarheit und mache anderen Betroffenen Mut, sich selber anzunehmen.“ Wie gut ihr dies gelungen ist, machte Antje Brunschön deutlich: „Heute sehe ich mich nicht mehr als Opfer. Ich stehe zu mir und bin in mir selber zu Hause.“



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