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Michael Seubert lockte mit außergewöhnlichem Instrument – doch die Besucherresonanz war kläglich

Geisterkonzert in der Musikschule

BAD PYRMONT. Ein als „Gesprächskonzert“ titulierter Abend ist etwas ganz Besonderes, hat es doch in der Kurstadt bisher so etwas nicht gegeben. Und dass ein ausgewiesener Experte auf der Gitarre, und in diesem Falle sogar einer zehnsaitigen, in der Musikschule zu Gast sein würde, ebenfalls nicht. Doch das Echo war blamabel.

veröffentlicht am 12.12.2018 um 16:45 Uhr
aktualisiert am 12.12.2018 um 20:10 Uhr

Eine enorme Klangfülle entfaltet das Spiel der zehnsaitigen Gitarre – eindrucksvoll dargeboten von Michael Seubert. Foto: Michael Seubert/Pr
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Autor

Rudi Rudolph Reporter
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Inklusive Berichterstatter fanden nur Angelika Kawalek, stellvertretende Leiterin der Musikschule, und der neue Kollege, Gitarrenlehrer Andreas Flick, den Weg in den Lortzingsaal.

Allerdings muss sich die Musikschule der Kritik stellen, dass eine adäquate Information der Öffentlichkeit nicht rechtzeitig stattgefunden hatte. Für den Künstler sicherlich ein böser Tritt ans Schienbein, doch machte Michael Seubert dennoch aus dem Abend ein echtes Erlebnis. Denn er spielt ein Instrument des weltberühmten Gitarrenbauers Masaru Kohno mit zehn Saiten, dessen Konzept in den frühen 1960er Jahren von dem international erfolgreichen spanischen Gitarrenvirtuosen Narciso Yepes entwickelt wurde. Die Idee dahinter ist die Entwicklung einer enormen Klangfülle, da die zusätzlichen Saiten bei fast jedem Anschlag der konventionellen sechs Saiten die Schwingung aufnehmen und ein breites und spürbares Klangbett entwickeln, auf dem die gezupften Töne zu tanzen scheinen.

Michael Seubert demonstrierte diese Eigenheit mit unglaublicher Intensität, spielte kleine Passagen spanischer Musik, um den impressionistischen Charakter deutlich zu machen und erläuterte die ganz speziellen Herausforderungen für den Solisten. Schon vor Narciso Yepes hatte es in der Renaissance und in der Lautenmusik zehn Saiten gegeben, doch wurde das Klangbild auf die Gitarre übertragen und durch Yepes auf die Spitze entwickelt. „Es gibt wenige Kompositionen für die zehnsaitige Gitarre,“ erklärte Seubert, „und man muss darauf achten, dass der Ton wie ein eigener Hall von den Saiten übernommen wird. Wo es passt, hilft es der Musik, wo nicht, nervt es.“

„Das tanzende Irrlicht“ von Manuel de Falla war ein gutes Beispiel dafür, ebenso seine „Hommage à Debussy“, die zwar spanische Folkloreelemente beinhaltete, jedoch „Kunst“ sein sollte und daher mit Brüchen, Abgleitungen und impressionistischen Eindrücken arbeitete. Michael Seubert hat das Projekt „Decacorde – Die Kunst der zehnsaitigen Gitarre“ ins Leben gerufen, womit besonders Kinder und Jugendliche erreicht werden sollen, die sich der klassischen Gitarre verschrieben haben. Sein Konzert in der Musikschule hätte dazu eine wunderbare Plattform sein können, denn die Wirkungsweise der vier weiteren Basssaiten und die Stimmung des Instrumentes in der sogenannten Yepes-Stimmung hätten durchaus eine Bereicherung sowohl der Musikschule als auch des hiesigen Konzertbetriebes darstellen können.

Musikschuldirektor Arndt Jubal Mehring stellte in Aussicht, dass dieser hervorragende Interpret im Februar wieder eine Bühne erhalten solle, wenn Gitarrenlehrer Andreas Flick sich der Öffentlichkeit mit einem Gitarrenkonzert vorstellen will, das dann in zwei Hälften beide Musiker angemessen berücksichtigt.



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