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Philosophische Weisheiten und vieles mehr von Thomas Reis an die reifere Generation

Genießt das Leben, es ist euer einziges

BAD PYRMONT. Fröhlich lächelnd begrüßt der Kabarettist Thomas Reis, den sicherlich zahlreiche TV-Zuschauer auch aus der kabarettistischen Anstalt oder den Mitternachtsspitzen kennen, seine „liebe Zielgruppe“, wie er es an diesem Abend im nicht gänzlich gefüllten Konzertraum der Wandelhalle nennt. Diejenigen, die sich hier versammelten, scheinen eher Nicht-Pyrmonter, dafür jedoch Fans dieses Charaktertypen und seines „scharfzüngigen Wortspiels“ (Pressespiegel) zu sein.

veröffentlicht am 10.02.2019 um 15:13 Uhr
aktualisiert am 10.02.2019 um 19:40 Uhr

Kabarettist Thomas Reis überzeugt in Bad Pyrmont mit seinem Humor und Facettenreichtum. Fotos: ti
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Autor

Klaus Titze Reporter
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Dass Reis dieses Metier beherrscht, beweist er auch an diesem Abend anhand zahlreicher Beispiele. Dabei geht er aktuellen Politikern ebenso an die Wäsche wie auch Persönlichkeiten anderer Spielfelder. Ob „Ängie“ Merkel, AKK (Annegret Kramp-Karrenbauer), der Horst (Seehofer), Nahles oder Söder, Kohl, alle bekommen ihr Fett weg, nicht selten, indem er diese Personen stimmlich nachahmt und karikiert.

Seine Parodien auf den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Kretschmer und „Jogi“ Löw oder Bernhard Grzimek in deren ureigensten Mimik und Sprechtechnik lösen Lachsalven aus wie auch trefflich identische Dialekte, beispielsweise in einem sächsischen Dialog über AfD, Pegida und Fremdenfeindlichkeit. Immer wieder zwischendurch verharrt er sinnend, schaut gedankenverloren weg vom Publikum, gibt diesem damit Zeit, das zuvor Gehörte zu verdauen.

Diese stillen Momente sind auch erforderlich, den seine Wortspielereien sind manchmal durchaus sarkastisch, und die gewährte Stille räumt Zeit ein, sich auf weitere spitzfindige und zugleich erheiternde Schlussfolgerungen und Begrifflichkeiten einlassen zu können. Da geht es um den Beziehungsalltag zwischen den Geschlechtern, dass „Vernunftehe“ ein Widerspruch in sich ist, man sich beim Standesamt verspricht: Bis dass der Tod uns scheide – und dann warte man vergebens darauf.

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Für die Älteren im Publikum stellt er die Frage, ob sie auch ein unbehagliches Gefühl verspüren, wenn sie am Computer „Alt-Entfernen“ drücken. Zudem bestehe die Gefahr, mit zunehmenden Alter nicht toleranter, sondern toleranzig zu werden. TV-Köche werden mal eben als Schnippelschamanen bezeichnet und Männer würden von Geburt an unterlegen sein, da sie über ein xy-Cromosom verfügten – also ungelöst! Deshalb würden Männer auch überlegen, während Frauen es sind.

Ein besonderes Vergnügen bereitet dem Publikum, dass es beim Raten von Werbeslogans einbezogen wird. So gibt Reis nur zwei Worte vor und schon folgt der Werbespot vielkehlig. Ob einem so viel Gutes widerfährt, der Tag geht und ein Getränk kommt, die Gardinen mit der besonderen Kante, man nicht in die Luft gehen oder den Husten nicht so schwer nehmen soll, stets folgt von Lachen begleitet die Ergänzung aus den Stuhlreihen. „Werbung“, so Reis, „ist der Borkenkäfer der Hirnrinde.“

Ohne irgendwelche Bühnenausstattung, lediglich mit alleiniger körperlicher Präsenz, ausdrucksstarker Mimik, stimmlicher Variation sowie leisen, nachdenklichen Tönen bis hin zu vulkanähnlichen Ausbrüchen lässt Thomas Reis wenig Raum, sich von Lachern zu erholen. Zum Abschluss hebt er sich noch seine Erfahrungsweisheiten auf, indem er dem reiferen Publikum mit auf den Weg gibt, dass man nicht jede Frau vernaschen könne, man solle es zumindest versuchen. „Genießt das Leben, es ist euer einziges“, ist nahezu ein Schlusssatz, bevor er lächelnd eine Zugabe mit den Worten zurückweist: „Ich bin ein Mann, ich gebe nichts zu!“



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