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Was den Audioguide des Pyrmonter Museums im Schloss so besonders macht

Geschichten, die beim Hören fesseln

BAD PYRMONT. In vielen Museen sind Audioguides längst etablierte Requisiten. Besucher mit wenig Lust zum Lesen können per Kopfhörer allerlei mehr oder weniger Wissenswertes konsumieren, das allerdings nicht zwangsläufig spannend aufbereitet ist. Bad Pyrmont macht da einen ganz gewaltigen Unterschied.

veröffentlicht am 28.08.2021 um 08:00 Uhr

Juliane Lehmann

Autor

Reporterin (Pyrmonter Nachrichten) zur Autorenseite

Im Museum im Schloss gibt‘s jetzt nämlich was auf die Ohren, das deutlich hörenswerter ist als übliche Produktionen von der Stange. Wer mag, kann sich an der Kasse einen von 20 Audioguides gratis ausleihen und die Dauerausstellung „Stadt- und und Badgeschichte“, aber auch Historisches und Histörchen dahinter ganz neu kennenlernen.

Passend und ergänzend zu den unterschiedlichen Epochen und Exponaten entführen insgesamt 38 Tracks in längst vergangene Zeiten. Und zwar: spannend, unterhaltsam, lehrreich und lebendig.

Verantwortlich für die gelungene Produktion sind die Profis der Pyrmonter Theater Companie. „Das Gute liegt so nah“, findet Bad Pyrmonts Museumsleiterin Melanie Mehring mit Blick auf die beteiligten Ensemble-Mitglieder.

„Völlig idiotensicher“: Die Audioguides sind laut Museumsleiterin Melanie Mehring wirklich einfach zu bedienen. Foto: jl

Zunächst hatte Mehring zu diversen Audioguide-Anbietern Kontakt aufgenommen. Aber die Angebote rissen sie nicht vom Hocker. „Da werden Wikipedia-Einträge vorgelesen oder Ausstellungen nacherzählt“, beschreibt sie die Optionen. „Langweilig.“

Dank des Companie-Ensembles und den angenehm unaufdringlichen Quellen-Lounge-Kompositionen von Arndt Jubal Mehring ist die Dauerausstellung des Museums nun um eine wirklich hörenswerte Attraktion reicher geworden. Denn die 38 jeweils zweieinhalb bis neun Minuten langen Beiträge ergänzen das Gesehene um Geschichten, die längst nicht jeder kennt. Aber, keine Bange: Niemand muss sich die dreieinhalb Hör-Stunden am Stück antun. Jeder kann sich nach seinen ganz persönlichen Interessen durchs Sortiment zappen – ob er nun mehr wissen will über die Dichter und Denker, die früher hier kurten, den Preußenkönig Friedrich Wilhelm II. und dessen Liebesleben, die offene Kanalisation hinter den einst 300 Toilettenhäuschen in der Hauptallee oder über die Kurstadt in der NS-Zeit. Und die Brunnenfund-Historie amüsiert als (fiktives) Interview mit dem Entdecker.

„Vieles wusste auch ich nicht über Bad Pyrmont“, sagt Produktionsleiter Jörg Schade, der die Kurstadt und ihre Historie eigentlich bestens kennt. „An einem langen Regentag kann man sich hier auch einfach mal hinsetzen und sich alles anhören.“ Und dort, wo es kein Bild zum Erzählten gibt, wird die Vorstellungskraft beim Hören geweckt. Melanie Mehring: „Das fördert die Phantasie.“

Schades Companie-Kompagnon Carl-Herbert Braun erarbeitete das Gesamtkonzept und führte Regie. „Charlie hat zwei Monate lang recherchiert“, beschreibt der Ensemble-Leiter den Aufwand im Vorfeld der Produktion. „Wenn wir was machen, dann auch richtig und ausführlich.“

Als Hauptsprecher konnte das Team den Schauspielkollegen Hans Jürgen Stockerl engagieren. Den kennen und schätzen nicht nur die Fans der Theater Companie. Wegen seiner „unglaublich sonoren Stimme und seiner fesselnden Erzählweise“ (Schade) wird der Mime auch regelmäßig vom Kultur-Fernsehsender arte, dem Bayerischen Rundfunk oder für renommierte Hörbuch-Produktionen gebucht.

Und tatsächlich: Als Melanie Mehring am Freitag bei der Präsentation ein paar Tracks zur Probe anspielt, macht das Reinhören Lust auf mehr. Denn sowohl die Inhalte als auch ihre Vermittlung entwickeln einen ziemlichen Sog.

Das professionelle Abmischen der Tracks hat übrigens ebenfalls ein Pyrmonter besorgt. Diese Aufgabe übernahm der Tonmeister Björn Bruns in seinem Studio.

Wer sein Smartphone (am besten samt Kopfhörer) dabeihat, kommt beim Besuch der Dauerausstellung auch ohne eins der 20 hauseigenen Abspielgeräte aus. Ein Extra-Flyer für Handynutzer enthält den QR-Code zum Abscannen und eine Liste der 38 Track-Titel. Fußboden-Sticker signalisieren zusätzlich die Stellen, wo Exponate und Einspielungen ideal zusammenpassen.

Doch es gibt noch einen anderen Weg zu den Audio-Inhalten. Über die Museums-Homepage sind sie auch ganz bequem zu Hause anzuhören – ob nun vor dem Besuch oder hinterher. Was das Pyrmonter Angebot dabei von anderen unterscheidet: Dank der Finanzierung durch den Museumsverein und die örtliche Sparkassenstiftung bleibt das Hörerlebnis für die Nutzer komplett kostenfrei.

Apropos: Die lokale Lösung hat sich nicht nur inhaltlich als Glücksgriff erwiesen, sondern wohl auch finanziell. Jörg Schade ist jedenfalls sicher: „Wäre der Audioguide anderswo produziert worden, dann hätte er sicher 10 000 Euro mehr gekostet.“



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