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Quäker aus verschiedenen Ländern kommen in Bad Pyrmont zusammen

Gespräche über Zukunftsthemen

veröffentlicht am 05.11.2017 um 17:03 Uhr
aktualisiert am 05.11.2017 um 21:30 Uhr

Bei der Jahresversammlung der Quäker trifft die Sprecherin für die deutschen und österreichischen Quäker, Dr. Ulrike Bechtel aus Dillingen, auf Paul Parker, Generalsekretär der „Religiösen Gesellschaft der Freunde“ aus England. Foto: hei
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Karin Heininger Reporterin
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BAD PYRMONT. Seine Mutter war gläubige Baptistin, sein Vater völlig ohne irgendeine Religion. Doch die Atmosphäre im Elternhaus von Paul Parker war, wie der Brite sagt, geprägt von Offenheit, Toleranz und Gedankenfreiheit – eine „hervorragende Vorbereitung für ein Leben unter den Quäkern“, schildert Parker, Generalsekretär der „Religiösen Gesellschaft der Freunde“ aus England, seinen Werdegang auf der Jahresversammlung im Quäkerhaus in der Bombergallee.

Nicht nur die Vertreter deutscher Heilbäder, sondern auch 250 Quäker aus der Schweiz, Österreich, den Niederlanden, England, Polen, Tschechien und Deutschland waren in den vergangenen Tagen zu Gast in Bad Pyrmont. Erfahrene Teilnehmer, die schon oft hier waren, junge Mitglieder und Familien mit Kindern, aber auch „Freunde der Freunde“ – also Menschen, die sich mit dem Glauben und der einfachen Lebensweise der Religionsgemeinschaft vertraut machen und eventuell Mitglied werden möchten.

Das geht, wenn die Mitglieder der Jahresversammlung überzeugt sind, ohne eine große Zeremonie. Denn Rituale oder eine Hierarchie sind den Quäkern fremd. Kein Papst oder Bischof, kein Pfarrer steht über ihnen, keine kirchlichen Gebote schreiben ihnen vor, wie sie zu leben haben, und kein noch so gewichtiges Wort ist ihnen, wie sie versichern, so viel wert wie die gemeinsame Stille bei ihren Andachten.

„In der Überzeugung, dass jeder Mensch die gleiche Nähe zu Gott haben kann und alle gleichwertig sind, gibt es bei uns keine studierten Theologen, keinen ‚Mittelsmann‘ zu Gott“, erläutert Dr. Ulrike Bechtel, eine Ärztin aus Dillingen, die von der Versammlung für die nächsten sechs Jahre zur Sprecherin für die deutschen und österreichischen Quäker gewählt wurde. Stille Andachten, bei denen gemeinsam geschwiegen wird, aber auch praktisch jeder Teilnehmer das Wort ergreifen kann und frei formulierte Gebete gesprochen werden, gab es bei dieser Versammlung ebenfalls.

Doch es wurden auch konkrete Themen behandelt, und unter anderem ging es dabei um die Zukunft des Quäkerhauses in der Bombergalle. Das über 200 Jahre alte Gebäude, eins der wichtigen Zentren und eine eigene Immobilie der deutschen Religiösen Gesellschaft der Freunde, müsse nicht nur renoviert werden, wie Dr. Bechtel erklärt, sondern es biete bis jetzt auch keine Möglichkeit der Unterbringung, sodass stets fremde Quartiere für die Teilnehmer gebucht werden. „Unser Ziel ist es, noch mehr Seminare nach Bad Pyrmont zu holen, aber dafür brauchen wir ein neues Konzept, eventuell in Kooperation mit dem Staatsbad“, so die Sprecherin. Die Pläne seien allerdings noch ganz am Anfang.

Weltweit gibt es 500 000 Quäker, doch in Deutschland nur 245. Nachwuchs wird also dringend gebraucht, wie Ulrike Bechtel einräumt. „Darum müssen wir uns in der Zukunft verstärkt kümmern. Und es gibt genug Themen, die heute auch junge Menschen fordern und für die sich die Quäker einsetzen. Dazu gehören Klimawandel und die Sorge um den Frieden in der Welt“, betont sie.

Wie sehr sich die Quäker, die seit jeher den Kriegsdienst verweigerten und 1947 den Friedensnobelpreis bekommen haben, auch heute noch auf mannigfaltige Weise für Frieden engagieren, erläutert Paul Parker im Gespräch: „Die Quäkerhilfe-Stiftung ist weltweit in Krisengebieten im Einsatz, plant Aktionen und hat feste Büros unter anderem in Kenia. Und jetzt auf dieser Tagung war das Atomwaffenlager der US-Armee im rheinland-pfälzischen Büchel ein ganz konkretes Thema“.


Die Andachten im Pyrmonter Quäkerhaus, Bombergallee 9, sind jeweils am 1. und 3. Sonntag im Monat um 10 Uhr und offen für alle Interessenten.

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