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„Familien mit behinderten Kindern“

Gemeinsam lernen sie die Ignoranz ertragen

Bad Pyrmont (Hei). Am Anfang denken die Eltern vielleicht noch, ihr Kind sei ein Spätentwickler, weil es nicht so reagiert wie andere Gleichaltrige, sich mit dem Laufen und Sprechen mehr Zeit nimmt als erwartet. Wenn dann der Arzt sagt: „Das wird schon noch!“, sind die Eltern erst einmal beruhigt. Doch irgendwann müssen sie sich der Realität stellen und für sich selbst erkennen, dass ihr Kind behindert ist.

veröffentlicht am 16.02.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 17:21 Uhr

Neben Familientreffen wie diesem auf dem Klüt organisiert die El
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„…und das ist meist

ein schmerzhafter Weg“

Erst dann, so betonen die Mitglieder der Elterninitiative „Familien mit behinderten Kindern“, ist man bereit, sich mit dem Problem und seinen Konsequenzen wirklich auseinanderzusetzen. „Man geht erst in eine Selbsthilfegruppe, wenn man sich damit abgefunden und es akzeptiert hat. Und das ist meist ein langer und schmerzhafter Weg“, stimmen die jungen Frauen überein, die im „komm“ zusammensitzen.

Seit Frühjahr 2008 besteht die Gruppe aus bisher acht betroffenen Familien, die sich alle drei Monate oder auch nach Bedarf treffen. Meist sind es die Mütter, die den Kontakt halten; zwischen sechs und zwölf Jahre alt sind ihre Kinder. Erfahrungen werden darüber ausgetauscht, welche Ärzte weitergeholfen haben und was den Kindern gut tut. Diskutiert werden Alltagsprobleme, Therapien, Fragen zur Pflegeversicherung, aber auch zur eigenen Entlastung und Erholung. Denn, das bestätigen alle Betroffenen an diesem Abend: Wenn ein Kind mit Autismus, Epilepsie oder Downsyndrom in einer Familie aufwächst, ist nichts mehr so, wie es war.

Dass diese Kinder in der Öffentlichkeit durch ihr manchmal auffälliges Verhalten die Passanten zu Kommentaren wie „Der gehört doch mal richtig verprügelt“ herausfordern – daran gewöhnt man sich wohl irgendwann. „Die Ignoranz der Gesellschaft lernt man zu ertragen“, sagt eine Mutter, die sich nach ihren eigenen Worten dann „wie eine Löwin“ vor ihr Kind stellt. Was wirklich belastet, so räumen alle ein, ist der schwierige Alltag in der häuslichen Umgebung. Fast alles dreht sich notwendigerweise um das behinderte Kind, das ständige Aufmerksamkeit und besondere Zuwendung braucht – keine leichte Situation auch für die gesunden Geschwister. Gerade Menschen mit Autismus, unter dem die meisten in der Gruppe leiden, müssen vor Reizüberflutungen geschützt werden – was ein besonderes Einfühlungsvermögen der Eltern erfordert.

Doch trotz aller Belastung gewinnen sie dem Leben mit ihren Kindern, von denen die meisten die Heinrich Kielhorn-Schule für geistig Behinderte in Hameln besuchen, auch im Alltag viel Positives ab. Die Elterninitiative organisiert gemeinsame gesellige Veranstaltungen, aber auch Aktionen, die den Kindern Spaß machen und sie zugleich fördern. Ein Ferien-Reitkurs soll zu Beginn der Osterferien wiederholt werden.

Kurs an der Musikschule

sehr gut gestartet

Im April startet ein integrativer Schwimmkurs, und vielversprechend begonnen hat auch die Behindertengruppe unter Leitung von Beatrice Uhlenhut an der Musikschule. In einer integrativen Gruppe des MTV Bad Pyrmont fördert Waltraud Leitsmann die Kinder durch psychomotorisches Turnen. Auch für konstante spezielle Therapien kämpfen die Eltern, die mit dem Behindertenbeirat der Stadt kooperieren und demnächst den Paritäten als Selbsthilfegruppe angeschlossen sein werden. „Wir sind offen für alle Formen von Behinderung und möchten auch eine Anlaufstelle sein für neu betroffene Eltern“, erklären Steffi Maltzahn und Anja Klostermann. Beide sind auch die Ansprechpartnerinnen der Initiative und unter Telefon 05281/95037 beziehungsweise 05281/163037 zu erreichen.



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