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Franz-Josef Mund engagiert sich auf dem Holzhäuser Friedhof als Bienengartenpate

Gräber als Bienengärten

BAD PYRMONT. Franz-Josef Mund bringt Bienen auf Friedhöfe. Der Inhaber der Gärtnerei Jiru-Adam hat damit eine Anregung der Treuhandstelle für Dauergrabpflege in Niedersachsen umgesetzt. Weil immer weniger Platz auf Friedhöfen gebraucht würde, können diese für eine bienenfreundliche Bepflanzung genutzt werden. Auch die Stadt unterstützt das Vorhaben.

veröffentlicht am 23.04.2019 um 17:05 Uhr

Marco Löhrke hat das Grab seiner Familie bienenfreundlich bepflanzt und umgestaltet. Eine Vogeltränke hat er bei der Gelegenheit gleich mit aufgestellt. Foto: uk
Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
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Wenn Franz-Josef Mund auf Bienen zu sprechen kommt, dann ist seine Begeisterung für das Thema zu spüren. Er hat sich Gedanken gemacht, was man für die blütenbesuchenden Insekten tun kann. Mund engagiert sich seit diesem Frühjahr als „Bienengartenpate“ auf dem Holzhäuser Friedhof.

Der Inhaber der Gärtnerei Jiru-Adam hat eine Anregung der Treuhandstelle für Dauergrabpflege in Niedersachsen umgesetzt, die anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens vorgeschlagen hatte, Bienengärten auf Friedhöfe zu bringen. „Der Bedarf an Flächen nimmt ab, nicht zuletzt auch deshalb, weil es immer mehr Urnengräber gibt“, erklärt er. Bei der Stadt sei er mit seinem Anliegen auf viel Verständnis gestoßen. Die stelle nicht mehr benötigte Flächen zur Verfügung, damit sie bienengerecht bepflanzt werden können.

„Die Treuhandstelle hat einen Imker damit beauftragt, Listen mit geeigneten Pflanzen zusammenzustellen, und ich habe vier Gräber auf meine Kosten auf dem Holzhäuser Friedhof bepflanzt“, erzählt er. Für drei dieser Gräber habe er für die nächsten fünf Jahre die Patenschaften übernommen.

Marco Löhrke hat das Grab seiner Familie bienenfreundlich bepflanzt und umgestaltet. Eine Vogeltränke hat er bei der Gelegenheit gleich mit aufgestellt. Foto: uk

Ihm angeschlossen hat sich Holzhausens Friedhofsgärtner Marco Löhrke, der sein Familiengrab bienenfreundlich gestaltet hat. Weil er einmal dabei war, hat er eine Vogeltränke und ein kleines Behältnis aus Lehm aufgestellt, an dem sich die Bienen auslassen sollen. „Mal sehen, ob es funktioniert“, meint er. Außerdem steht auf dem Grab ein Eichenstamm mit unterschiedlichen Löchern als Bienenhotel aufgebaut, so wie auf jedem der bisher vier Bienengärtengräbern.

Ich habe vier Gräber auf meine Kosten auf dem Holzhäuser Friedhof bepflanzt.

Franz-Josef Mund, Bienengartenpate

„Pate kann jeder werden, egal ob Gärtner, ihre Kunden oder Institutionen“, erläutert Mund, der seines Wissens nach der erste Pate dieser Art in Bad Pyrmont war. Natürlich ist das für ihn als Friedhofsgärtner auch geschäftlich interessant, wenn er die Anlage und die Pflege eines Grabes als Bienengarten übernehmen kann. Gut 300 Euro kostet so ein auf fünf Jahre angelegter Vertrag pro Jahr. Doch die Pflege könne auch jeder selber übernehmen, betont er – nicht ohne darauf hinzuweisen, dass man sich schon immer wieder darum kümmern müsse, wolle man „die Bienen bei Laune halten“.

Das Bienen-Projekt ist auch deshalb bei Mund auf offene Ohren gestoßen, weil er sich schon vorher um die Lebensbedingungen der Bienen Sorgen gemacht hat. „Wo sollen sie denn noch hin“, meint er unter Verweis auf die landwirtschaftlichen Flächen ringsum Bad Pyrmont, von denen viele mit dem Unkrautvernichter Glyphosat behandelt würden. Es ermöglicht Landwirten hohe Erträge und erleichtert die Arbeit. Etwa 40 Prozent der Ackerflächen in Deutschland werden mit Glyphosat behandelt. Gegner machen es unter anderem für das Sterben blütenbesuchender Insekten verantwortlich.

„Wenn die Biene von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch 4 Jahre zu leben“, zitiert Mund ein Albert Einstein zugeschriebenes Zitat, um die Bedeutung der kleinen Insekten für das ökologische Gleichgewicht und seine Motivation deutlich zu machen, denn die Biene sorgen für die Bestäubung von 80 Prozent aller Nutzpflanzen. Deshalb seien alle Anstrengungen, Wild- oder Honigbienen zu fördern, ein probates Mittel zur Erhaltung der Kulturlandschaft.

Mund weiß mittlerweile sehr viel über Bienen, und kann viele Fragen beantworten. Etwa die von Sandra Webel-Schrader. Sie und ihr Mann haben sich dafür entschieden, Bienengartenpaten zu werden. „Ich finde die Idee super, die Fläche dafür zu nutzen“, erklärt sie. „Die Problematik ist mir schon lange bekannt und das ist mal was anderes, auch optisch. Sinnvoll ist es auf jeden Fall.“ Grundsätzlich kommen Stauden und Gräser zum Einsätzer. Welche das sind, das hängt davon ab, ob der Standort sonnig, schattig oder halbschattig ist.

Seit an jedem der Gräber ein Schild steht und darüber informiert, was es mit der besonderen Bepflanzung und den Eichenstämmen auf sich hat, gebe es immer mehr Anfragen, berichtet Mund, der glaubt, dass das Interesse daran weiter zunehmen werde. „Vielleicht ja auch auf den anderen Friedhöfen in Bad Pyrmont. Das wäre schön.“ Auf jeden Fall würde das in die aktuellen Bemühungen des Pyrmonter Naturschutzbundes und der Stadt passen, ein Bienenbündnis zu gründen.



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