weather-image
17°
Frau Bruns und die Theatercompanie

Glücklich mit Gotteslohn statt Gage

BAD PYRMONT. Sie steht nicht auf der Bühne. Aber ohne sie hätten die Schauspieler es schwer: Margarete Bruns kümmert sich ehrenamtlich als Produktionsassistentin um die Pyrmonter Theater Companie.

veröffentlicht am 11.08.2017 um 18:03 Uhr
aktualisiert am 11.08.2017 um 22:30 Uhr

Margarete Bruns in ihrem Element im Musentempel: Foto: hei
Avatar2

Autor

Karin Heininger Reporterin
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

BAD PYRMONT. Immer, wenn Jörg Schade bei seiner umfangreichen Regietätigkeit zum „Diener zweier Herren“ zwischen Szenenaufbau, Dialogen und Requisiten ins Stocken gerät und ins Grübeln kommt, wendet er sich ratsuchend an seine Produktions-Assistentin: „Margarete, wie war das noch mal?“

Und Margarete Bruns weiß Bescheid. Sie hält alles akribisch in ihrem Laptop fest. Ob Hauptdarsteller Thilo Prothmann von rechts oder links auftritt, wann die Küchenklappe im Gasthaus auf- oder zugeht und in welcher Reihenfolge die Wäschestücke von la mama auf die Leine gehängt werden – nichts bleibt dem Zufall überlassen, wenn es erst einmal im Laptop verewigt ist.

Schließlich war Margarete Bruns (63) viele Jahre im Lehrberuf tätig, seit 1984 an der Herderschule und dort auch als Unesco-Koordinatorin. Da gehört sorgfältiges Arbeiten quasi zum Job. Inzwischen hat die Pyrmonterin die Schule mit dem Musentempel der Pyrmonter Theater Companie getauscht, ehrenamtlich und mit der gleichen Leidenschaft, mit der sie Pädagogin war. „Interessiert hat mich das Theater schon immer, aber es war doch eine fremde Welt für mich“, verrät Margarete Bruns. Als dann 1999 der Schauspieler Robert Eder vom Ohnsorgtheater Hamburg im „Bürger als Edelmann“ auf der Schlosshofbühne stand und bei Familie Bruns in der Ferienwohnung logierte, wurde das Interesse intensiver.

Als Mitglied und bald auch zweite Vorsitzende im Förderverein der Companie half Margarete dem Ensemble, wo sie gebraucht wurde. Sie machte den Einlass, klebte Plakate, transportierte Requisiten und steuerte auch bald Sachen aus dem eigenen Haushalt zur Aufführung bei. „Handtücher, Kehrbesen, die Regenjacke meines Sohnes und die Armbanduhr meines Vaters – alles das und noch viel mehr hat schon einmal mitgespielt“, erinnert sich Bruns schmunzelnd.

Mit der „Gänsehaut“-Revue und dem „Damensalon“ ging es dann richtig ans Eingemachte: Margarete Bruns wurde auch offiziell zur Produktionsassistentin erklärt. Das bedeutet jede Menge Arbeit: Wochenlange Probenzeit, auch sonntags, und gemeinsam mit Theaterleiter Jörg Schade einen Probenplan aufstellen. „Das ist ungefähr genauso schwierig wie der Stundenplan in der Schule. Denn einige Schauspieler sind noch in laufenden Verpflichtungen und haben Sperrtermine“, sagt die Pyrmonterin.

Und auch organisatorisch ist einiges zu bewältigen. Alle Darsteller müssen in Ferienwohnungen untergebracht werden, und auch beim Casting neuer Ensemble-Mitglieder ist sie dabei. Bei den Proben wird jede Regieanweisung notiert, zu Anfang auf Papier, inzwischen im Laptop. Und es gibt eine ganz spezielle Aufgabe: „Zwischen den Aufführungen bringe ich die verschmutzten und durchgeschwitzten Kostüme zur Reinigung. Schwierig war es mit den Elfenkostümen im ,Sommernachtstraum’. Da habe ich jedes einzeln mit der Hand gewaschen, weil sie so empfindlich sind.“ Und das alles ehrenamtlich, denn eine Gage möchte Margarete Bruns nicht: „Es ist mein Hobby.“

Zu jeder Aufführung bringt sie ihre Notfallkiste mit: Pflaster, Schere, Sicherheitsnadeln und auch schon mal ein Leckerli für verletzte Künstlerseelen. Nervös ist sie vor jeder Premiere, aber sie teilt dann auch das Glücksgefühl mit den Schauspielern, wenn alles gelingt. „Das Vertrauen zwischen dem Ensemble und mir ist sehr gewachsen. Ich bekomme viel zurück, und es ist schön, wenn man gebraucht wird“, sagt sie. Auch ihr Mann habe Verständnis für das zeitaufwendige Hobby, versichert Margarete Bruns: „Er steht hinter mir und sieht, dass mich diese Tätigkeit glücklich macht.“

Anfangs absolvierte die Lehrerin noch ihre Aufgaben in der Schule, in Alters-Teilzeit morgens von 8 bis 10 Uhr, danach folgten die Proben. Doch am 31. Juli wurde Margarete Bruns endgültig pensioniert. Und dass ihr dieser Abschied dann doch zusetzte, spürten auch die Künstler. „Die haben so reagiert, dass ich noch heute eine Gänsehaut bekomme. Sie nahmen mich einfach in ihre Mitte und sagten: ,Du hast jetzt zwar die eine Familie verlassen, aber du hast hier bei uns eine neue Familie.‘“

Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare