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„Ein Tag der Trauer, ein Tag des Nachdenkens“

Gedenken an die Pogromnacht 1938

BAD PYRMONT. Bei der Gedenkfeier auf dem jüdischen Friedhof an die Pogrome der Nationalsozialisten in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 hat Bad Pyrmonts Bürgermeister Klaus Blome die Verpflichtung unterstrichen, das Gedenken an das Morden und Rauben aufrechtzuhalten und weiterzugeben.

veröffentlicht am 09.11.2017 um 17:12 Uhr
aktualisiert am 09.11.2017 um 18:20 Uhr

Auf dem jüdischen Friedhof an der Bombergallee gedachten Pyrmonter den Opfern der Pogromnacht im Jahr 1938. Foto: uk
Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
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In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten jüdische Synagogen in ganz Deutschland. Es wurden die Schaufenster jüdischer Geschäfte zertrümmert, die Wohnungen jüdischer Bürger demoliert und ihre Bewohner misshandelt. Über 90 Tote, 267 zerstörte Gottes- und Gemeindehäuser und 7500 verwüstete Geschäfte – das war die „offizielle“ Bilanz des Terrors. Tatsächlich starben während und unmittelbar in Folge der Ausschreitungen weit mehr als 1300 Menschen, über die Hälfte aller Synagogen und Gebetshäuser in Deutschland und Österreich wurden stark beschädigt oder ganz zerstört.

Zum Gedenken an diese Pogromnacht, in der auch in Bad Pyrmont SA-Männer wüteten, versammelten sich am Donnerstagnachmittag auf dem jüdischen Friedhof an der Bombergallee, gut 50 Männer und Frauen, darunter Mitglieder der liberalen jüdischen Gemeinde Bad Pyrmont, Vertreter des Rates und Pyrmonter, die sich diesem Gedenken verpflichtet fühlen.

„Auch wir, die wir die schrecklichen Bilder des Krieges, der Vertreibung und des millionenfachen Mordes nicht erlebt haben, sind verpflichtet, das Gedenken an das Morden und Rauben aufrechtzuhalten und weiterzugeben“, mahnte Bürgermeister Klaus Blome. „Es wurde nicht nur geraubt und gestohlen. Es wurde den niedrigsten Instinkten freien Lauf gelassen. An diesem Tag hat der nationalsozialistische Staat seine verbrecherische Gesinnung offen und ohne Scheu zur Schau gestellt.“ Es sei aber ein Zeichen von Versöhnung und Verständigung, dass es heute wieder eine jüdische Gemeinde in Bad Pyrmont gebe, so Blome.

Klara Behnke, Vorsitzende der liberalen jüdischen Gemeinde Bad Pyrmont, erinnerte daran, dass auch Juden aus Lügde im Getto von Riga umgekommen seien. Es seien aber deutsche Freiwillige gewesen, die in Lettland die Denkmäler für erschossene Juden aufgestellt hätten. „Neben diesen Gedenkstätten zeichnet sich der Übergang von einem sozialen Gedächtnis zu einem kulturellen Gedenken ab“, stellte sie fest. „Das ist wichtig, denn die Zeugen dieser Zeit werden weniger und weniger.“

Klaus Titze, Sprecher des städtischen „Arbeitskreises 27. Januar“, sprach davon, dass in Bad Pyrmont in dieser Nacht acht jüdische Mitbürger von der SA in „Schutzhaft“ genommen worden seien, von denen sieben im Konzentrationslager Buchenwald starben. Nur der angesehene Arzt Dr. Gustav Sturmthal entkam diesem Schicksal, weil sich der Apotheker Wiedel für ihn einsetzte. Die jüdische Synagoge an der Bathildisstraße sei von der SA nur deshalb nicht angezündet worden, weil sie zwei Tage zuvor an einen Arier verkauft worden sei. „Die Vorgänge in dieser Nacht waren nicht spontan, das war geplant. 15 bis 20 SA-Männer versammelte sich gegen 4.30 Uhr am Waisenhof. Sie hatten einen klaren Auftrag: Juden wecken, verhaften und der Polizei in Schutzhaft übergeben“, so Titze. „Dabei hatten sie sich nichts zu Schulden kommen lassen. Sie waren einfach nur Juden.“

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