weather-image
14°
In Bad Pyrmont gibt es wieder eine politische Nachwuchsorganisation / Erneut Kritik an der Kurstadt

Grüne Jugend überrascht „Altherrentruppe“

Bad Pyrmont (uk). Damit hatte der „Alt-Grüne“ Klaus Muchow nicht gerechnet: 15 junge Leute waren der Einladung des Ratsmitgliedes gefolgt, um eine „Grüne Jugend für Bad Pyrmont“ zu gründen. „Ich bin überwältigt“, gestand er, und dem Sprecher des Grünen-Kreisverbandes Hameln-Pyrmont, Karl Möller, verschlug es angesichts des „Andrangs“ im Gasthaus Olympia schlichtweg die Sprache. Und sie waren nicht die einzigen. „Ich bin überrascht, dass es in Bad Pyrmont endlich losgeht“, freute sich der 18-jährige Felix.

veröffentlicht am 04.03.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 19:21 Uhr

Die Sprecher der Grünen Jugend für Bad Pyrmont und Hameln sind v
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Der Protest gegen die Atomkraft und der Einsatz der Partei „Bündnis 90/Die Grünen“ für regenerative Energien und ihre Haltung zur Bildungspolitik vereint die jungen Leute im Alter zwischen 16 und 21 Jahren, die künftig die Pyrmonter Grünen verstärken wollen. Ins Rollen gebracht hat das die 16 Jahre alte Lena Bishara mit einem Anruf bei Klaus Muchow und sich nach der Möglichkeit zur Gründung einer Nachwuchsorganisation erkundigt. Bei Muchow rannte sie offene Türen ein. „Sie hat mich aus einer Winterdepression geholt, denn bislang sind wir hier in Bad Pyrmont eine gediegene Altherrentruppe.“

Für Lena soll das Engagement in der Grünen Jugend der Einstieg in die Politik“ sein, andere wie Jana (17) sehen darin die Möglichkeit, selber etwas zu tun, denn ihrer Meinung nach fehlt es vielen Jugendlichen an Motivation. Fabian (19) will die Nachwuchsorganisation für Information und Organisation nutzen, um gemeinsam etwas zu tun, und Elias (18) will seinen Beitrag leisten, „damit wir nicht zur Fernsehgucker-Gesellschaft verkommen“. Teresa (17) nervt es, wenn Jugendlichen alles egal ist und sie nichts machen und Paul (17) betonte, dass ihm die Menschen und die Natur am Herzen liegen. Sie sind voller Tatendrank und wollen etwas bewegen – und zwar schnell. Vor allen Dingen mit Aktionen wie der Teilnahme an der geplanten Menschenkette gegen Atomkraft in Brunsbüttel Ende April. „Da haben wir wohl mehr Chancen als in der Kommunalpolitik“, mutmaßte der 19-jährige Jonas.

Doch eigentlich geht es ihnen auch um Bad Pyrmont. Nahtlos knüpfte die Diskussion an das Gespräch an, das Mitglieder des Jugendparlaments kürzlich mit Vertretern des Seniorenbeirates geführt hatten und in dem die jungen Leute beklagten, dass sie sich in Bad Pyrmont nur geduldet fühlen (PN vom Dienstag). „Wir gehen alle weg, weil uns hier nichts geboten wird“, so Elias. Zum Beispiel fehlt ihnen ein selbstverwaltetes Jugendzentrum. „Das hat es einmal gegeben und ist von uns allen geschlossen worden“, so Muchow, dessen Erinnerung daran angesichts dessen, was er an diesem Abend hören musste, durchaus selbstkritisch ausfiel.

Was ihn dagegen „zornig“ machte, waren die Erfahrungen einiger der jungen Leute mit dem Gemeinschaftszentrum „Lindenhof“ . „Wir sind dort unerwünscht“, lautete die schlichte Feststellung von Sophia (18). „Der Trägerverein des Lindenhofs ist kein Partyverein“, ärgerte sich Muchow und erinnerte daran, dass das Haus mit Steuergelder renoviert werde und darum allen Pyrmonter – jungen wie alten – zur Verfügung stehen müsse. Die jungen Leute verschwiegen nicht, dass bei der jüngsten Abifeier eine Wand des Lindenhofs in Mitleidenschaft gezogen worden sei, sehen das aber nicht als Grund, allen Jugendlichen zu misstrauen. „Es wäre ein ultimatives Zeichen, wenn man uns einmal vertrauen würde“, so der 20-jährige Marco, und Patrick (21) fügte selbstbewusst hinzu: „Wenn man auf uns aufbaut, dann hat man später auch vernünftige Leute.“

Die Forderung nach einem unabhängigen Jugendzentrum dürfte die erste Aktion sein, der sich die Grüne Jugend widmen wird. Mit einer Unterschriftenaktion und der Hilfe von Klaus Muchow, „denn ohne Geld wird es nicht gehen“, war Felix klar. Dieses Thema, so sagte Muchow zu, wolle er für seine Arbeit im Rat mitnehmen, Thematisieren will er außerdem die Erfahrungen der Jugendlichen mit dem Lindenhof und deren Wunsch nach einem günstigen Tarif für den Nahverkehr im Kreis.

Offiziell soll die neue Nachwuchspartei – zurzeit die einzige in der Kurstadt –„Grüne Jugend für Bad Pyrmont und Hameln“ heißen, weil auch drei Mitglieder aus der Rattenfängerstadt dazustoßen sollen. Zu Sprechern wurden Teresa Grondmann und Marco Hegenberg gewählt, ihre Vertreter sind Lena Bishara und Ronja Maltzahn. Das nächste Treffen soll schon am nächsten Mittwoch um 20 Uhr im katholischen Pfarrheim stattfinden.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare