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Analyse sieht Sanierungsbedarf

Große Wasserverluste im Rohrnetz

LÜGDE. Eigentlich ist das nicht zu verstehen: Die Haushalte in Lügde sparen Wasser und dennoch steigt gerade hier der Wasserpreis ständig, und hat mit 1,95 Euro den höchsten Stand in Lippe überhaupt. Und bis 2030, so haben Experten berechnet, könnte er bis auf 2,42 Euro pro Kubikmeter steigen.

veröffentlicht am 09.08.2017 um 14:28 Uhr
aktualisiert am 09.08.2017 um 16:46 Uhr

Lügdes Wassermeister Dirk Kuchenbecker gibt dem Hochbehälter Humberg, der bereits 1930 gebaut wurde, eine Zukunft in der Wasserversorgung der Kernstadt. Foto: afk
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Achim Krause Reporter
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Im benachbarten Bad Pyrmont liegt der Wasserpreis bei gerade mal 1,55 Euro. Die enormen Wasserverluste von bis zu 21 Prozent sind ein wesentlicher Grund, ermittelte das Fachbüro „Ingenieur Consult“ Bockermann/Fritze aus Enger in einer Analyse.

Zwischen der Fördermenge (sie ist seit 2013 von 556 000 auf 502 000 Kubikmeter u.a. auch aufgrund der geringeren Einwohnerzahl und den steigenden Wasserverlusten gesunken) und der verkauften Wassermenge klafft eine Lücke von ca. 90.000 Kubikmetern. In der Kernstadt hat man den stärksten Wasserverlust mit 21 Prozent (Bundesdurchschnitt 7,6 Prozent) festgestellt, gefolgt von Köterberg mit 17 Prozent und Harzberg 11 Prozent. Erfolgreich waren die Sanierungen der Wasserleitungen in der Südstadt. Nach deren Abschluss 2011 verringerten sich die Verluste von zuvor 80 000 Kubikmeter auf rund 10 000 Kubikmeter (fünf Prozent). „Reale Wasserverluste werden beeinflusst durch die Länge des Rohrnetzes und dessen Struktur, die Anzahl der Hausanschlüsse, die Boden- und klimatischen Verhältnisse“, erklärt Henrik Doht vom Gutachter-Büro. „Deshalb kam dieser eklatante Rückgang auch für uns in diesem Gebiet unerwartet.“ Deshalb sei eine langfristige Sanierungsstrategie zu entwerfen. Bislang wird in Lügde jährlich ein Prozent des Rohrnetzes saniert.

Zumindest die Reduzierung auf zehn Prozent Wasserverluste peilt man auch für das Versorgungsgebiet Kernstadt an. Hier verbraucht jeder Einwohner aber täglich mit 112 Liter Wasser am meisten, vor Harzberg mit 106 Liter, der Südstadt mit 102 Liter und 101 Liter in Köterberg. Deshalb sehen die Gutachter in der Kernstadt auch das größte Optimierungspotenzial.

Ihre Empfehlung deshalb: Einführung und Erweiterung der digitalen Rohrnetzdatenbank, in der Material, Alter, Dimension und dergleichen mehr festgehalten sind. Zudem gelte es, die Verlustmengen weiter zu analysieren – etwa durch detaillierte Auswertung der Wasserstände in den Hochbehältern, eine genaue Aufzeichnung und Erfassung von Schadensbildern.

Bei den Kosten spielt aber auch die in den Brunnen, den Druckerhöhungsanlagen, und sonstiger Technik einzusetzende Energie eine nicht geringe Rolle. Wegen der sehr guten Wasserqualität in allen vier Versorgungsgebieten ist eine Aufbereitung nicht erforderlich. „Oberstes Ziel sollte es sein, die Versorgung mit einwandfreiem hygienischem Wasser sicherzustellen“, betont der Ingenieur und verweist auch auf die Problematik des Bevölkerungsrückganges und dadurch weiter sinkender Wasserverbräuche.

Aber der Gesamtenergieverbrauch ist trotz sinkender Wasserförderungsmenge der Energieverbrauch in jedem Jahr kontinuierlich auf 357 000 kWh pro Jahr angewachsen. Davon entfallen auf die Südstadt 64 Prozent, auf die Kernstadt 29 Prozent. Den größten Energiebedarf hat dabei der Brunnen in Falkenhagen mit 43 Prozent. Hier machen sich vor allem die topografischen Voraussetzungen bemerkbar – es muss viel Wasser über größere Höhendifferenzen gepumpt werden. Alle Versorgungsanlagen arbeiten energieeffizient“, stellt Doht fest, sieht aber das größte Energieeinsparpotenzial in der Pumpstation Südfeld in Harzberg. Nur dessen Anteil am Gesamtenergieverbrauch ist mit 3,1 Prozent vergleichsweise gering.

Feststellung der Gutachter: Beim Energieverbrauch gibt es wenig Einsparpotenzial.

Blieben noch mögliche Veränderungen der Netzstrukturen: In der Kernstadt sei das Hochbehälter-Volumen mit 2200 Kubikmeter zwar ausreichend, aber der älteste, der Hochbehälter Humberg, sei zu klein und müsste „ertüchtigt“ werden, wie das Ingenieurbüro vorschlägt. Hier könnte ein automatischer Bypass Abhilfe schaffen, meinen die Gutachter. Denkbar wäre aber auch eine Versorgung über den Hochbehälter Winzenberg auf Pyrmonter Seite über eine ca. zwei Kilometer lange Transortleitung zum Lügder Hochbehälter Osterberg. Verhandelt wird derzeit mit den Stadtwerken Bad Pyrmont über einen Netzschluss an der Pyrmonter Straße. Mit einem Vertragsabschluss wird in absehbarer Zeit gerechnet.

In der Südstadt und Köterberg könne auch über eine Fremdversorgung vom Hochbehälter Vahlbruch nachgedacht werden bei gleichzeitiger Abschaltung bestehender Fördereranlagen. Der Hochbehälter Harzberg reicht aus, doch bestehe auch die Möglichkeit den Brunnen und die 830 m lange Transportleitung dort stillzulegen Zudem sieht man es als Option an einen Ringschluss Niese-Köterberg-Hummersen zur Erhöhung der Versorgungssicherheit ins Auge zu fassen.



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