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Dr. Seltmann im Einsatz auf Mindanao

Geld aus dem Sparschwein hilft Ärztin beim Helfen

Bad Pyrmont (jl). Wieder einmal ist die Pyrmonter Ärztin Dr. Evelyn Seltmann dieser Tage frühmorgens in den Flieger gestiegen, diesmal zu einem sechswöchigen Hilfseinsatz in einem kleinen Hospital im Bergland der philippinischen Insel Mindanao. Im Gepäck hat die 46-Jährige auch fast 500 Euro, mit denen die Kundinnen der Pyrmonter Geschäftsfrau Elke Clasen ein Sparschwein auf dem Tresen ihrer Boutique gefüttert haben. Einfach so für die gute Sache. Ganz unbürokratisch und ohne Spendenquittung.

veröffentlicht am 15.06.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 02:41 Uhr

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„Ich finde es toll, wenn sich jemand so engagiert“

Direkt nach ihrer letzten 24-Stunden-Schicht im Krankenhaus von Salzkotten bei Paderborn ist die Gynäkologin schnell noch im Laden vorbeigekommen, um die Spenden mitzunehmen. Spontan greift Elke Clasen in ihre Kasse und legt noch ein paar Scheine drauf. Denn: „Ich finde es toll, wenn sich jemand so engagiert“ – zumal das Geld aus dem Sparschwein komplett dort landet, wo es landen soll. „Eins zu eins und ohne Verwaltungsaufwand.“

Finanzielle Unterstützung kann Dr. Seltmann bestens gebrauchen. So hat sie von den Spenden für ihren letzten Einsatz im Februar in Kalkutta Decken für bedürftige Slum-Bewohner gekauft und die Krebsoperation samt anschließender Chemotherapie für einen junge Frau bezahlt, die diese Behandlungskosten aus eigener Kraft nie hätte aufbringen können. Denn: „Meine Organisation, ,Arzte für die Dritte Welt’, kann nur die Basisbehandlung der Patienten und die Medikamente in unseren Armenhospitälern tragen, aber keine Spezialbehandlungen“, erklärt die Ärztin, die in Kalkutta ganz nebenbei auch noch ein Sozialprojekt für Frauen aufgezogen hat. Mit Unterstützung der Schauspielerin und Medizinerkollegin Maria Furtwängler, die über ihren Werbevertrag mit L’Oréal Geld bei dem Kosmetikkonzern lockermachen konnte.

In dem Projekt können Frauen eine Ausbildung machen, die sonst keine Chance hätten. So wie eine alleinstehende Mutter von vier Kindern. Kurz nach dem Tuberkulose-Tod ihres Mannes setzten die Schwiegereltern die ebenfalls TB-kranke junge Witwe mit ihren drei Töchtern vor die Tür. Nur ihren kleinen Sohn behielten sie. „Erst haben wir die Tuberkulose der Frau behandelt, und jetzt lernt sie Sticken, Stricken und Nähen“, erzählt ihre Retterin. Und ihren fröhlich strahlenden Augen sind die Strapazen der letzten Schicht im Erste-Welt-Krankenhaus nicht anzusehen.

Verarztet Dr. Seltmann in Indien Patienten mit den unterschiedlichsten Beschwerden, so freut sich die Gynäkologin jetzt besonders auf den Mindanao-Einsatz. „Denn da kann ich vor allem Geburtshilfe leisten.“ Hausgeburten dort seien besonders riskant, weil viele Frauen blutarm und allgemein in keinem guten Zustand seien. „Und das nächste Krankenhaus ist zwei, drei Stunden entfernt.“

„Einsatz in Kalkutta“ am 8. Juli im Fernsehen

Angst vor ihrer Arbeit dort, wo die islamistische „Abu Say- yaf“-Gruppe die Menschen terrorisiert und auch Kidnapping zu ihren Mitteln zählt, ist der zierlichen Medizinerin nicht anzumerken – obwohl sie ihren letzten Einsatz auf Mindanao vor einigen Jahren vorzeitig beenden musste. „Vor der Abreise in den nächsten Ort hat uns der Dorfälteste gewarnt. Denn die Abu Sayyaf hatte unser Ziel am Tag zuvor eingenommen“, erinnert sich die Ärztin. „Das hatten die Bewohner per Rauchzeichen mitgeteilt.“ Ein „ungutes Gefühl“ damals gesteht sie immerhin ein.

Wer mehr über die Arbeit von Dr. Evelyn Seltmann erfahren möchte, hat dazu am 8. Juli um 21.45 Uhr Gelegenheit. Denn dann sendet das Erste in der Reihe ARD-exclusiv den „Einsatz in Kalkutta“. Dazu wurde die Pyrmonter Ärztin von einem Filmteam zehn Tage lang bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit dort begleitet.

Und natürlich hoffen Dr. Seltmann und auch Elke Clasen, dass die Kundinnen das putzige Sparschwein im grünen Tüllrock auch in Zukunft fleißig füttern. Wer indes eine Spende samt Quittung vorzieht, kann seinen Beitrag an die „Ärzte für die Dritte Welt“ leisten bei der Evangelischen Kreditgenossenschaft, Bankleitzahl 500 605 00, auf das Konto 4 88 88 8 0.

Dr. Evelyn Seltmann (li.) und Elke Clasen zählen das gespendete Geld. 24 Stunden später wird die Gynäkologin im Flieger sitzen – zu ihrem nächsten Hilfseinsatz für die „Ärzte für die Dritte Welt“ auf den Philippinen.

Foto: jl



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