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Alte Synagoge erinnert an weitere NS-Opfer

Gedenktafel erweitert

Detmold. Es war ihm ein letztes wichtiges Anliegen, bevor er in den Ruhestand ging: Am vorletzten Arbeitstag von Stadtarchivar Dr. Andreas Ruppert wurde an der Gedenkstätte „Alte Synagoge“ an der Exterstraße eine Namenstafel mit 12 weiteren Detmolder Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft offiziell eingeweiht.

veröffentlicht am 09.12.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 04:21 Uhr

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Im Laufe der letzten Jahre wurden 12 weitere NS-Opfer gefunden, deren Namen nun an der Gedenkstätte Alte Synagoge ergänzt wurden. Die Namen wurden zum Teil in städtischen Akten gefunden, zum Teil in Akten der Jüdischen Gemeinde Lippe, die im Zentralarchiv zur Geschichte der deutschen Juden in Heidelberg aufbewahrt werden. Acht der nun gewürdigten Opfer starben in Konzentrationslagern bzw. überlebten die Befreiung aus dem KZ nur kurz. Eine Frau konnte sich von den Hungerrationen in einer psychiatrischen Anstalt nicht mehr erholen. Zwei Kinder der ehemaligen jüdischen Schule in der Gartenstraße 6 wurden deportiert, ihr Schicksal ist bis heute unbekannt. Eine Frau starb in Theresienstadt.

Die Kriterien zur Aufnahme in die Namenstafel sind, dass die Betreffenden durch NS-Gewaltmaßnahmen umgekommen sind und in Detmold gelebt haben. Jeder Einzelfall bedurfte einer eingehenden Prüfung. Deshalb hatte Stadtarchivar Dr. Andreas Ruppert um Beratung gebeten und folgende Fachleute waren an den Gesprächen und Entscheidungen beteiligt: Die Historikerin Gudrun Mitschke-Buchholz, die das Gedenkbuch der Detmolder NS-Opfer erstellt hat und Lars Lüking, der im Landesarchiv NRW Abt. OWL für Justizakten zuständig ist und sich durch die Beteiligung an mehreren Ausstellungen grundlegende Sachkompetenz erworben hat. Dazu kam Henri Gossen, Schüler des August-Hermann-Francke-Gymnasiums, der ein Praktikum im Stadtarchiv ableistete und die Diskussion durch kluge und gut überlegte Einschätzungen bereicherte.

„Es gehört zur Detmolder Gedenkkultur, dass allen Opfern, die noch bekannt werden, ihre Namen an der Gedenkstätte an der Alten Synagoge zurückgegeben werden“, sagte Bürgermeister Rainer Heller, der gemeinsam mit Dr. Ruppert und weiteren Beteiligten als erster die neue Tafel in Augenschein nahm.

Es geht um Siegfried und Else Brandt, geb. Simon sowie um Inge Brandt, sie starben 1945 in Bergen-Belsen. Erich Echterhoff ist 1943 im KZ Sachsenhausen umgekommen. Hermann Filges starb bereits 1941 im KZ Buchenwald. Josef Happe ist 1943 in Mauthausen umgekommen, Reimer Hehnke fand 1943 im KZ Neuengamme den Tod. Irmgard Heiss, geb. Stellbrink, starb 1944 im Lindenhaus, nachdem sie in der Psychiatrischen Anstalt Weilmünster der „Vernichtung durch Verhungern“ ausgesetzt worden war. Herbert Levi, Kind an der jüdischen Schule in der Gartenstraße, hat nicht überlebt, sein Schicksal ist ungeklärt. Jette Ries, geb. Salomon, ist 1943 in Theresienstadt gestorben, Margot Rothenberg, ein Kind an der jüdischen Schule in der Gartenstraße, hat ebenfalls nicht überlebt, ihr Schicksal ist ungeklärt. Albert Schmick ist im KZ Neuengamme umgekommen.

V. li.: Lars Lüking, Gudrun Mitschke-Buchholz, Stadtarchivar a. D. Dr. Andreas Ruppert und Bürgermeister Rainer Heller an der neuen Gedenktafel mit Namen von NS-Opfern.

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