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Sebastian Krämer beglückt sein Publikum im Kurtheater mit Sprachpfeilen und Morbidität

Genialer Wortschrauber

Bad Pyrmont. Das schummerige Kurtheater hätte noch viel mehr Publikum aufnehmen können, und der geniale Wortschrauber Sebastian Krämer hätte es auch verdient gehabt. Doch die Zuschauer, darunter viele eingefleischte Fans, die seine Songs aus dem Effeff kennen, waren begeistert, gingen mit und generierten hie und da witzige Dialoge mit ihrem Star.

veröffentlicht am 08.11.2015 um 13:49 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 08:21 Uhr

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Autor:

RUdi Rudolph
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Dieser nahm sich ganz zurück. Abgesehen von seinem ersten Chanson, das er an der Rampe stehend und à cappella vortrug, verzog er sich an den Flügel und schoss von dort aus seine Sprachpfeile in den Saal. Im Plauderton sinniert er über ganz Alltägliches, über Unsinniges und Lapidares, um dann plötzlich auch einen kleinen Giftpfeil auszupacken. „Bis unsere Reise begann“ geht tief und anrührend in die menschliche Psyche hinein, und versunken resümiert der gebürtige Kalletaler Krämer: „Manchmal kommt man in der Stadt seiner Träume an, manchmal in Bad Pyrmont.“ Die Kurstadt bekommt gelegentlich einen kleinen Seitenhieb ab, doch nie bösartig, sondern eher melancholisch und mit einem verschmitzten Lächeln entschärft.

Gleich zu Beginn intoniert er seinen „Abschiedssong“, damit man das schon gleich einmal hinter sich hätte und zerpflückt das „so richtig reichhaltige und wertige“ Wort „Borschtsch“. Hier schwadroniert er über die Lautbildung und macht endlose Schlenker um dieses „Wort, das nur eine Silbe hat. Und wie lange wir uns schon damit aufhalten!“ In Alltagsgeschichten wie dem „Flötenunterricht“ demonstriert er, woran man durch diesen gehindert wäre und lässt den Refrain mit einem Seitenhieb auf den Flötenlehrer enden: „Er mag mich nicht, das Sackgesicht.“ Genüsslich wird das „Sackgesicht“ immer wieder eingebaut, bis auch das Publikum imstande ist, den Refrain donnernd mitzusingen.

Eine gewisse Morbidität kann man Krämer nicht absprechen. Hier erinnert er gelegentlich an Georg Kreisler und die „schwarze“ österreichische Chansontradition, auch wenn er eher einen expressiven, hochgradig differenzierten und akzentuierten Pianostil pflegt. Übrigens kongenial von seinem Bruder Felix am Violoncello unterstützt, der gelegentlich als Zielscheibe herhalten muss und Thema des Liedes „Mein Bruder“ ist. Was man doch alles erreichen, bekommen und erleben könnte – gäbe es da eben nicht diesen Bruder. Krämer wurstelt sich durch alle möglichen Themen, schafft es immer wieder, diese mit Tod und Toten zu verbinden und hinterlässt am Ende nach drei Zugaben ein glückliches Publikum.

Sebastian Krämer wurstelt sich durch alle möglichen Themen.uk

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