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Enthüllungsjournalist führt „positives“ Hintergrundgespräch mit Linus Kampe

Günter Wallraff besucht Tierpark

Bad Pyrmont (uk/jl). Im September hat das „Team Wallraff“ über seiner Meinung nach unzuhaltbare Zustände im Pyrmonter Tierpark auf RTL berichtet. Am Mittwoch war der prominente Enthüllungsjournalist Günter Wallraff im Tierpark zu einem Hintergrundgespräch.

veröffentlicht am 28.10.2015 um 18:02 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 09:41 Uhr

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Autor:

Juliane Lehmann UND Hans-Ulrich Kilian
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„Günter Wallraff ist wieder im Tierpark“, hieß es am Mittwochmittag am Telefon. Jemand hatte offenbar gesehen, wie der Enthüllungsjournalist den kleinen Pyrmonter Privatzoo in Begleitung einer Frau betrat. Diesmal war der 73-Jährige aber offensichtlich nicht undercover mit Perücke und Hornbrille in Aktion wie bei seinem Einsatz für das nach ihm benannte RTL-Format „Team Walfraff – Reporter undercover“ vor fünf Monaten. Jetzt kam er in Zivil, in Jeans, Pulli und Lederjacke, mit einer Sporttasche über der Schulter.

Knapp zwei Stunden später verließ der prominente Enthüllungsjournalist („Ganz unten“) den Tierpark wieder. Über den Zweck seines Besuchs dort wollte er nicht sprechen, er verwies an seine Begleiterin. Doch auch die RTL-Mitarbeiterin Karla Steuckmann aus Köln blieb nach dem fast zweistündigen Aufenthalt im Tierpark wortkarg. Über Verlauf und Ergebnis des Hintergrundgespräches mit Tierpark-Pächter Linus Kampe in der Zooschule wollte auch sie sich nicht äußern.

Kampe selber sprach von einem sehr positiven und konstruktiven Gespräch, bei dem es weniger um die Vergangenheit als vielmehr um die Zukunft gegangen sei. „Man hat uns gesagt, dass man sich für uns einsetzen wolle. Möglicherweise gibt es einen weiteren Beitrag über unseren Tierpark“, berichtete der Tierparkchef, ohne Einzelheiten über die Art dieses Beitrages zu nennen. Die Entscheidung darüber dürfte der Sender auch erst noch treffen müssen.

Das Gespräch sei auf Wunsch der Fernsehleute zustande gekommen, so Kampe. „Wir hatten die Gelegenheit, unsere Sicht der Dinge darzulegen und die schwierigen Rahmenbedingungen zu erläutern, unter denen wir den Tierpark übernommen haben und führen. „Dadurch können wir uns nicht zu 100 Prozent auf das konzentrieren, was wir eigentlich machen wollen.“

Kampe hat in den sozialen Medien nach dem Fernsehbeitrag, in dem es um die Einzelhaltung des Schimpansen Charly und die Tötung eines neugeborenen Hängebauchschweins ging, einen Shitstorm über sich ergehen lassen müssen. Das ging hin bis zu Morddrohungen. Wallraff sah sich danach genötigt, diese Leute aufzufordern, das zu unterlassen und sich bei Kampe, seiner Familie und dessen Mitarbeitern zu entschuldigen. „Sonst muss ich dahingehen und mich schützend vor die stellen, die jetzt bedroht werden. Und damit würde eine Arbeit, wie ich sie mache, sehr in Frage gestellt.“

Offenbar war sein Appell erfolglos. „Böse E-Mails bekomme ich heute noch, aber entschuldigt hat sich niemand bei mir“, sagte er. Ohnehin sei es in Bad Pyrmont in dieser Hinsicht ruhig. „Die Hetze gegen uns kommt nur von Leuten, die den Tierpark nicht selber kennen.“ Juristisch ist der Fall noch nicht abgeschlossen, aber den Anzeigen gegen ihn sehe er gelassen entgegen, versicherte Kampe. „Was wir gemacht haben, war korrekt. Dafür haben wir sämtliche Befähigungsnachweise und Genehmigungen.“

Auch wirtschaftlich habe man die Folgen zu spüren bekommen. „Im September und Oktober kamen gut 50 Besucher weniger“, berichtete der Tierparkchef. Pläne hat er trotzdem. Dank einer Erbschaft an den Verein für Tier- und Artenschutz – eine Art Förderverein des Tierparks – sei es ihm möglich gewesen, die Dächer der Gehege für die Reptilien und den Kragenbären zu sanieren. Im Fall des Reptilienhauses habe dies 20 000 Euro gekostet. Im Winter werde das Nasenbärgehege umgestaltet, in der Fläche auf das Doppelte vergrößert und mit einem ein Meter hohen Zaun versehen, um einen besseren Blick auf die Tiere zu ermöglichen.

Noch im Planungsstadium ist der Bau eines Geheges für Zwergotter, denn die Finanzierung sei noch offen. „Zwergotter haben wir bislang noch nicht. Die Tiere sind den ganzen Tag über agil und eine Attraktion für Besucher“, begründet Kampe dieses Vorhaben. Auch wann er die behördlichen Auflagen erfüllen kann, zwei Stallungen, die zu nahe an der Emmer stehen, abzureißen und dafür einen neuen Stall zu errichten, wisse er noch nicht. Dabei spielen seiner Auskunft nach Kosten in Höhe von gut 100 000 Euro und Pachtfragen eine Rolle.



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