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Über 3000 Euro Schadenersatz

Großbrauerei Krombacher gegen kleinen Pyrmonter Verein

BAD PYRMONT / KREUZTAL. Der SV Pyrmonter Bergdörfer ist arm dran. Schlimm genug, dass er seine Fußball-Herren mangels Masse kurz vor Saisonstart aus dem Spielbetrieb der 3. Kreisklasse abmelden musste. Jetzt schmeckt den Kickern auch das Bier nicht mehr. Aus gutem Grund: Die Brauerei Krombacher macht ihm mächtig Ärger.

veröffentlicht am 29.08.2017 um 21:02 Uhr

SV-Platzwart Gerd Brehm wischt über die teure Theke. Viel Betrieb herrscht nicht im Sportheim des kleinen Bergdörfer-Vereins. Umso frustrierter sind die Sportler um den Vorsitzenden Christian Walter über die Konsequenzen aus dem ambitionierten Liefer
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Weil im Sportheim nicht genug Fassbier konsumiert wird und der SV somit die Mindestabnahmemenge aus einem Liefervertrag mit Krombacher nicht erfüllt, hat die Brauerei den kleinen Verein verklagt – und vor Gericht gewonnen. Der – inklusive Kinder und Alte – gerade noch rund 120 Mitglieder zählende SV soll nun auf einen Schlag 3047,36 Euro Schadenersatz zahlen, Gerichts- und Anwaltskosten inklusive. Fair klingt das nicht.

Christian Walter, seit 2012 SV-Vorsitzender, spricht nicht gern über die Folgen aus dem 2010 abgeschlossenen und 2012 überarbeiteten Kontrakt mit Krombacher. Aber auf Anfrage bestätigt er die unangenehme Geschichte. „Neulich stand der Gerichtsvollzieher bei mir vor der Tür und wollte pfänden“, sagt Walter. „Doch dann haben wir uns auf Raten über 160 Euro monatlich geeinigt.“ Das sei praktikabler für die Kostenplanung des Vereins. „Die erste Zahlung habe ich gleich angewiesen.“ Doch den Brauerei-Anwälten reichte das nicht: „Sie wollen das ganze Geld sofort auf einmal.“

Der Verein sei aber nicht pleite, betont Walter, frei nach dem auf der SV-Homepage verkündeten Motto: „Totgesagte leben länger!“. Das stammt aus der Zeit vor etwa zehn Jahren. Damals hatte ein Kurzzeit-Vorsitzender Geld veruntreut, was dem SV finanziell mächtig zusetzte.

Doch wie kam es überhaupt zu dem Knebelvertrag zwischen Verein und Brauerei? „2010 fragte unser damaliger Vorstand einen Getränkehändler in Lippe, ob es die Chance gebe, eine Theke zu bekommen.“ Die für das gerade generalüberholte Vereinsheim zu kaufen, fehlte das Geld. Daraufhin, so ließ sich der heutige SV-Chef von der alten Vereinsspitze erzählen, stellte der Lieferant den Kontakt zur Brauerei her. Und die willigte ein. Bedingung: ein Liefervertrag über 30 Hektoliter Fassbier pro Jahr. Die Bedenken des Vorstands, der SV könne keine 3000 Liter im Jahr konsumieren, habe der Brauerei-Vertreter zerstreut. Die Menge stehe zwar im Vertrag. Das Bier müsse aber nicht abgenommen werden, und auch Flaschenbier zähle mit. Deshalb habe der alte Vorstand eingewilligt.

Als Christian Walter dann 2012 zum Frontmann gewählt wurde, „informierte uns Krombacher, dass wie unsere Umsätze nicht erreichen“ – was auch ihm schnell klargeworden sei. „Wir konnten höchstens ein Drittel der Menge abnehmen“, sagt Walter. Zumal bei Spielen meist Flaschenbier ausgeschenkt werde. Sowohl, weil das Zapfen anspruchsvoller sei, als auch aus Sicherheitsgründen und weil ein geöffnetes Bierfass nicht beliebig lange stehen könne.

Damals habe er der Brauerei mitgeteilt, dass er den Vertrag für nichtig halte und sie aufgefordert, die Theke abzubauen. Das habe Krombacher jedoch mit Verweis auf den Wertverlust der ursprünglich mit rund 3000 Euro Wert angesetzten Theke verweigert.

Deshalb habe er sich schließlich auf eine Vertragsänderung eingelassen: „Seitdem müssen wir 50 Euro monatlich für die Theke zahlen, und die Abnahmeverpflichtung wurde auf 1500 Liter gesenkt“, erklärt Walter. Weil ihm auch diese Menge zu hoch erschienen sei, „hieß es, das stehe nur auf dem Papier, als eine Art interne Zielvorgabe. Unser Lieferant würde andere Feste so abrechnen, dass die Summe herauskomme. Das würde schon passen“.

Doch dann übergab der alte Lieferant seinen Betrieb an jemand anderen, der Verein kochte zunehmend auf Sparflamme, die Sport-Werbewochen waren passé – und irgendwann passte gar nichts mehr: „Als wir auch die 1500 Liter nicht schafften, wollten sie pro Hektoliter (100 Liter) nicht abgenommenen Biers 66 Euro. Dann haben sie uns auf Schadenersatz verklagt.“

Pech für den Verein: „Wir konnten die mündliche Absprache vor Gericht nicht beweisen“, sagt Walter. Deshalb muss der kleine Verein der großen Brauerei nun Schadenersatz zahlen. Und: bis 2019 weiterhin jährlich 1500 Liter Bier abnehmen, um sein Soll zu erfüllen. Ohne Herren-Team im Spielbetrieb ist das derzeit illusorisch. Seine lang gehegte Hoffnung auf eine einvernehmliche Lösung hat Walter seit dem letzten Anwaltsbrief fast begraben.

Doch warum lässt sich die Premium-Brauerei (Umsatz 2016: 745,3 Millionen Euro) nicht wenigstens auf eine Ratenzahlung ein? „Der Verein hat Fremdbier ausgeschenkt“, sagt Krombacher-Sprecher Dr. Franz-J. Weihrauch auf Anfrage. Das habe der Getränkelieferant ermittelt. An eine Stundung des Schadenersatzes sei deshalb nicht gedacht.

„Stimmt nicht“, sagt SV-Chef Walter. Ein paar Kästen Fremdbier, die der neue Lieferant irgendwann im Leergut-Raum entdeckt habe, hätten Gastmannschaften mitgebracht. „Hätten wir deren Leergut vielleicht wegwerfen sollen?!“, fragt der SV-Chef und kann die Schlussfolgerung des Lieferanten nur kopfschüttelnd kommentieren: „Wenn wir etwas anderes trinken würden als Krombacher, wären wir ja bescheuert.“



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