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Arbeit von Jahrzehnten zerstört

Hagener Grillplatznach wiederholtem Vandalismus in Gefahr

HAGEN. Schulpartys, Sommerfeste, Familiengeburtstage – der Grillplatz unweit des Pyrmonter Ortsteils Hagen ist fürs Feiern ein idealer Ort. Aber wie lange wird es die gastliche Location im Grünen noch geben? Die Grillplatz-Paten vom örtlichen Verkehrsverein jedenfalls verlieren langsam die Lust an der Pflege.

veröffentlicht am 20.02.2018 um 22:57 Uhr

„Es kann doch nicht im Sinne des Erfinders sein, dass wir wegen ein paar Randalebrüdern aufhören“, sagen die Grillplatz-Paten Gerhard Mull und Klaus-Dieter Wilinski. Foto: jl
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Schuld sind immer neue mutwillige Beschädigungen an der Anlage. „Es begann im letzten Sommer“, sagt Gerhard Mull, der vor Ort regelmäßig nach dem Rechten sieht. „Seitdem ist kaum eine Woche ohne neue Zerstörungen vergangen.“ Und die sind nachhaltig. Sie auszubessern würde die Kümmerer viel Zeit kosten – und den Verein Hunderte von Euro.

Mit Vorliebe zündeln die Unbekannten an dem von den Ehrenamtlichen gebauten Mobiliar. Mal schnitzen die Täter große Kerben in die Eichenbalken der sieben soliden Tische und vierzehn Bänke, stapeln die Späne und greifen zum Feuerzeug. „Aber sie haben auch schon aufgespannte Regenschirme und Plastikflaschen angezündet“, sagt Mull kopfschüttelnd. „Den ins Holz eingeschmolzenen Kunststoff habe ich dann mit Stemmeisen und Schleifpapier entfernt.“

Auf dem Gelände zerschlagene Schnapsflaschen legen für Mull und seinen Vereinskollegen Klaus-Dieter Wilinski den Schluss nahe, dass Alkoholkonsum bei den massiven Sachbeschädigungen eine Rolle spielt.

„Jeder Balken kostet 50 Euro“, sagt Gerhard Mull. Die Tische und Bänke zu reparieren, werde Hunderte von Euro kosten. Foto: jl
  • „Jeder Balken kostet 50 Euro“, sagt Gerhard Mull. Die Tische und Bänke zu reparieren, werde Hunderte von Euro kosten. Foto: jl

Allerdings scheint den Unbekannten durchaus klar zu sein, dass ihre Lust an der Zerstörung die Kümmerer erzürnt. So hat jemand von ihnen mit Kugelschreiber direkt neben eine der Brandstellen ins Holz geschrieben: „Hi, was geht so bei euch? Mögt ihr unsere kleinen Tischfeuer?“

Die Wut der Hagener mögen die Täter witzig finden. Ob ihnen auch klar ist, dass die Platz-Paten es längst leid sind, ihre Zeit dranzugeben für eine Arbeit, die andere gleich wieder zunichte machen? „Wenn wir hier aufgeben, geht wieder etwas verloren“, sagen Mull und Wilinski. Und nicht nur auf dem Hagen, denn auch Pyrmonter zählen zu den 10 bis 15 Gruppen, die sich jedes Jahr für kleines Geld auf dem Grillplatz einmieten, der allen Feiernden offensteht. Dass die Täter ein Einsehen haben, glauben die Kümmerer zwar kaum. Und doch geben sie zu bedenken: „Mit allem, was verschwindet, verschwindet doch auch ein Stück Lebensqualität.“

Mit Blick auf die erst vor wenigen Jahren konstruierten Möbel unter dem schützenden Unterstand sagen die Paten: „Wir dachten, das hält für die Ewigkeit.“ Denn immerhin ist es schon ein halbes Jahrhundert her, dass der Platz im alten Steinbruch eingerichtet wurde. „Und auch die heutigen Jugendlichen sollten hier später noch feiern können, vielleicht mit ihren Kindern.“ Aus genau diesem Grund habe der Verkehrsverein in den vergangenen Jahren viel Zeit und Geld in die Pflege der Anlage gesteckt.

Inzwischen haben die Kümmerer die Anwohner am Ortsrand instruiert. Die haben jetzt ein Auge darauf, wer in Richtung Grillplatz geht. Und auch die Polizei ist informiert. Auf ihren Streifenfahrten drehen die Pyrmonter Beamten nun regelmäßig eine Runde zum Hagener Grillplatz.

Die Sachbeschädigungen sind indes nicht der einzige Grund für den Frust der Kümmerer. Sauer sind sie auch auf den Landkreis, das städtische Forstamt und den Bauhof. Denn der bisher von der Kreisabfallwirtschaft zur Verfügung gestellte Müllcontainer ist kürzlich abgezogen worden. Die Ehrenamtlichen können sich kaum vorstellen, dass weniger Müll im Wald landet, wenn jeder Veranstalter hinterher seinen Abfall selbst wegschaffen muss.

„Auch dem Forstamt ist unser Grillplatz kein schützenswerter Ort“, klagt Klaus-Dieter Wilinski. Er werde mit schweren Fahrzeugen zerfahren und die freien Flächen würden mit gefällten Bäumen belegt. Zudem habe die Behörde erst zwei von fünf bei Fällarbeiten zerstörten Ruhebänken an den Wegen ersetzt.

Der Bauhof schließlich habe zwar im letzten Herbst Hecken und Büsche an den Wanderwegen zurückgeschnitten. Die Grünschnitt-Stapel seien dann aber so lange liegengeblieben, bis Orkan Friederike das Holz auf Straßen und Wege verteilt habe. Wilinski sieht nun den Bauhof in der Pflicht, die Ausgangslage wieder herzustellen. „Hoffentlich noch vor der Brutzeit der Vögel.“

Was sie wurmt, werden die Ehrenamtlichen den Besuchern der Vereinsversammlung am Donnerstag (ab 19.30 Uhr im Hagener Hof) nicht vorenthalten.

Ihr Frust ist groß. Und doch haben Mull und Wilinski noch nicht völlig aufgegeben: „Es kann doch nicht im Sinne des Erfinders sein, dass wir wegen ein paar Randalebrüdern aufhören.“

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