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In der Küche des Vereins für Arbeit und Integration kochen Flüchtlinge für ein Kochbuch

Heimatliches für den Gaumen

BAD PYRMONT. In der Küche des Vereins für Arbeit und Integration kochen Flüchtlinge zusammen. Für die Frauen geht es dabei auch darum, ins Gespräch zu kommen, Alltagsprobleme anzusprechen und das Gefühl von Gemeinschaft und Vertrautheit zu entwickeln. Und ganz nebenbei soll auch noch ein Kochbuch entstehen mit Rezepten aus den Heimatländern.

veröffentlicht am 13.07.2018 um 17:37 Uhr
aktualisiert am 13.07.2018 um 18:40 Uhr

Heivn Ahmado (vorn) und Atidal Albakri macht das gemeinsame Kochen viel Freude. foto: ti
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Autor

Klaus Titze Reporter
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Hinter der noch geschlossenen Tür zur relativ kleinen Küche in den Räumen der AIBP (Verein Arbeit und Integration Bad Pyrmont e. V.) ist geschäftiges Gemurmel zu hören. In der Küche herrscht neben Enge ein munteres Treiben. Im Gegensatz zu dem Erfahrungswort, dass viele Köche den Brei verderben – hier können es gar nicht genug sein, die handreichen oder direkt in den Fertigungsprozess eingebunden sind.

Wer nichts beitragen kann, sondern sich eher auf den späteren Genuss freut, deckt schon mal den Tisch. Frauen aus Syrien und dem Irak wuseln zusammen mit den hauptamtlich in der AIBP Beschäftigten, während einige begleitende Kinder neugierig zuschauen. „Heute“, so Heivn Ahmado, „wird als Hauptgericht Maklube zubereitet.“ Sie lebt bereits seit 30 Jahren in Deutschland und ist oft als Dolmetscherin bei der AIBP gefragt.

Zu ihrer Lieblingsspeise, deren Rezept sie aus Afrin im Norden Syriens mitbrachte, hat sie bereits einige Zutaten vorbereitet mitgebracht, so zum Beispiel vorfrittierte Kartoffel- und Auberginenscheiben. Diese schichtet sie mit kleingeschnittener Hähnchenbrust und Reis wie eine Lasagne in einen Topf und spart dabei nicht mit eingemengten ganzen Mandeln, Wallnüssen oder Erdnüssen. Das alles wird im Topf gegart und, wenn das Gericht durch ist, umgestülpt auf einen großen Teller gegeben.

„Sieht aus wie eine Torte“, lacht sie und macht darauf aufmerksam, dass ihr Essen recht kalorienreich ist. Ihre 13-jährige Tochter Narjen hat andere Kinder um sich geschart und sie kümmern sich um die Nachspeise, eine süße Verführung aus Glasnudeln und Gries, wie man es auch aus dem türkischen Speiseangebot kennt. Ein großes Backblech voll wartet sodann auf die Leckermäuler.

Information

„Maklube“

Die Zutaten nach Heivn Ahmado (für bis zu 15 Personen):

  • 1 Tüte Kartoffeln (in Scheiben vorfrittieren)
  • 1 Tüte Zwiebeln
  • 3 Packungen Hähnchenbrust (kleinschneiden und anbraten)
  • 3 Tüten ganze Mandeln
  • 3 Tüten ganze Wallnüsse/Erdnüsse
  • 2 Beutel Reis
  • 4 Auberginen
  • Curry
  • Butter

„Das Kochen ist eigentlich eher Nebensache“, kommt von den Frauen als Kommentar, denn ihnen kommt es mehr darauf an, miteinander ins Gespräch zu kommen, Alltagsprobleme anzusprechen und ihnen das Gefühl von Gemeinschaft und Vertrautheit zu geben. Die Idee sei im Jugend-Migrationsdienst der AIBP entstanden. „Und so ganz nebenbei, aber von uns gezielt beabsichtigt, sind wir dabei, die von den Frauen gezeigten Rezepte aufzuzeichnen und ein kleines Kochbuch erstehen zu lassen“, erzählt Ralf Gehring, Geschäftsführer der AIBP und einer derjenigen, der genussvoll die gefertigten Speisen kostet.

Sie hätten sich schon öfter in der Küche der AIBP getroffen und aktuell acht Gerichte mit Vorspeisen, Hauptspeisen und Desserts dokumentiert. „12 sollen es werden, die dann in einem Band zusammengefasst vorgestellt werden sollen“, bekundet er. Neben Bildern von den Treffen, die auch die gemeinsam erlebte Freude zeigen sollen und auch von den fertigen Gerichten, die Appetit und Lust zum Ausprobieren machen sollen, sollen auch die einzelnen Speisen mit Zutaten und Zubereitung in Rezeptform vorgestellt werden.

„Vielleicht gelingt es uns, das fertige Produkt am Tag der Kulturen in Bad Münder oder spätestens am Tag der offenen Tür der AIBP, den wir für den 30. Oktober planen, zu präsentieren und an Interessierte abzugeben, die mal etwas Fremdartiges selbst ausprobieren und kosten möchten“, sagt Gehring voller Vorfreude auf das erwartete Ergebnis.



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