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Weltklassik am Klavier: Johann Blanchard spielt Bizet, Debussy und Chaminade statt Beethoven

Glanzvolle Alternativen

BAD PYRMONT. Die anfänglichen Irritationen legten sich im kleinen Saal des Konzerthauses am Samstag recht schnell, war doch ursprünglich ein Beethoven-Nachmittag angekündigt gewesen, und nun sollte es ein Programm mit Bizet, Debussy und der weitgehend in Vergessenheit geratenen Cecile Chaminade geben.

veröffentlicht am 10.04.2017 um 09:56 Uhr

Johann Blanchard am Blüthner-Flügel im kleinen Saal des Pyrmonter Konzerthauses. Foto: rr
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Autor

Rudi Rudolph Reporter
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Doch was der gerade 29-jährige Johann Blanchard dann am Blüthner-Flügel präsentierte, lohnte die Anwesenheit unbedingt.

Der Einstieg über die „Chants du Rhin“ von Georges Bizet ließ das Publikum in die gefälligen und harmonischen Läufe der Romantik ins Träumen geraten. Die Lieder über den Rhein erinnerten, so Johann Banchard, eher an eine Reise nach Paris. Von der Morgenröte, „L’aurore“ ging es über die Abreise und den Satz „Träume“ (Les Reves) mit „La Bohemienne“ in das Pariser Künstlermilieu bis hin zur Rückkehr (Le Retour). Manchmal streichelte Blanchard die Tasten, manchmal stieg sein Vortrag zu vehementen, wuchtigen Passagen empor, so als würden sich vor dem inneren Auge die Bilder dieser Reise formen.

Als Bindeglied zwischen Romantik und Impressionismus waren vier Stücke aus dem ersten Buch der Preludes von Claude Debussy gedacht. In „Ca qu’a vu le vent d’ouest“, „La sérénade interrompue“, „La cathédrale engloutie“ und „La danse du Puck“ demonstrierte Blanchard, wie Debussy „nach 23 Jahren Komponierens die Nase voll hat und kraftvoll aus dem romantischen Gefühl ausbricht.“ Hier zeigen sich die ersten Anzeichen des impressionistischen Stils, und trotz einer nur relativ kurzen Länge sind die Preludes doch zu Debussys Hauptwerk zu rechnen. Der voll besetzte Saal geizte nicht mit Applaus, zumal sich der Pianist sowohl technisch als auch emotional und empathisch auf absolut hohem Niveau bewegte.

Die drei Stücke der französischen Komponistin und Pianistin Cecile Chaminade (1857 - 1944) waren dann ebenfalls echte Leckerbissen. Nachdem ihr Schaffen mitüber 400 Werken, darunter mehr als 200 Klavierstücke und 150 Lieder, nahezu vergessen war, setzt allmählich wieder eine gewisse Chaminade-Renaissance ein. In großer Sensibilität gelang Blanchard eine höchst sensible Interpretation der „Tristesse op. 104“, sehr frühlingshaft und leicht dann das „Automne op. 35“ und mit großer Intensität die „Sonate c-Moll op. 21“. Mit „Les Sylvains D-Dur op. 60“ setzte der brillante Pianist einen rasanten Schlusspunkt hinter einen Nachmittag voller berührender Eindrücke.

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