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Publikum feiert Gaby Köster

Gelungene Generalprobe

BAD PYRMONT. Eins muss man Gaby Köster lassen: Ihren Humor hat sie nicht verloren. Vor etwa zehn Jahren von einem Schlaganfall betroffen, der in den Medien viel Beachtung fand, kämpft sie sich langsam und tapfer zurück ins Leben, und das bedeutet für sie auch: auf die Bühne.

veröffentlicht am 11.03.2018 um 12:42 Uhr

Eine Stehauf-Frau, die im Kurtheater mit ihrem oft derben Humor immer wieder das Publikum zu Lachsalven hinriss: Gaby Köster bewältigte ihr Pyrmonter Gastspiel auch als Testlauf für kommende Bühnen-Auftritte. Foto: Hei
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Autor

Karin Heininger Reporterin
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So war ihr Pyrmonter Live-Gastspiel eins der ersten überhaupt nach ihrer Zwangspause und so etwas wie eine Generalprobe für weitere Auftritte. Noch immer gehandicapt in ihrer Bewegungsfreiheit, nimmt sie auf der Bühne des Kurtheaters Platz, ihren Laptop vor sich auf dem Tisch. Und dann legt sie los. Zwar abgelesen, doch immer wieder treffend, pfeffert sie ihre Pointen ins Publikum. Und das Publikum mag sie, ihren derben Witz und ihre Schnodderigkeit, bewundert aber wohl auch (man sieht`s an den stehenden Ovationen zum Schluss) ihr Durchhaltevermögen und die unsentimentale Art, mit der die Stehauf-Frau ihr Schicksal meistert.

Die Themen, die Gaby Köster sich vorknöpft, sind nicht neu und auch schon von anderen Comedians / Kabarettisten durchgekaut. Doch die Köster hat da so ihren eigenen Ton. Der kleine Donald mit der „pippigelben Sturmfrisur“, den die US-Bürger offenbar „beim Schrottwichteln gewonnen haben“, der Kampf mit schlecht sitzenden BHs und aufdringlichen Miederwarenfachverkäuferinnen in grell beleuchteten Umkleide-Kabinen, die Überraschung, wenn statt einer bei Amazon bestellten Bohrmaschine ein Dildo ankommt, mit dem sich dann rein gar nichts bohren lässt, fette Menschen in zu engen Jeans oder die unsägliche Mode von „Ganzkörper-Beschriftung“ und künstlichen Fingernägel-Schaufeln: Das alles knöpft sich Gaby Köster vor.

Und wo sie recht hat, hat sie recht: „Wenn unsere Politiker nur eine Woche mal mit einem Altenpfleger tauschen würden, wüssten sie besser Bescheid“, sagt sie unter dem Beifall der Zuhörer. Weil die Ärzte immer knapper werden, schwebt ihr die künftige Selbstversorgung der Patienten vor: OP-Bestecke und ähnliches Instrumentarium könnte es preiswert bei Obi im Regal geben.

Und dann ist da noch eine Geschichte, die sie als Selbsterfahrung zum Besten gibt. Weil ihr „Süßer“ die anstehende Bad-Renovierung unbedingt in Eigenleistung meistern wollte, ist am Ende das Fenster zugekachelt und die Bude ein Schlachtfeld. Das nur zum Thema handwerkliches Geschick der Männer!

Gaby Kösters schlicht gestrickten, oft derben Humor muss nicht jeder mögen, aber im Kurtheater folgt eine Lachsalve der nächsten. Ein Handicap ist dabei nur, dass die rheinische Frohnatur, die im Kölner Slang plaudert, akustisch nicht immer gut zu verstehen ist und ihren vorbereiteten Text zu rasant runterschnurrt. Ein Päuschen ab und zu, damit die Pointen sacken können, wäre nicht schlecht.



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