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Isabella Rapp und Mathias Weibrich interpretieren Edith Piaf, Marlene Dietrich und Hildegard Knef

Große Gefühle unsterblicher Legenden

BAD PYRMONT. Sie ist eine, von denen sie singt. Sie ist elegant, verletzlich, aggressiv, ordinär, steht ganz oben und fällt ganz tief. Alle Facetten der vielschichtigen Persönlichkeiten von Edith Piaf, Marlene Dietrich und Hildegard Knef durchlebt und erleidet die wunderbare Isabella Rapp am Samstagabend im kleinen Casino-Theater der Pyrmonter Theater Companie.

veröffentlicht am 05.05.2019 um 17:34 Uhr

Isabella Rapp und Mathias Weibrich trugen Lieder von Edith Piaf, Marlene Dietrich und Hildegard Knef vor. Foto: rr
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Autor

Rudi Rudolph Reporter
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Ihr gleichberechtigt zur Seite Mathias Weibrich, der das Piano spielt, als sei er mitten in der damaligen Zeit, temperamentvoll, kontrapunktisch, sensibel auf die Sängerin eingehend und mit ihr immer in charmantem verbalen Dialog. Das selbstbewusste „Milord“ ist der Auftakt, bei dem sie vor der Bühne erscheint, das Publikum umkreist und dann von oben die Zuhörer zum Mitsingen animiert.

„La, la, la“ aus dem Refrain können alle, und wie die Piaf hat Isabella Rapp sofort ihr Publikum in der Hand. Sie ist Edith Piaf, berührt mit biografischen Details. Die kleine und doch große Sängerin wuchs im Bordell ihrer Großmutter auf, hatte eine miserable Kindheit und sang für Geld, um etwas dazuzuverdienen. „Warum singt die Piaf wie sie singt?“ Rapp gibt auf die Frage gleich die Antwort, nämlich „aus Rache für die Kindheit.“ Ein wenig Biografie schwingt in dem „L’Accordéoniste“ aus dem Jahr 1940 mit, wo beschrieben wird, wie eine Prostituierte ihren Akkordeon spielenden Liebsten durch den Krieg verliert und in einem Aufschrei verzweifelt. Hauchzart und doch mit der Piaf-eigenen Kraft von Isabella Rapp interpretiert. „La vie en rose“ und vor allem „Non, je ne regrette rien“ illustrieren das Vollgas-Leben.

„Ich habe Hängebrüste und einen flachen Hintern und kriege die Männer trotzdem“ postulierte die 1964 Verstorbene, die Männer bekam, wie sie wollte, und Männer verlor, die sie liebte. Ein rasantes Auf und Ab, das mit der feschen Lola auch in dem Wechsel von Piaf auf Marlene Dietrich sichtbar wurde.

Diese urpreußische Diva, Femme fatale, polyamourös und von gelangweilter Eleganz, beschreiben die Chansons „Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre“ und „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ recht genau. Der Song „Ich bin die fesche Lola“ aus dem Film „Der blaue Engel“ ist nur ein Streiflicht, das Isabella Rapp nicht überbewertet, doch nahm der Regisseur Joseph von Sternberg Dietrich danach mit in die USA, wo sie die amerikanische Staatsbürgerschaft annahm.

Dazu gehört natürlich auch das große Lied „Lili Marleen“ und das nicht weniger ergreifende und mit lässigem Timbre vorgetragene „Ne quite pas“, „bitte, geh‘ nicht fort“, nach dem sich Isabelle Rapp zunächst erst wieder sammeln muss. Das geht richtig an die Nieren und beeindruckt das Publikum kolossal.

Die ebenso wechselhafte Biografie der Hildegard Knef illustriert Rapp schon im Wechsel der Garderobe vom vorherigen Schwarz-Weiß zu Wildledermantel und großer Sonnenbrille. Und die in lässigem Berliner Slang gesungenen Lieder der sozialkritischen Politpoetin Knef, die über den Erhalt ihrer Fitness gesagt hatte „Ich laufe jeden Tag Amok,“ entzücken das wiederum mitsingende Publikum erneut. Die Jacques Brel-Vertonung „Heute Nacht, Amsterdam“, eindringlich und intensiv, oder das obligatorische „Ich hab‘ noch einen Koffer in Berlin“ sind Highlights in der Performance von Isabella Rapp und Mathias Weibrich.

Ein Abend, der eine „Chansonmanie“ auslösen kann, begeisterte er doch ein anspruchsvolles Publikum – vom ersten bis zum letzten Ton – und mit einer ausgewogenen und sehr unterhaltsamen Moderation und Überleitung zwischen den Liedern. Großes Kompliment an die beiden Akteure.



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