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Sommerhitze, Polizeikontrolle und Geschenke

Halbzeit für „Friedensmarschierer“ Eichmann

BAD PYRMONT. Helmut Eichmanns Rechnung scheint aufzugehen: Der „Friedensmarschierer“ aus der Kurstadt hat gut die Hälfte seiner 400-Kilometer-Wanderung von Bad Pyrmont ins uckermärkische Götschendorf zurückgelegt. Sein Ziel ist ein russisch-orthodoxes Kloster. Dort will der 68-Jährige seine Friedensbotschaft anbringen.

veröffentlicht am 15.08.2018 um 22:32 Uhr

„Die Hitze macht mir nichts aus, und Blasen habe ich auch keine“, sagt Helmut Eichmann. Foto: pr
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Bisher läuft eigentlich alles nach Plan: „Die Hitze macht mir nichts aus, und Blasen habe ich auch keine“, erzählt Eichmann am Telefon. Die Bürgermeister der von ihm angesteuerten Orte organisieren und bezahlen ihm seine Unterkünfte in Hotels und Pensionen, legen an den örtlichen Kriegstoten-Gedenkstätten in seinem Beisein Blumen nieder und aktivieren die örtlichen Zeitungen, die dann über den bärtigen Wanderer berichten. Auch dem MDR-Fernsehen war er einen Bericht wert.

Die fast allerorten großzügige Unterstützung hält Eichmann für „sehr wichtig, vor allem, wenn ich sehe, was in der Welt passiert und wie angespannt die Situation ist“. Gleichwohl sei ihm klar: „Mein Einfluss ist begrenzt. Wenn ich sage, schließt Frieden, hören sie nicht auf mich.“ Doch er bleibt getrieben, will seine Botschaft breitestmöglich streuen: „Jedes Kriegsgrab ist ein Protest gegen den Krieg.“ Wie brisant die Lage angesichts der weltweiten Krisen heute sei, unterschätzten viele Menschen. Er sieht eine Parallele zu 1914: „Da waren die Leute naiv. Sie schätzten den Krieg als kleines Abenteuer ein.“

Einen Moment der Anspannung hat Eichmann auf seinem Marsch auch schon erlebt: In Brandenburg geriet er in eine Polizeikontrolle. „Sie waren auf der Suche nach einem dementen älteren Herrn“, erzählt er. Doch spätestens, als er die gesammelten Zeitungsausschnitte über sich und seine Mission aus dem Rucksack zog und den „erstmal ein bisschen amtlichen“ Polizisten unter die Nase hielt, klärte sich die Verwechslung auf. „Dann waren die Beamten sehr interessiert.“

Vor allem aber sammelt Eichmann „viele schöne Begegnungen“. Der Wirt eines türkischen Bistros habe ihm zwei Dosen Cola geschenkt, als er dort einkehrte. Denn immer, wenn sich an heißen Tagen die Gelegenheit bietet, „ziehe ich mir die Getränke literweise rein“. Zum Abkühlen gehe er auch gern in Supermärkte, die auf seiner Strecke liegen. Und als er an einer Baustelle nach dem Weg fragte und dem Arbeiter von seiner Tour erzählte, habe der gleich seinen Fotoapparat geholt, ein Bild gemacht und ihm noch zwei Birnen geschenkt.

Vielerorts wird Eichmann regelrecht verwöhnt. „Manchmal kriege ich nur Frühstück. Aber meine Pensionswirtin in Rochau hat sich unheimlich ins Zeug gelegt.“ Die Leute ließen sich nicht lumpen.

So werden ihm am Ende nur die Ausgaben für Essen und Getränke unterwegs bleiben. „Und die Rückfahrt muss ich selber zahlen“, sagt Eichmann. „Sonst wäre das für mich ein teurer Spaß.“



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