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Teil 1: Von Bränden, Bauern und Badegästen

Graf Georg Friedrich von Waldeck und sein Wirken für Pyrmont

In seine Regierungszeit fällt der berühmte Fürstensommer in Pyrmont, der Ausbau der ersten Kuranlagen, die Errichtung von Logierhäusern für die Badegäste sowie die Modernisierung der inneren Verwaltung – die Grafschaft Pyrmont hat unter Graf Georg Friedrich von Waldeck erhebliche Veränderungen erlebt. Ein Überblick in zwei Teilen.

veröffentlicht am 09.02.2019 um 08:00 Uhr

Die historische Ansicht zeigt die Pyrmonter Hauptallee um 1780. Foto: Archiv

Autor:

Wolfgang Warnecke
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Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges kamen unter dem Haus Waldeck auf die Bewohner der Grafschaft Pyrmont entscheidende Veränderungen und Erneuerungen zu. Graf Georg Friedrich von Waldeck und Pyrmont (1620-1692), der 1682 von Kaiser Leopold I. als Fürst zu Waldeck in den Reichsfürstenstand erhoben wurde, begann bereits in den Fünfzigerjahren des 17. Jahrhunderts unter seinem hochrangigen Kanzler Johann Viètor die innere Verwaltung zu modernisieren und zu reformieren. Gleichzeitig wurde auch der bäuerliche Grundbesitz grundlegend neu geordnet. Diese steuerlichen Maßnahmen der gräflichen Herrschaft wirkten sich auch maßgeblich auf die etwa 100 Kilometer entfernt liegende Grafschaft Pyrmont aus.

Die Convention der Dienstgeldrechnung von 1650 stellte eine der neuen Steuerarten in den Amtsrechnungen des Hauses Pyrmont dar, die neben den Dorfbewohnern des Pyrmonter Tales auch die Bauern in der „Oberen Grafschaft“ in den fünf Pyrmonter Bergdörfern zu leisten hatten. Seit 1598 waren die „Dörfer auf dem Berge“ Baarsen, Eichenborn, Großenberg, Kleinenberg und Neersen endgültig fester Bestandteil Pyrmonts. Das Dienstgeld entsprach der noch aus dem Mittelalter stammenden herrschaftlichen Dienstpflicht in Form von Fuhr- sowie Hand- und Spanndiensten. Am 14. November 1668 vernichtete „eine plötzliche und unvorhergesehene Feuersbrunst“ elf von insgesamt 37 Wohnhäusern in Großenberg. Etwa zwei Wochen später, am 2. Dezember, verordnete Graf Georg Friedrich zu Waldeck den Wiederaufbau der beinahe zu einem Drittel vernichteten Ortschaft und die Zuweisung von kostenlosem Bauholz an die brandgeschädigten Bewohner. Neben einer Zahlung von 20 Talern an „Sämptlichen Unterthanen uffm Großen Berge“ wurde den Geschädigten jeweils die Hälfte ihres zu zahlenden Dienst- und Pachtgeldes sowie der Contribution von gräflicher Seite erlassen. Gleiches gilt für Baarsen, als am 6. Mai 1676 ein Großfeuer mindestens fünf Höfe zerstörte und die gräfliche Herrschaft wiederum die Geschädigten gleichermaßen unterstützte.

Für die Verwaltung der Grafschaft Pyrmont war seit dem 11. Juni 1664 bis zu Beginn des Jahres 1693 Henrich Ortgies als Amtmann verantwortlich. Unterstützt wurde er von Bernhard Judenhertzog, der als Amtsschreiber und später auch als Rentmeister die zweithöchste Position in der gräflichen Verwaltung bekleidete. Die Oberaufsicht führte „Cammerrath“ David Waldschmidt in der gräflichen Kanzlei im Waldecker Land. Die Rangordnung in der Verwaltung spiegelt die „Geld- und Kornrechnung des Hauses Pyrmont von Michaelis 1676 bis 1677“ wider, in der „dem herrschaftlichen Cammerrath Waldschmit 107 Thlr., dem Ambtmann Henrich Ortgiesen 60 Thlr. und dem Ambtschreiber Bernhard Judenhertzog 40 Thlr.“ als jährliches Gehalt ausgezahlt wurden.

2 Bilder
Graf Georg Friedrich von Waldeck und Pyrmont ließ die historische Hauptallee in Pyrmont anlegen. Museum im Schloss Bad Pyrmont

Die beiden bedeutenden gräflichen Beamten Henrich Ortgies und Bernhard Judenhertzog waren in dieser Zeit von ihrem Landesherrn Graf Georg Friedrich in Pyrmont mit besonders intensiven und verantwortungsvollen Aufgaben betraut. In ihrer Amtszeit wurde im Frühjahr 1668 der Pyrmonter Hauptvergleich zwischen dem Haus Waldeck und dem Bistum Paderborn geschlossen, durch den ein jahrhundertelanger Erbstreit um die Grafschaft Pyrmont endgültig beendet werden konnte. So war der Hauptvergleich auch der Ausgangspunkt zum planmäßigen Ausbau Pyrmonts zu einem der bekanntesten Kur- und Badeorte Europas, der von einer Vielzahl von berühmten Badegästen aus Adel und Bürgertum besucht wurde. Eine der ersten weitsichtigen Maßnahmen Waldecks unter der Regie Georg Friedrichs war der planmäßige Aufbau der ersten Kuranlagen. Neben dem Neubau eines großzügigen achteckigen barocken Brunnentempels über dem Hylligen Born konnte gleichzeitig die Hauptallee als „Spatziergang“ für die Kur- und Badegäste zum Brunnentrinken, aber auch zum Flanieren und Verweilen, verwirklicht werden. Zudem entstanden an der heutigen Brunnenstraße nach 1676 erstklassige und komfortable Logierhäuser, um den vornehmen Kur- und Badegästen angemessene Unterkunftsmöglichkeiten in direkter Nähe zum Brunnenplatz zu bieten. Ferner zählten auch die Vor- und Nacharbeiten des berühmten Pyrmonter Fürstensommers von 1681, der ersten „glanzvollen Kursaison“ Pyrmonts, zu den Aufgaben der beiden gräflichen Verwaltungsbeamten.

Eine Vertragsbedingung des Hauptvergleichs zwischen dem Haus Waldeck und dem Bischof Ferdinand von Fürstenberg war, dass für das Hochstift Paderborn als Eventualerben ein Erbregister in Form eines Inventariums angelegt werden sollte. Dieser Erbfall würde dann eintreten, wenn das Waldecker Grafenhaus im Mannesstamm aussterben sollte. Graf Georg Friedrich verfügte hierfür die Anfertigung eines Salbuches für die Grafschaft Pyrmont. Hierbei handelte es sich um eine Art Grund-, Lager- oder Hausbuch, in dem die Besitzverhältnisse und Ländereien, aber auch Abgaben und Belastungen der Bauern in den einzelnen zehn Dörfern der Grafschaft beschrieben wurden. Die Aufnahme des Salbuches führte Amtmann Henrich Ortgies durch, das er relativ schnell in den Jahren 1669 bis 1673 abarbeiten konnte und alle Bauern der Grafschaft „aufs Amt“ nach Oesdorf zitierte, um ihre mündlichen Angaben des Besitzstandes aufzunehmen. Heute zählen die Salbücher zu den bedeutendsten Grund- und Katasterwerken der Grafschaft Pyrmont aus dem 17. Jahrhundert und werden im Stadtarchiv Bad Pyrmont aufbewahrt.



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