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Ausstellung zeigt Japan des 19. Jahrhunderts

„Geishas, Dirnen, Kurtisanen“ in Pyrmont

BAD PYRMONT. Geishas, Dirnen und Kurtisanen - das sind jene Frauen, denen unter anderem mit Serien der Künstler Kobayashi Kiyochika und Taiso Yoshitoshi, die neue Ausstellung im Museum gewidmet ist, in der zirka 80 Farbholzschnitte zu sehen sind. Die Ausstellung widmiet sich dem Japan des 19. Jahrhunderts.

veröffentlicht am 09.11.2017 um 17:22 Uhr
aktualisiert am 09.11.2017 um 18:00 Uhr

Anlass für eine Diskussion geben die Bilder der neuen Ausstellung im Museum allemal. Foto: Hei
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Karin Heininger Reporterin
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Um 7 Uhr am Vormittag ordnet sie ihre Locken, um 9 Uhr hängt sie Kekse zum Neujahrsfest an einen blühenden Pflaumenbaum, und um 5 Uhr nachmittags überlegt sie, wie sie den Abend gestalten soll und zerdrückt dabei gelangweilt einen kleinen Floh. Um Mitternacht schließlich ist sie müde und beginnt zu schlafen.

„Sie“: Das ist jeweils eine geheimnisvolle Schöne aus dem Vergnügungsviertel Tokios, eine Dirne, Kurtisane oder vielleicht sogar eine Geisha. Diesen Frauen ist, unter anderem mit Serien der Künstler Kobayashi Kiyochika und Taiso Yoshitoshi, die neue Ausstellung im Museum gewidmet, in der zirka 80 Farbholzschnitte zu sehen sind. Nicht nur Damen aus dem Milieu, sondern auch Karikaturen, die den politischen Weg Japans beleuchten. Drucke, die mit feinen Strichen und ausgesuchten Farben ästhetisch schön anzusehen sind und doch irgendwie fremd und unnahbar bleiben.

Obwohl der japanische Farbholzschnitt aus der Zeit zwischen 1835 und 1889 die Bildsprache Europas mitgeprägt habe, seien diese Meisterwerke dennoch keine elitäre Kunstproduktion, sondern ein Massenphänomen gewesen, betonte der Leihgeber und Kurator der Ausstellung, Gerhard Friedrich Philipp, bei der Eröffnung. „Es sind Abbildungen einer flüchtigen vergänglichen Welt, von Männern für Männer gemacht. Millionen von Holzschnitt-Exemplaren, produziert, bis der Druckstock abgerieben war“.

Die Kunst, verschiedene Gesichter zu machen: Auch das ist ein Thema und gehört zu den Karikaturen bei der Entdeckungsreise in das Japan des 19. Jahrhunderts. Foto: Hei
  • Die Kunst, verschiedene Gesichter zu machen: Auch das ist ein Thema und gehört zu den Karikaturen bei der Entdeckungsreise in das Japan des 19. Jahrhunderts. Foto: Hei

Erst das große Interesse der Europäer für das Fremde, Exotische habe den Holzschnitt wieder wertvoll gemacht und sei zum Beispiel für Vincent van Gogh eine Quelle der Inspiration gewesen, sagte der Kurator. Museumsleiterin Vanessa Heitland unterstrich den Bezug der japanischen Kultur zu europäischen Opern wie „Madame Butterfly“ und sogar bis zu den heutigen Comics mit den „Mangas“. Das Interesse bei der Vernissage war sehr groß, die Beletage bis auf den letzten Platz besetzt. Ein Blumen-Arrangement im Stil der japanischen Ikebana-Kunst schmückte den Festsaal, von dem aus die Besucher sich auf die Entdeckungsreise in das Japan des 19. Jahrhunderts machten.

Es sind nicht nur die „Geishas, Dirnen, Kurtisanen“, die bis zum 28. Januar zu sehen sind, mit ihren kunstvollen Frisuren und den farbenprächtigen Kimonos, sondern auch Frauen beim Klöppeln und Knüpfen der Fischnetze, also aus einem ganz anderen Arbeiter-Milieu. Das Obergeschoss ist den Karikaturen und politischen Themen gewidmet, so mit einer witzigen Serie über „die Kunst, verschiedene Gesichter zu machen“.

Auch wenn vieles in der Ausstellung rätselhaft bleibt: Die Präsentation ist auf jeden Fall sehr gut und anschaulich gemacht und wird von informativen Texten begleitet. Bei der Entschlüsselung können die Führungen des Kurators Philipp (19. November, 10. Dezember, 21. Januar 2018, jeweils 15 Uhr) und sein Vortrag am 19. Januar 2018, 19.30 Uhr in der Beletage, eine Hilfe sein. Der Fachmann lobte bei der Vernissage ausdrücklich die konstruktive Zusammenarbeit mit dem Museum.

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