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Clubs haben gemeinsam Spaß

Gegen den Trend: So schön ist Kegeln in Bad Pyrmont

BAD PYRMONT. Wenn man das Licht ausmacht auf den zwei Kegelbahnen, dann beginnt die Meerjungfrau zu leuchten. Doch meist schwimmt sie so vor sich hin, an die Wand gemalt über 18 Kegel, die strammstehen, bis einer sie umwirft – zwei oder drei Kegel, vielleicht auch nur einen, aber im Idealfall „alle Neune“.

veröffentlicht am 04.03.2018 um 18:55 Uhr

Eine bunt gemixte, eingeschworene Truppe: Der Kegelclub „Einer steht immer“. Foto: Hei
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Karin Heininger Reporterin
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Wenn das einer schafft – was selten genug vorkommt –, dann müssen die anderen Kegelschwestern und -brüder zahlen. Wirft dagegen jemand eine „Pumpe“ und lässt also seine Kugel an den Kegeln vorbei ins Leere läufen, dann muss er zahlen. Die Spielregeln ähneln sich überall dort, wo Gruppen, Familien oder Vereine sich dem Kegeln widmen.

Dass dies immer seltener passiert, haben jüngst Umfragen ergeben: Das Kegeln – noch vor wenigen Jahrzehnten eine der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der Deutschen – droht auszusterben. Auch in Bad Pyrmont gab es (nicht nur) in dieser Beziehung schon bessere Zeiten. Doch das liegt nicht allein daran, dass immer weniger Menschen Lust haben auf das Vergnügen, dem vor allem Junge offenbar nicht mehr viel abgewinnen können. Immer mehr Lokale mit Kegelbahnen wurden geschlossen. Die Brunnenstube, der Lindenhof, die Saline – das waren früher verlässliche Orte, um eine ruhige Kugel zu schieben. Und auch die Weserklinik und das Schwimmbad-Restaurant haben ihre einst gut frequentierten Bahnen aufgegeben. Das Jungvolk geht, wenn überhaupt, eher auswärts bowlen. Das klingt mehr nach Event.

Doch noch ist nicht alle Hoffnung verloren für die Sportsfreunde, die sich regelmäßig treffen, ihre Kugeln mit viel Schmackes werfen, im Nebenraum ein Bierchen trinken und sich einfach auch gemütlich unterhalten wollen. So wie zum Beispiel im „Kempenhof“ am Golfplatz, im „Container“ an der Soldbadstraße oder im „Alt Holzhausen“ an der Schillerstraße.

Das älteste Mitglied im Club „Einer steht immer“ ist Marita Garms, frische 80, und sehr beweglich. foto: Hei
  • Das älteste Mitglied im Club „Einer steht immer“ ist Marita Garms, frische 80, und sehr beweglich. foto: Hei

Hier treffen sich regelmäßig Gruppen zum Freizeitvergnügen, aber auch Familien oder Freundeskreise kommen gelegentlich.

„Einer steht immer“ nennt sich ein Club, dessen elf Mitglieder sich seit sechs Jahren alle vier Wochen im „Container“ auf der Bahn mit der Meerjungfrau und einer digitalen Wurfanzeige treffen. Der Name prangt auf dem Rücken ihrer T-Shirts, daneben sind Kegel aufgemalt, damit auch jeder weiß, um was es geht.

Es ist fast eine familiäre Runde, denn kegelnde Väter haben ihre Kinder mitgebracht, so wie Familie Goihl mit dem Jüngsten der Gruppe, Maurice (21). Das älteste Mitglied im Club ist Marita Garms, frische 80, und sehr beweglich. Damit „die Knochen nicht einrosten“, ist sie regelmäßig dabei, obwohl sie vor zwei Jahren eine neue Hüfte bekam.

Wer der Crack im Club ist, kann Kegelvater Stefan Bertram nicht genau sagen: „Das ist von der Tagesform abhängig“. Was aber bei allen zählt, sind der Spaß und die nette Gemeinschaft. „Wenn Kegeln ansteht, lässt man alles andere stehen und liegen“, sagt ein Mitglied. Und auch Hausherr Gerald Lemanschik kegelt mit. Er hat noch vier andere Kegel-Gruppen hier, und was ihm besonders am Herzen liegt: Zweimal im Monat sind Bewohner der Diakonischen Werke Himmelsthür zu Gast, dem Haus für Erwachsene mit Behinderung. Aus der Mitgliedskasse gönnen sich die Kegler Grillfeste oder kleine Ausflüge in die Umgebung.

Auch wenn sie den Namen „Mallorca-Füchse“ trägt: Weiter als bis zum Solling ist auch eine andere Keglergruppe, die sich regelmäßig im Alt-Holzhausen trifft, noch nicht gekommen. Hier haben sich elf befreundete Holzhäuser, die alle auch im Schützenverein sind und im Vorstand des früheren Kinderchores waren, schon 1992 zusammen geschlossen. Erst kegelte man im Lindenhof, seit 2005 im Alt-Holzhausen. Eine gewachsene Gemeinschaft, die auch zusammen Geburtstage feiert oder mal Essen geht. Durchschnittsalter um die 60. „Wir sind alle im knackigen Alter – es knackt mal hier und mal da“, scherzt Georg Wilsmann, der früher als Mitarbeiter der Weserklinik dort auch schon am Turnierkegeln teilnahm.

Hier kegeln sie alle zum Spaß, nehmen sich aber ernst genug, um eine eigene Satzung zu haben, in der die Spielregeln festgelegt sind. Einmal monatlich treffen sie sich im Keller, machen verschiedene Spiele auf den beiden Bahnen, verteilen Urkunden für „Acht ums Vordereck“, lassen eine Runde spendieren, wenn jemand eine Schnapszahl wirft, oder lassen sich vom „Glückskegler“ zum Essen einladen. Weitere Mitglieder, vor allem jüngere, wären willkommen. „Aber sie müssen dann schon zu uns passen“, betonen Kegelvater Gerhard Kropp und Kegelmutter Regina Kube.

Und wer weiß, weil auf den Kegelbahnen gerne und immer wieder auch Kindergeburtstage gefeiert werden, wie die Inhaber versichern, stirbt der Kegelsport vielleicht doch nicht so schnell aus wie es die jüngste Umfrage fast erwarten ließe.



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